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Politik national

Sonnleitner: Müssen unser Selbstbild kritisch prüfen

von , am
06.07.2010

Berlin - Der Deutsche Bauernverband (DBV) will in seiner Interessenvertretung dem Wandel in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik Rechnung tragen.

Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner © DBV

Diesem Ziel dient der bereits im Herbst letzten Jahres eingeleitete berufsständische Leitbildprozess, dessen erste Ergebnisse auf dem Deutschen Bauerntag in Berlin vorgestellt wurden.

"Wir sehen Handlungsbedarf und Herausforderungen in den Bereichen Markt und Kommunikation und müssen unser Selbstverständnis und unsere Strukturen einer kritischen Prüfung unterziehen", fasste DBV-Präsident Gerd Sonnleitner die bisherigen Diskussionen in den Arbeitsgruppen zusammen. Beispielsweise werde darüber nachgedacht, den Produktbereichen Ackerbau, Veredlung und Milch mehr Profil und Kompetenz zu geben.

Dialogprozess auf allen Ebenen führen

Auch die angelaufene Imagekampagne, mit der der Verband seine agrarpolitischen Forderungen zur Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik begleite, sei auf die bisherigen Diskussionen zurückzuführen. Sonnleitner appellierte an die Landes- und Kreisbauernverbände, sich aktiv in die Debatte um die Dialog- und Zukunftsinitiative einzubringen. "Ohne Ihre Mitwirkung geht es nicht", so der DBV-Präsident an die Adresse der rund 400 Delegierten. Ziel sei es, den Prozess weiter voranzutreiben und auf dem nächsten Deutschen Bauerntag 2011 in Koblenz Beschlüsse zu fassen.

Geänderte Agrarpolitik

Sonnleitner nannte eine Reihe von Veränderungen in den Rahmenbedingungen, auf die der Bauernverband mit seinem Selbstverständnis und in seiner Arbeit reagieren müsse. So werde die Agrarpolitik in Zukunft "nichts mehr mit Markt- und Preispolitik am Hut haben". In der Politik vollziehe sich ein Generationswechsel in der Art, "weg vom Politiker aus Berufung hin zum Politiker als Beruf, der nicht mehr viel mit Landwirtschaft zu tun hat". Schließlich sei auch die Landwirtschaft den Änderungen in einer Medienwelt ausgesetzt, "die in der Zuspitzung und Boulevardisierung ihr Heil sucht". Gleichzeitig sehe sich der DBV veränderten Ansprüchen und Erwartungen der Landwirte an eine moderne und weiterhin schlagkräftige Interessenvertretung gegenüber. Dabei gehe es um die Ansprüche und Erwartungen von Landwirten, "die mit ihren Betrieben wachsen wollen und professionell und spezialisiert auf immer stürmischeren Märkten arbeiten".

Gemeinsame Wertorientierungen

Der Vorsitzende der Projektarbeitsgruppe "Leitbild" und DBV-Vizepräsident Werner Hilse rief die Delegierten auf, mit den Mitgliedern verstärkt in den Dialog über grundlegende Werte und Leitlinien der zukünftigen Verbandsarbeit zu treten. Zentrale Fragestellungen seien dabei unter anderem, wie ein starker und einflussreicher Bauernverband erhalten werden könne, welche gemeinsamen Wertorientierungen es angesichts einer zunehmenden Spezialisierung und Vielfalt gebe und wie der innerverbandliche Umgang und Dialog organisiert werden sollte. Bis zum Koblenzer Bauerntag werde man Orientierung und Antworten geben auf drängende Herausforderungen in der Landwirtschaft und im Verband, kündigte Hilse an. Darüber hinaus gelte es, bis in einem Jahr Überzeugungen und Grundsätze für die Arbeit des Verbandes zu formulieren, eine verbindende Klammer zwischen den immer vielfältigeren und spezialisierteren Betrieben zu finden sowie eine breite Debatte und Beteiligung der Mitglieder zu erreichen.

Spezialthemen besser abbilden

Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe "Produkt und Markt", DBV-Vizepräsident Franz-Josef Möllers, schlug exemplarisch für den Veredlungsbereich vor, die Verbandsarbeit für die einzelnen Produkt- und Marktbereiche noch besser über alle Ebenen des Verbandes zu vernetzen und gezielte Informations- und Diskussionsangebote für zunehmend spezialisiertere Betriebsleiter zu entwickeln. Generell müsse es darum gehen, Spezialthemen besser als bisher im Verband abzubilden, mehr Freiraum in der Verbandsarbeit für Produktgruppen zu schaffen und Spezialinteressen gerecht zu werden. Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe "Medien" und des DBV-Fachausschusses Öffentlichkeitsarbeit, Joachim Rukwied, bezeichnete eine Verbesserung der externen und internen Verbandskommunikation als unerlässlich. Dabei gehe es nicht zuletzt darum, die neuen Formen der Kommunikation auf ihre Eignung für die Verbandsarbeit zu prüfen und gegebenenfalls zu nutzen. (AgE)

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