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Wirtschaft

Stabile Arbeitseinkommen in der EU-Landwirtschaft

Norbert Lehmann, agrarmanager
am
17.07.2013

Die realen Arbeitseinkommen pro Jahresarbeitseinheit sind in der EU-Landwirtschaft 2012 stabil geblieben. Eine mengenmäßig etwas niedrigere Tier- und Pflanzenproduktion wurde durch höhere Preise aufgefangen. Das geht aus vorläufigen Angaben von Eurostat hervor.

Wie das Statistische Amt der Europäischen Union mitteilte, endete damit die deutliche Aufwärtsbewegung des realen Faktoreinkommens je Jahresarbeitseinheit (Indikator A) der beiden Vorjahre. In 2011 war der Einkommensindikator um 8,3 Prozent (%) und 2010 sogar um 17,1 % gestiegen.
 
Bezogen auf das Jahr 2005 beträgt der Einkommenszuwachs je Jahresarbeitseinheit in der Gemeinschaft 28,5 %, für Deutschland 44,4 %. Zu der Einkommensverbesserung trug bei, dass der Arbeitseinsatz in der EU-Landwirtschaft seither um fast 20 % verringert wurde.

Ost und West gespalten

Im vergangenen Jahr verlief die Entwicklung in den 15 "alten" Mitgliedstaaten und den zwölf "neuen" mittel- und osteuropäischen Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich. Während die landwirtschaftlichen Einkommen je Arbeitseinheit in der EU-15 gegenüber 2011 um 3,4 % kletterten, verzeichnete die EU-12 im Durchschnitt ein Minus von 11,7 %.
 
Die höchsten Zuwachsraten meldeten Belgien mit 27,9 % und Lettland mit 21 %. Deutschland lag mit einem Plus von 14,9 % ebenfalls in der Spitzengruppe und gleichauf mit den Niederlanden. 

Österreich fällt zurück

Das untere Ende der Skala markierte Rumänien. Vor allem durch den deutlich niedrigeren Produktionswert der pflanzlichen Erzeugung verschlechterte sich das rumänische Einkommen je Arbeitseinheit laut Eurostat 2012 gegenüber dem Vorjahr um 27,1 %. Auch Polen und Slowenien mussten mit einem Rückgang um 13,7 % beziehungsweise 12,2 % schmerzhafte Einbußen hinnehmen. Verhältnismäßig schlecht schnitt Österreich ab mit einem Minus von 7,5 %.
 
Insgesamt zeigt die Statistik, dass die Arbeitsproduktivität in den alten Mitgliedstaaten der EU noch immer deutlich höher ist als in den vorwiegend mittel- und osteuropäischen Ländern: In 2012 wurden fast 83 % des Faktoreinkommens in der EU-15 erwirtschaftet; dort wurde aber nur die Hälfte des EU-weiten Arbeitseinsatzes geleistet.

Faktoreinkommen ist nicht gleich Haushaltseinkommen

Eurostat weist darauf hin, dass die Statistik auf vorläufigen Schätzungen der Mitgliedstaaten beruht. Auch darf der Einkommensindikator nicht mit den tatsächlichen Einkommen der landwirtschaftlichen Haushalte gleichgesetzt werden, weil er unter anderem außerlandwirtschaftliche Einkommen nicht berücksichtigt.
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