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Stadt will von Flächenpächtern Umstellung auf Öko fordern

Ortseingangsschild vor Feld
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Sabine Leopold, agrarheute
am
28.02.2018

Auf Antrag einer Bürgerin wollte die Stadt Traunreut Glyphosat auf den von ihr verpachteten Flächen verbieten. Doch im Bauausschuss gingen die Forderungen viel weiter. Nun soll Ökolandbau Pflicht für die Pächter werden.

Neben diversen Verarbeitern greifen auch Immer mehr Städte und Gemeinden zu einem Glyphosatverbot innerhalb ihrer Territoriumsgrenzen. Im Bauausschuss der Stadt Traunreut, rund 60 km östlich von München, wurde der Antrag einer Bürgerin diskutiert, den Flächenpächtern der Stadt künftig den Einsatz von Glyphosat zu verbieten. 

Doch die Forderungen gingen am Ende deutlich weiter. Stadtgärtnermeister Robert Kratzer erklärte vor dem Ausschuss, ein Glyphosatverbot allein sei nicht zielführend. Stattdessen solle die Stadt auf ihren Flächen die "großflächige Bewirtschaftung nach den ökologischen Landbau-Richtlinien" anstreben.

Der Traunreuter Bauausschuss stimmte diesem Antrag mit 8 zu 3 Stimmen zu. Die endgültige Entscheidung fällt am morgigen Donnerstag im Stadtrat.

Bauern-Stadtrat verärgert über Unterstellungen

Von der Forderung betroffen wären die Pächter von insgesamt 14 ha, bislang ausnahmslos konventionell bewirtschafteter Fläche.

Stadtrat Paul Obermeier, selbst Landwirt, gehört zu den Gegnern der neuen Bewirtschaftungsregeln für Traunreut. Es könne nicht angehen, dass alles, was nicht Öko-Landwirtschaft sei, als böse hingestellt werde. Das klinge, als würden konventionelle Bauern gegen die Natur arbeiten: "Diese Unterstellungen ärgern mich."

Auch Bürgermeister Klaus Ritter gehen die Forderungen zu weit: "Das sollten wir der Eigenverantwortung der Landwirte überlassen, die sind schließlich auch geschult."

Stadtgärtner: Dann eben Wiese statt Acker

Grünen-Stadträtin Helga Zembsch hält von einem Mitspracherecht der Pächter wenig. Ihr Ziel: "Die ganze Stadt sollte pestizidfrei werden."

Und auch Stadtgärtner Kratzer sieht in einer möglichen Ablehnung durch die Landwirte kein Problem: "Wenn sich mit diesen Kriterien beim Ackerland kein Bauer mehr finden lassen sollte, müssen wir eben Grünland draus machen." 

Dass die Umstellung auf Ökolandbau mit einem höheren Bewirtschaftsaufwand und geringeren Erträgen für die betroffenen Bauern einhergehe, sei der Stadtverwaltung durchaus bewusst, berichtet das Internetportal Chiemgau24.de. Zu einer entsprechenden Preisgestaltung für die künftigen Ökoprodukte oder alternativ bei der Flächenpacht äußerte sich die Stadt Traunreut bislang offenbar nicht. 

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