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Update: Jetzt mit Statement

Stallvideos: Tierrechtler greifen LsV-Sprecher Dirk Andresen an

Dirk Andresen Sprecher LsV
am Sonntag, 23.08.2020 - 20:15 (1 Kommentar)

Animal Rights Watch wirft Dirk Andresen nach veröffentlichten Stallvideos Tierschutzverstöße vor und will den Schweinezuchtbetrieb anzeigen.

Die Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch (ARIWA) hat Material veröffentlicht, das im Juni in einem Schweinestall in Siedenbollentin, nördlich von Neubrandenburg, aufgenommen worden war. Laut ARIWA waren offenbar Recherche-Aktivisten in die Anlage eingedrungen, um die Aufnahmen zu machen. DER SPIEGEL berichtete exklusiv.

Wie in der Pressemitteilung von ARIWA geschildert und vom SPIEGEL übernommen wird, hätten die Sauen in den Kastenständen im Liegen ihre Beine nicht ausstrecken können. Eine Sau habe man regungslos im Abferkelgitter vorgefunden, eine andere Sau habe unter Gesäuge-Entzündungen gelitten. Zudem würden die Aufnahmen verletzte, sterbende und tote Ferkel zeigen.

Laut ARIWA gehört der Betrieb Dirk Andresen, Sprecher des Land schafft Verbindung Deutschland e.V. (LsV), und seinem Vater. Der Verein wurde vor allem durch die Organisation vieler Traktordemos in ganz Deutschland bekannt, bei denen Landwirte gegen Unsachlichkeit in der Umweltpolitik und gegen gesellschaftliches Bauernbashing protestierten.

Auf seiner Facebookseite äußert sich Andresen zu den Vorwürfen. Er bedaure es sehr, dass die Aufnahmen von einem Betrieb stammen, an dem er Anteile halte, kritisiert aber auch den Bericht im Spiegel als "unseriösen Journalismus".

Andresen hält Minderheitsbeteiligung am Schweinezuchtbetrieb

Der eigenen Stellungnahme im SPIEGEL zufolge, habe Andresen nur eine kleine Minderheitsbeteiligung an dem Betrieb und sei nicht in die operative Geschäfts- und Betriebsführung eingebunden. Des Weiteren habe Andresen über einen Anwalt mitteilen lassen, dass in den letzten Monaten Kontrollen durch Bestandstierärzte, das Veterinäramt und unabhängige Audits stattfanden. Diese Kontrollen hätten keinerlei Anhaltspunkte für die vorgeworfenen Mängel geliefert. Andresen wolle aber unverzüglich das Veterinäramt informieren. Zudem habe er eingeladen, den Betrieb zu besichtigen. Auf seiner Facebook-Seite bestätigte Andresen außerdem, dass er Anzeige gegen ARIWA erstattet hat.

ARIWA kündigt an, den Betrieb anzuzeigen

Sandra Franz, Pressesprecherin von ARIWA, verallgemeinerte die Szenen des Videos und sagte: "Die Zustände in dieser Schweinezucht spiegeln den Branchendurchschnitt wider. Die Bilder zeigen, wie viel Leid und Elend im System Tierhaltung stecken." Daher fordert ARIWA einen "radikalen Kurswechsel in der Agrarwirtschaft" hin zur "bio-veganen Landwirtschaft". Die Tierrechtler haben angekündigt, den Betrieb anzuzeigen, wie jedes Mal, wenn sie Verstöße gegen das Tierschutzgesetz oder die Verordnungen finden, aber sie erwarten daraus keine Konsequenzen.

ARIWA nimmt Landwirte in der Öffentlichkeit ins Visier

Ställe von öffentlich relevanten Personen waren für ARIWA schon häufiger das Ziel von Stallaufnahmen. So führten beispielsweise 2017 Aufnahmen aus dem Betrieb der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftministerin Christina Schulze-Föcking zu großen Diskussionen zu großen Diskussionen. Damals stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren nach wenigen Monaten ein, da "Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten" fehlen.

Durch seine Tätigkeit bei LsV steht Andresen im Licht der Öffentlichkeit. Erst Anfang August gab Andresen zudem seine Bewerbung um ein Direktmandat für die nächste Bundestagswahl bekannt. Er will im Kreis Schleswig-Flensburg im nächsten Jahr für die CDU antreten.

Landwirtschaftliche Organisationen stellen sich hinter Andresen

Reinhard Jung, Politikreferent der FREIEN BAUERN und Biolandwirt aus dem brandenburgischen Lennewitz, sagt: „Wir haben manchmal andere Vorstellungen von Agrarpolitik als Dirk Andresen, aber wir wollen nicht schweigend zusehen, wie ein engagierter Berufskollege durch professionelle Hetze persönlich diffamiert wird." Vergleichbare Bilder gäbe es auf jedem Betrieb mit Tierhaltung, auch bei ihm. Die angeblichen Mängel seien entweder "eine dreiste Lüge" oder "völlig irreführend". Über die tatsächlichen Verhältnisse im Stall sei aber in dem Artikel nichts zu finden. Stattdessen würden verdreckte Nachgeburten zur Schau gestellt. Jung: "Ja, eine Nachgeburt sieht nicht appetitlich aus. Aber es gibt nunmal keine Geburt, ohne dass danach die Plazenta abgestoßen wird. Was wollen uns die kriminellen Fotografen damit sagen?"

Der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern schreibt auf Facebook: "In jedem unserer Ställe lassen sich Werbe- oder Horrorvideos drehen, je nach Lichteinfall, Ton und Schnitt." Nicht alle Jungtiere würden die Geburt, nicht alle die Aufzucht überleben. "Ein Stalleinbruch, ein paar düstere Bilder, und schon ist der Landwirt diskreditiert, macht man aus Ordnungswidrigkeiten Straftaten und aus gesetzlich festgelegten Übergangsfristen zu Stallumbauten moralisch fragwürdige Angelegenheiten". Dies trüge zu einer Polarisierung bei, die den Disput in dieser Gesellschaft vergifte.

Künast stellt sich auf Seite von ARIWA

Grünen-Politikerin Renate Künast twitterte hingegen: "Wenn das stimmt, ist nicht nur ein Ermittlungsverfahren fällig, sondern muss Andresen seine Funktion bei #LandSchafftVerbindung nieder legen."

Kommentar

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