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+++ agrarheute Spezial: Wetteralarm in Deutschland +++

Starkregen und überflutete Felder: Unwetter halten Landwirte in Atem

Hochwasser-Viehweide-bei-Aachen
am Donnerstag, 15.07.2021 - 15:30 (Jetzt kommentieren)

Extreme Unwetter bereiten den deutschen Landwirte weiter große Sorgen. In Bayern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen haben Starkregen und Gewitter für Überschwemmungen gesorgt. Mehrere Talsperren in NRW drohen überzulaufen. In der Eifel gab es sogar Todesopfer. Hier kämpft auch Landwirt Sebastian Bützler verzweifelt gegen die Wassermassen. Und auch aus Hessen, Baden-Württemberg und Niederbayern erreichten uns via Facebook Schadensmeldungen von Landwirten. Welche Auswirkungen die Unwetter auf die aktuelle Getreideernte haben, was Sie jetzt zur Hagelversicherung wissen müssen und wie Sie Ihre geschädigten Flächen retten, erfahren Sie in unserem Spezial.

Nach Überflutungen und Dauerregen in Rheinland-Pfalz sind laut Polizei im Eifel-Landkreis Ahrweiler vier Menschen ums Leben gekommen, meldet die dpa. Derzeit würden dort knapp 70 Menschen vermisst. Mehrere Orte wurden wegen des Hochwassers von der Außenwelt abgeschnitten. Auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm ist die Situation wegen Hochwassers nach Angaben eines Kreis-Sprechers extrem gefährlich. Die Wupper-Talsperre und die Steinbachtalsperre bei Bad Münstereifel drohen überzulaufen und bedrohen Straßen, Dörfer und Äcker.

Unwetter: Schäden durch Hagel, Starkregen und Überschwemmungen

Starkregen: Völliges Chaos bei Landwirt Bützler

Blick aus der Radladerkabine

Auch unser Blogger Landwirt Bützler ist betroffen. „Allein gestern Nachmittag hat es bei uns 170 l geregnet. Straßen wurden weggespült, die 112 funktionierte nicht mehr, Autos steckten in den Wassermassen fest. Der Damm drohte zu brechen und man musste ihn aufmachen. Wegen des Stromausfalls konnten die betroffenen Bürger nicht gewarnt werden …“, berichtet er gegenüber agrarheute. Der Katastrophenfall wurde ausgerufen und Landwirte und Bürger rund um Bad Münstereifel helfen sich gegenseitig, wo sie nur können. „Die Feuerwehren brauchten Sandsäcke, da hatte ich zum Glück noch 2.000 übrig, die ich mit dem Radlader durch die Dörfer gefahren habe. Nachts sind wir Landwirte dann noch durch die Fluten gefahren und haben Menschen aus ihren Autos gerettet. Das war schon sehr kritisch bis völlig idiotisch: das Wasser hatte fast den Traktor weggespült.“

Von Starkregen weggespülte Kreuzung

Heute, am Tag danach, wird das wahre Ausmaß des Starkregens erst richtig deutlich: „Wir hatten die ganze Nacht keinen Strom. Leichen wurden durch den Ort gespült. Bis jetzt weiß noch keiner so richtig, wie es weitergehen soll. Es wird wohl noch Wochen dauern, um wieder alle Straßen freizubekommen und instand zu setzen.“ Sebastian Bützler selbst hatte Glück im Unglück: „Mir ist nur mein neuer Radlader stecken geblieben, den bekam ich aber mit dem Traktor noch rausgezogen. Und der Mais steht sogar auch noch.“ Die Frage ist allerdings, wie lange noch. Denn: „Wenn jetzt noch die Talsperre bricht, dann bekommen wir vielleicht noch mehr Wasser – je nachdem, wohin es fließt.“

Auch Bayern und Baden-Württemberg von Unwetter betroffen

Heftiger Regen sorgte auch in vielen Teilen Nordrhein-Westfalens sowie im Saarland für Überschwemmungen, Hochwasser und Stromausfälle. Baden-Württemberg und Bayern hatten in der Nacht von Mittwoch ebenfalls unter schweren Unwettern teils mit Hagel und Starkregen zu leiden. Die Bodenseeregion bereitet sich auf ein extremes Hochwasser vor.

Aus ganz Deutschland melden agrarheute-Leser überschwemmte Weiden, vollgelaufene Ställe und Notfalleinsätze. Fürs Wochenende können die Bauern laut Wettervorhersage aber auf Entspannung hoffen. 

Mit Material von dpa

Unwetter verhageln deutschen Bauern die Getreideernte

Die heftigen Unwetter mit Starkregen und Hagel setzen den Getreidebeständen zu und verzögern die Ernte. Der DRV hat deshalb seine Ernteprognose gesenkt und hält weitere witterungsbedingte Korrekturen für möglich. agrarheute Marktexperte Dr. Olaf Zinke zur aktuelle Lage am Getreidemarkt:

Juni-Unwetter richten landwirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe an

Gewitter-Superzellen haben bereits im Juni enorme Schäden in der Landwirtschaft verursacht. Nach ersten Besichtigungen rechnet die Versicherung Ende Juni mit einem Schaden von 20 Mio. bis 23 Mio. Euro. Über 66.000 Hektar landwirtschaftlicher Kulturen wurden der Vereinigten Hagelversicherung vom 18. bis 25. Juni als geschädigt gemeldet.

Auch Nachbarländer kämpfen gegen Super-Unwetter

Bereits seit Juni halten Unwetter nicht nur deutsche Bauern in Schach. Ein Hagel-Unwetter von noch nie dagewesenem Ausmaß hinterließ in Oberösterreichs Landwirtschaft eine Katastrophe. Auch in der Schweiz beklagen die Landwirte nach den Juni-Unwettern Millionenschäden. In Niederbayern wurde die Gemeinde Bad Birnbach von einem extremen Hagelschlag getroffen.

Unwetter: Junglandwirte zeigen ihre Schäden

Zu viel Regen im Frühjahr und Hagel im Frühsommer – Landwirtin und Bloggerin Julia Schmid wollte von anderen Junglandwirten wissen, mit welchen Wetterextremen sie dieses Jahr schon zu kämpfen hatten. Die Antworten der Follower in Form von Bilder kamen prompt. Hier geht es zur Bildergalerie:

Darauf sollten Landwirte bei der Hagelversicherung achten

In diesem Sommer haben Hagelunwetter bereits mehrere 10.000 Hektar landwirtschaftlicher Kulturen zerstört, teilweise bis zum Totalschaden. Viele Landwirte sind gegen Hagel versichert, andere zögern. Worauf es bei der richtigen Hagelversicherung ankommt und warum Sie darauf achten sollten, wer im Ereignisfall den Schaden begutachtet, lesen Sie in unserem Expertentipp.

Unwetter: So retten Sie Ihre geschädigten Flächen

Die Unwetter mit Hagel und Hochwasser in weiten Teilen Deutschlands haben viele Flächen getroffen. Getreide ging ins Lager, Leguminosen und Mais wurden geschädigt. „Von geringen Schäden bis zum Totalausfall ist leider alles vertreten“, sagt Pflanzenbauberater Andreas Lohrer vom Landwirtschaftsamt Tübingen. Was bei Umbruch, Nachsaat und Anträgen zu beachten ist, lesen Sie in unserem Ratgeber.

Hier hagelt es häufiger in Deutschland

Die Mittleren Breiten und damit auch Deutschland sind vermehrt von Hagelereignissen betroffen. In Deutschland ist das Hagelrisiko insbesondere in Alpen- und Mittelgebirgs-Nähe groß. Im Stuttgarter und Münchner Raum, oberhalb von Frankfurt und in Nordhessen kommen Hagelgewitter am häufigsten vor. Die Tendenz zu extremeren Hagelereignissen wird durch den Klimawandel begünstigt. Der Deutsche Wetterdienst beobachtet seit 2001 eine signifikante Zunahme starker Hagelschläge, vor allem in Süddeutschland.

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