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Ernährung und Gesundheit

Steigender Nahrungsbedarf: G-20-Gipfel bleibt vage

aiz
am
20.06.2012

Los Cabos - Die G-20-Staaten sind sich einig: Die Welternährung ist eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte. Konkrete Vorschläge aber fehlen in der Abschlusserklärung.

Wegen des starken Anstiegs der Weltbevölkerung von heute sieben auf 9,3 Milliarden bis 2050 müsse die Produktion von Nahrungsmitteln um 50 bis 70 Prozent anwachsen, stellten die größten Industrie- und Schwellenländer (G-20) in dem Abschlusskommunique auf ihrem Gipfel in den vergangenen beiden Tagen in Los Cabos in Mexiko fest. In Entwicklungsländern müsse die Produktion sogar fast verdoppelt werden, hieß es weiter.

NGOs fehlt der 'politische Mut'

Die G-20-Gruppe bekräftigte, ihre Kernziele seien "starkes, nachhaltiges und ausgewogenes Wachstum" sowie der Kampf gegen Armut. Mehr als die Hälfte der Ärmsten der Welt lebt in G-20-Ländern. Doch wurden keine neuen Finanzmittel zugesagt, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.
 
Hilfsorganisationen übten scharfe Kritik an der unentschlossenen Haltung der G-20-Staaten, die Probleme konkret anzugehen. "Politischer Mut scheint in Los Cabos Mangelware zu sein", sagte der Präsident der Hilfsorganisation One, Michael Elliott. Es kam zu einem Eklat, als das mexikanische Außenministerium drei Stunden vor Gipfel-Ende eine Pressekonferenz von Aktionsgruppen unterbrach, als diese ihre Kritik äußerten.
 
Christina Weller von der katholischen britischen Entwicklungsorganisation CAFOD bescheinigte den G-20 "einen Mangel an konkretem Engagement und einen noch größeren Mangel an Taten".

Mehr Transparenz bei Warentermingeschäften

Positiv wurde aber aufgenommen, dass die G-20-Staaten im Kommunique chronische Mangelernährung als "enorme Belastung" für Gesellschaften anerkannten. Die G-20 wollen auch eine stärkere Beteiligung an der SUN-Initiative (Scaling Up Nutrition) der Vereinten Nationen zur Verbesserung der Ernährungslage fördern.
 
Im Kampf gegen starke Preisschwankungen bei Nahrungsmitteln soll die Transparenz von Warentermingeschäften verbessert und Missbrauch verhindert werden, was auch außerbörslichen Handel einbeziehen soll. Das Landwirtschaftliche Marktinformationssystem (AMIS) wird dafür unterstützt, um etwa bessere Kenntnisse über Lagerbestände von Agrarrohstoffen zu erlangen, was Spekulationen eindämmen könnte.
 
Die G-20 ermutigten auch zur Einhaltung der freiwilligen Richtlinien der UNO für den verantwortlichen Umgang mit Land, Wald und Fischbeständen, die den Kleinbauern mehr Rechte und Mitsprache einräumen, was Aktivisten begrüßten. Damit könne besser dem Ausverkauf von Land mit zweifelhaften Methoden (Landgrabbing) an Investoren begegnet werden. Die G-20 beauftragten ihre "Arbeitsgruppe Entwicklung" Nahrungsmittelsicherheit, Infrastruktur und sozial gerechtes, grünes Wachstum in den Mittelpunkt zu rücken. Außerdem wollen die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer besser über die Einhaltung ihrer selbst gesteckten Ziele informieren.
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