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Kommentar

Stellenmarkt: Stalleinsteiger in Vollzeit gesucht

Tierrechtler vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium
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Sabine Leopold, agrarheute
am
20.09.2017

Das Deutsche Tierschutzbüro e.V. ist auf Personalsuche. Einstellungsvoraussetzung: Vegan, reisefreudig, kameraerfahren – und nicht allzu pingelig, wenn es um Recht und Gesetz geht. Mit anderen Worten: Ein als gemeinnützig eingestufter Verein sucht ganz ungeniert nach unerlaubten Stalleinsteigern.

Lieben Sie Tiere, aber nicht die Arbeit, die es macht, sie selbst zu betreuen? Klettern Sie gern über Zäune und Tore? Arbeiten Sie bevorzugt nachts und bei laufender Kamera? Tragen Sie in der Öffentlichkeit öfters lustige Kostüme? Und vor allem: Diffamieren Sie gern Menschen, deren Arbeit Sie nicht verstehen, aber trotzdem in Bausch und Bogen verurteilen? Dann bewerben Sie sich doch beim Deutschen Tierschutzbüro!

Das nämlich bietet aktuell drei Stellen bei greenjobs.de an. Alles in allem seien die Stellen eines Pressereferenten, eines Kampagnenkoordinators und eines Mitarbeiters "für die Undercover-Recherchearbeit" zu besetzen. Das alles alles natürlich genderkorrekt, die -ins an den Jobbezeichnungen müssen Sie sich einfach mal dazu denken. 

Vor allem letztere Stelle setzt neben den oben genannten Kriterien allerdings auch einiges an kreativem Rechtsverständnis voraus. Im O-Ton der Stellenbeschreibung heißt es zum Beispiel (Hervorhebungen von uns):

Zu Ihren Aufgaben gehören

  • Eigenständige Recherche in den Bereichen der industriellen Massentierhaltung und Pelzfarmen
  • Aktive Recherchearbeit in Mast- und Zuchttieranlagen
  • [...]

Das bringen Sie mit

  • Erfahrung in der Durchführung von Undercover-Recherchen im Bereich Massentierhaltung und Pelz
  • Offenheit und Bewusstsein für die Arbeit in gesetzlichen Grauzonen
  • [...]
  • Juristische Kenntnisse von Vorteil
  • [...]
  • Hohe Sozialkompetenz und emotionale Intelligenz
  • [...]

Was man unter "aktiver Recherchearbeit" in Tierhaltungsbetrieben und der Nutzung "gesetzlicher Grauzonen" versteht, weiß jeder Landwirt, der schon einmal nächtlichen Besuch von Mitarbeitern dieses Spendensammelunternehmens hatte ... und danach erstaunt feststellen musste, dass weder zu Tode erschreckte Tiere noch die Gefahr einer Seuchenschleppung die Tierrechtler in ihrer "hohen emotionalen Intelligenz" irgendwie tangieren konnten. 

Und auch der möglicherweise bislang gravierende Personalmangel stellte bei der Produktion neuer "Skandale" selten ein Hindernis dar. Nahaufnahmen und örtlich einzuordnende Bilder lassen sich schließlich mehrfach nutzen. Oder gleich bequem irgendwo stellen – Sie werden sich möglicherweise an die "Zwergi"-Affäre erinnern, bei der eine Kälberrettung ganz offensichtlich hollywood-verdächtig "nachempfunden" wurde, um mit der tränenrührenden Geschichte ordentlich Kohle zu generieren.

Künftig dürfen wir dann also wohl noch mehr findige und vor allem spendenträchtige Aktionen des Deutschen Tierschutzbüros erwarten. Jeder verdient halt sein Geld, so gut er kann.

Doch nicht jeder verbirgt Rechtsbeugungen und mediale Mauscheleien unter dem Deckmäntelchen der "Gemeinnützigkeit". Dazu muss man wohl die "hohe Sozialkompetenz" von Tierrechtlern besitzen. 

 

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