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Dorf und Familie

Streit um Kastenstände: Tierschützer besetzen Landwirtschaftskammern

AgE
am
19.12.2011

Wien - Seit Monaten schwelt in Österreich ein Streit um Sauenhaltung in Kastenständen. Tierschützer haben deshalb bereits mehrfach Landwirtschaftskammern besetzt.

Nachdem in Österreich bereits die Landwirtschaftskammern in St. Pölten, Innsbruck und Linz kurzfristig von Tierschützern besetzt worden waren, um neuen Schwung in die Diskussion zur Neuregelung der Kastenstandhaltung von Mutterschweinen zu bringen, haben sich am vergangenen Donnerstag Vertreter des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) entschlossen, in Graz und Salzburg diesem Beispiel zu folgen.
 
Bei den Aktionen warfen die Aktivisten der ÖVP vor, eine Blockadepolitik gegen eine Neuregelung der Kastenstandhaltung zu betreiben; gleichzeitig pochten sie auf das demokratische Grundprinzip, alle betroffenen Interessen - so auch das der Schweine - in die Verhandlungen über mögliche Neuregelungen mit einzubeziehen.

Verhärtete Fronten

VGT-Obmann Dr. Martin Balluch erläuterte die Positionen seines Vereins und stellte klar, dass es ohne die Zustimmung des Tierschutzes keine Entscheidung zur Kastenstandhaltung geben könne. In einer Demokratie regiere die Mehrheit, und diese wolle ein Kastenstandverbot.
 
Wenig Verständnis für die VGT-Aktionen zeigte der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard Wlodkowski. Bei den Verhandlungen über die Ferkelschutzkörbe hätten die heimischen Schweinebauern ein weitreichendes Kompromissangebot gemacht, doch die Tierschützer wollten dieses aufgrund ihrer "eindimensionalen und einseitigen Sichtweise" nicht anerkennen. Die heimischen Verbraucher brauchten jedoch keinen Aktionismus, sondern eine ordentliche Lösung für die Sicherung der österreichischen Produktion. Der VGT poche auf Tierschutz, führe die Diskussion aber nicht auf Augenhöhe, kritisierte Wlodkowski.
 
Das Eindringen in die Landwirtschaftskammer sei reiner Aktivismus und nehme den Akteuren des VGT jede Legitimation als Diskussionspartner. Dies führe nur dazu, dass eine Einigung erschwert werde, was nicht im Sinne der österreichischen Bevölkerung liegen könne. Der Schutz der Tiere werde in der Landwirtschaftskammer sehr intensiv diskutiert, und alle Fraktionen stünden zu dem Ziel, eine qualitätsvolle Versorgung mit Fleisch aus Österreich mit entsprechenden Produktionsstandards für die Landwirte sicherzustellen, betonte der Kammerpräsident. Die Landwirtschaft wolle, dass die Verbraucher auch in Zukunft heimisches Schweinefleisch genießen könnten und nicht auf importiertes Fleisch zurückgreifen müssten. "Wer importiert, importiert auch Risiko", so Wlodkowski.
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