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Umwelt

Studie belegt Bedeutung wilder Bestäuber

von , am
06.03.2013

Lüneburg/Göttingen - Eine ertragreiche Landwirtschaft braucht Artenvielfalt. Das geht aus einer Studie hervor. Demnach sei der Blütenbesuch von Wildbestäubern doppelt so effektiv wie der von Honigbienen.

Pro Volk müssen Imker 1,50€ bei der Tierseuchenkasse bezahlen. © Dave Massey /Fotolia
Pflanzen bringen besonders viele Früchte und Samen hervor, wenn möglichst viele unterschiedliche Arten frei lebender Bestäuber vorhanden sind. Honigbienen können diese wilden Bestäuber nicht ersetzen, sondern lediglich unterstützen.
 
Das ist das zentrale Ergebnis einer weltweiten Studie, die unter Federführung der Leuphana-Universität Lüneburg, der Universität Würzburg und der Universität Río Negro in Argentinien durchgeführt wurde und an der auch die Universität Göttingen beteiligt war. Die Erkenntnisse wurden in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.

Wildbestäuber doppelt so effektiv wie Honigbienen

Wie die Hochschule Göttingen mitteilte, wird etwa ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion von Bestäubung beeinflusst; wenn ein Mangel an Bestäubern vorliegt, fallen die Ernten oft sehr gering aus.
 
Von den Forschern sei in der Untersuchung von 600 Feldern mit 41 Nutzpflanzenarten aus 20 Ländern nachgewiesen worden, dass der Blütenbesuch der Wildbestäuber doppelt so effektiv sei wie der der Honigbienen. "Die Ergebnisse machen deutlich, dass eine ertragreiche Landwirtschaft nicht ohne Artenvielfalt auskommt", betonte der Leiter der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen, Prof. Teja Tscharntke.
Prof. Alexandra-Maria Klein von der Universität Lüneburg erklärte, dass die Insektenvielfalt in vielen Agrarlandschaften durch Eingriffe des Menschen deutlich abgenommen habe. Wildlebende Insekten hätten in allen 41 Anbausystemen einen positiven Einfluss auf den Fruchtansatz gezeigt. Eine größere Zahl von Honigbienen erziele diesen Effekt nur bei 14 Prozent der untersuchten Anbauten.

Das hilft wilden Bestäubern

Prof. Ingolf Steffan-Dewenter von der Universität Würzburg stellte ergänzend fest, dass die Etablierung von Blühstreifen und Hecken, blühenden Stilllegungsflächen und Untersaaten, vielfältige Fruchtfolgen, die Förderung von Nistmöglichkeiten für wildlebende Bestäuber und Biolandwirtschaft dazu beitragen könnten, die Ergebnisse der Studie in die Praxis umzusetzen.
 
Unterdessen übte der Sprecher für Agrogentechnik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Harald Ebner, Kritik an einer "agrarindustriellen Landwirtschaft, in der nur wenige Kulturen, aber keine Blütenpflanzen mehr Platz finden". Ebner monierte zudem, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel bei den EU-Haushaltsverhandlungen die "massivsten" Kürzungen im deutschen Topf für Agrarumweltmaßnahmen in der Geschichte der EU-Agrarpolitik zugelassen habe und dies auch noch als Erfolg verkaufe.
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