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Verbraucherkommunikation

Studie zur Facebook-Kommunikation: Hassrede gegen Landwirte

Shitstorm
am Donnerstag, 04.04.2019 - 05:00

Ein Wissenschaftler hat Nutztierhalter zu ihrer Facebook-Kommunikation befragt. Viele erfahren dort verbale Gewalt.

Viele Landwirte unterhalten für Ihren landwirtschaftlichen Betrieb einen Facebook-Auftritt. Insbesondere für Nutztierhalter kann dieser Kanal zu einer Bürde werden, denn insbesondere tierhaltende Landwirte erfahren immer wieder verbale Attacken auf Facebook.

Der Kommunikationswissenschaftler Christian Dürnberger vom Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität in Wien hat 83 tierhaltenden Landwirte befragt, die eine geschäftliche Hofseite auf Facebook betreiben.

Warum Landwirte auf Facebook sind

Wie Ergebnisse der Studie zeigen, möchten die meisten Landwirte über den Facebook-Kanal vor allem bestehende und potentielle Kunden erreichen. Aber auch das Ziel Nichtlandwirten moderne Landwirtschaft näher zu bringen, steht oben auf der Agenda von FB-Profilnutzern aus der Landwirtschaft.

Die Mehrheit der befragten Landwirte gab an, dass sie mit der FB-Seite auch Menschen, die kritisch zur Landwirtschaft stehen, die Möglichkeit zum Dialog geben möchten. Dürnberger befragte die Landwirte auch, was sie unter einem konstruktiven “Dialog” verstehen. “Ein Verbraucher hat eine kritische Frage zur Nutztierhaltung und der Landwirt antwortet darauf”, fasst Dürnberger die Antworten zusammen.

Hatespeech auf Facebook

Laut Studienergebnis war jeder zweite teilnehmende Landwirt mit Kritik auf seiner Facebookseite konfrontiert. Die Kritik richtet sich in vielen Fällen gegen die Nutztierhaltung. Auffällig sei, dass insbesondere Tierhalter in einigen Fällen sehr expliziter verbaler Gewalt sogenannter Hatespeech ausgesetzt sind. Dazu gehören Beschimpfungen wie "Tierquäler", "Krimineller", "Vergewaltiger" bis hin zum "Massenmörder". Oft werden Vergleiche mit dem Holocaust gezogen. Aber auch die Androhung körperlicher Gewalt, auch gegen die Kinder der Landwirte, gehört zum Erfahrungsschatz der Umfrageteilnehmer.

Dialog muss besser untersucht werden

Die psychologischen Effekte von Hassrede im virtuellen Raum seien gleich belastend wie verbale Gewalt im direkten Kontakt. Daher plädiere die Studie dafür, so Dürnberger gegenüber agrarheute, „dass es nicht genügt, wenn z.B. die Politik von einzelnen Landwirten fordert, verstärkt den direkten Dialog mit Bürgern und Verbrauchern zu führen. Wenn dieser direkte Kontakt zwischen Nahrungsmittelproduzenten und Konsumentenn in der Tat gesellschaftlich erwünscht ist, dann muss man sich auch anschauen, wie dieser Dialog dann tatsächlich abläuft.“

Ein ausführliches Interview mit Dr. Christian Dürnberger lesen Sie in der Juni-Ausgabe des agrarheute-Printmagazin.

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