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Umwelt

Studie: Hohe Pestizibelastung in deutschen Gewässern

von , am
14.04.2015

Eine Meta-Studie belegt, dass die Konzentration von Pestiziden in deutschen Gewässern meist viel höher ist als erlaubt. Allerdings wurden oft nur kleine Gewässer mit hochpräzisen Messgeräten untersucht, die auch kurzfristig Belastungen erfassen.

Auf den Gemeindeflächen in Ahnatal sollen künftig keine chemischen Pflanzenschutzmittel mehr erlaubt sein. © landpixel
"Es ist in Deutschland ähnlich wie überall", berichtet Mitautor Ralf Schulz vom Institut für Umweltwissenschaften. Zwischen Ländern mit strenger Umweltgesetzgebung und weniger restriktiven Ländern gebe es kaum Unterschiede, so das Fazit des Mitverfassers der Metastudie Ralf Schulz. Insgesamt 838 Studien aus 73 Ländern werteten die Wissenschaftler der Uni Koblenz-Landau aus.
 

Deutschland: Hohe Werte

Aus Deutschland konnten insgesamt 138 gemessene Insektizidkonzentrationen in der Studie berücksichtigt werden. Dies sei eine relativ geringe Anzahl von Messwerten, die zeige, dass in Deutschland zur Pestizidbelastung von Gewässern in der Landwirtschaft kaum wissenschaftlich fundierte Informationen vorliegen. Von diesen 138 Werten lagen sogar rund 80 % über den gemäß Zulassungsverfahren als akzeptabel einzustufenden Konzentrationen.
 
Erklären ließe sich diese eher hohe Belastung mit der Tatsache, dass vergleichsweise kleine Gewässer untersucht wurden und hierbei Methoden angewandt wurden, die selbst kurzzeitige Belastungsspitzen im Gewässer relativ gut erfassen können. Eine Anwendung dieser effektiven Messmethoden würde daher sehr wahrscheinlich auch in anderen Ländern eine deutlich höhere Gewässerbelastung durch Insektizide ergeben.
 

Hohe Dunkelziffer

Wissenschaftler Schulz geht zudem von einer hohen Dunkelziffer aus. Denn weltweit dürften gerade einmal Daten von rund zehn Prozent der Gewässer vorliegen. Außerdem seien Insektizide oft nur an zwei bis drei Tagen im Jahr in den Gewässern vorhanden. Daher gebe es an vielen Tagen gar keine Hinweise darauf. "Auch in hoch belasteten Gewässern findet man nur an wenigen Tagen im Jahr Insektizide, weil sie sehr schnell abgebaut oder im Fall von Fließgewässern abtransportiert werden", sagte Schulz. "Aber bei hohen Konzentrationen reicht eine kurze Zeit, um alle Insekten im Gewässer zu töten."
  • Sabotage? Ausgelaufene Gülle verseucht Gewässer

Verheerender Gülleunfall

Mit Amphibienzäunen versucht man, die Todeszahlen etwas einzugrenzen. © Volker Leipzig
Dieses Bachneunauge hat die Gülleflut nicht überlebt. Sie zählen zu den bedrohten Tierarten. © Volker Leipzig
Über den Neyebach breitete sich die Flüssigkeit aus. © NABU-Oberberg
Eine braune Brühe fließt durch den Wald. © NABU-Oberberg
Weißer Schaum bildet sich im verschmutzten Gewässer. © NABU-Oberberg
Das Naturschutzgebiet trägt schwere Schäden davon. © NABU-Oberberg
Eine Erholung der Flora und Fauna wird viele Jahre dauern. © Volker Leipzig
Tote Fische am Ufer. © Volker Leipzig
Karpfen, Brachsen, Forellen und andere Fischarten ersticken in der Brühe. © Volker Leipzig
Für die Fische kommt jede Hilfe zu spät. © Volker Leipzig
Mit dem Kescher werden die toten Tiere aus dem Gewässer gefischt. © Volker Leipzig
Fische verenden qualvoll an Sauerstoffmangel. Sie ersticken. © Volker Leipzig
Das THW ist voll im Einsatz. © Volker Leipzig
Mitarbeiter versuchen, die Schäden etwas einzudämmen. © Volker Leipzig
Ein Schluck aus dem Bach kann zum Verenden führen, wie bei diesem Fuchs. © Volker Leipzig
Auch dieser Grasfrosch überlebte das Unglück nicht. © Volker Leipzig
Schaum und stinkende Brühe im Neyebach. © NABU-Oberberg
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