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Extreme Hitzewelle am Mittelmeer

In Südeuropa brennen die Getreidefelder – die Feuerkatastrophe

waldbrand.
am Dienstag, 10.08.2021 - 10:51 (Jetzt kommentieren)

Während in Nordeuropa Starkregen die Getreideernte schädigt, brennen am Mittelmeer Wälder und Getreidefelder. Daran ist nicht nur die Hitze Schuld.

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Eine extreme Hitzewelle mit Temperaturen von weit über 40 Grad Celsius sorgt am Mittelmeer für katastrophale Waldbrände. Es werden Felder verwüstet und landwirtschaftliche Betriebe zerstört. Auch Menschen und landwirtschaftliche Nutztiere sind in den Flammen schon umgekommen.

Besonders betroffen sind bislang Griechenland, die Türkei und Süditalien. Doch die Feuer wüten auch auf dem Balkan, in Bulgarien, und in solch wichtigen Agrarländern wie Rumänien und der Ukraine, berichtet das European Forest Fire Information System. Wie hoch die Schäden und Produktionsausfälle in der Landwirtschaft und anderen Bereichen sind, lässt sich derzeit nicht sagen. Der Grund: Die Brände sind in vielen Ländern noch nicht unter Kontrolle und die Hitzewelle geht weiter.

Allein in Griechenland liegen Schätzungen über die zerstörten Wald- und Ackerflächen bei mehreren 100.000 Hektar. In den 10 Tagen bis zum 7. August wurden in Griechenland nach Angaben des European Forest Fire Information System fast 57.000 Hektar verbrannt. Die durchschnittliche Brandfläche zwischen 2008 und 2020 betrug 1.700 Hektar.

Wetterdienste erwarten zudem, dass sich die Hitzewelle auch auf Teile Spaniens und Frankreichs ausdehnet, Länder mit einer deutlich größeren landwirtschaftlichen Bedeutung als etwa Griechenland.

Mittlerweile kommen aus Griechenland und anderen betroffenen Ländern Medienberichte, dass ein nicht unerheblicher Teil der Brände möglicherweise durch Brandstiftung verursacht wurde. In Griechenland haben die Behörden bereits mehrere Personen festgenommen. Der Regionalgouverneur von Attika, Jorgos Patoulis, äußerte sich entsprechend gegenüber dem Fernsehsender Skai. Aber auch aus der Türkei und Italien berichten die Medien über Brandstiftung und Festnahmen.

Schwere Schäden auch in Italien und der Türkei

feuerwehr.

Auch der Süden Italiens wird von schweren Bränden heimgesucht. Allein auf Sardinien wurden kurzer Zeit mehr als 20.000 Hektar Wald, Olivenhaine und Getreidefelder durch Feuer zerstört.

Am vergangenen Wochenende hat die italienische Feuerwehr mehr als 800 Einsätze zur Brandbekämpfung durchgeführt: 250 in Sizilien, 130 in Apulien und Kalabrien, 90 in Latium und 70 in Kampanien, teilte die italienische Feuerwehr auf Twitter mit. In den sizilianischen Städten Catania, Palermo und Syrakus kämpfen die Feuerwehrleute weiter gegen die sich ausbreitenden Brände.

Während der Süden Italiens brennt, hat es im Norden zuletzt heftige Stürme und Starkregen gegeben – ähnlich wie in Nordeuropa. "Die Schäden, die in diesem verrückten Sommer in der gesamten norditalienischen Landschaft durch die heftigen Stürme und Hagel verursacht wurden, belaufen sich auf mehrere Dutzend Millionen Euro", teile die Landwirtschaftsorganisation Coldiretti mit.

Auch die Türkei leidet unter den schlimmsten Bränden seit mindestens einem Jahrzehnt, wobei in diesem Jahr bisher fast 95.000 Hektar verbrannt wurden, verglichen mit durchschnittlich 13.516 im Mittel der Jahre zwischen 2008 und 2020. Ein Teil der Touristenstadt Bodrum wurde evakuiert, berichtete der türkische Sender CNN, als die Flammen durch starke Winde aus dem nahe gelegenen Stadtteil Milas angefacht wurden. Auch in der Stadt Antalya gab es weitere Evakuierungen, berichtete der Sender NTV.

Am 20 Juli wurden in der südöstlichen Stadt Cizre eine Temperatur von 49,1 Grad Celsius gemessen. Und die Temperaturen in der Region bleiben offenbar hoch.

Hitze allein löst keine Brände aus

Feld brennt.

Der Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS) der EU teilte vorige Woche mit, dass die anhaltend heißen und trockenen Bedingungen die Gefahr weiterer Brände erhöhen. Man wies jedoch auch darauf hin, dass hohe Temperaturen allein keine Waldbrände auslösen, da sie eine Zündquelle benötigen.

CAMS überwacht die Waldbrände mit Satelliten und bodengestützten Beobachtungsstellen und sagte, dass die Emissionen und die Intensität der Waldbrände zuletzt in Griechenland, der Türkei und Süditalien am stärksten zugenommen haben. In der Türkei erreichte eine wichtige Kennzahl für die Feuerintensität – die „Feuerstrahlungsleistung“, die die Energie aus brennenden Bäumen und anderen Materialien misst – die höchsten Tageswerte seit Beginn der Datenaufzeichnung im Jahr 2003.

Auf Satellitenbildern der Region waren die Rauchwolken der Brände deutlich zu sehen. Das schwere Ausmaß der Feuer habe im östlichen Mittelmeerraum eine hohe Feinstaubbelastung verursacht, sagte CAMS weiter. "Wir beobachten die Intensität der Brände im Mittelmeerraum und ihre weiteren Auswirkungen auf die Atmosphäre genau", sagte Mark Parrington, ein Waldbrandexperte bei CAMS.

Die Europäische Kommission teilte vorige Woche mit, sie versuche weitere Löschflugzeuge, Hubschrauber und Feuerwehrleute zu mobilisieren, um Italien, Griechenland, Albanien und Nordmazedonien zu unterstützen.

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