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Umwelt

'Werden die Tage länger, wird der Winter strenger'

von , am
09.01.2010

Leipzig - Hat sich der Winter bereits in der ersten Januardekade mit viel Schnee und harten Frösten etabliert, so pflegt er auch noch ein Weilchen auszuhalten.

Im Verlauf des Monats Januar wird - trotz länger werdender Tage und kürzer werdender Nächte - der eisige Atem von Väterchen Frost in der Regel zunehmend stärker spürbar.

Nicht umsonst heißt es: "Laufen Julian und Basilissa durch dichtes Flockentreiben, werden Schnee und Kälte bis Sankt Roman (28.02.) bleiben". Die Zunahme der Winterhärte hängt damit zusammen, dass sich in der Polarregion infolge der Polarnacht auch nach der Wintersonnenwende (21./22. Dezember) die Luft noch weiter beträchtlich auskühlt, so dass bei den Vorstößen kalter Luft aus polaren Breiten über den gleichfalls ausgekühlten Kontinent die im Mittel niedrigsten Temperaturen erst im Januar gemessen werden.

Väterchen Frost hat sein Handwerk nicht verlernt

Dass trotz Klimawandels Väterchen Frost sein Handwerk nicht verlernt hat, wird das Wetter im Verlauf des zweiten Januarwochenendes mit Nachdruck bestätigen, sorgt doch das Aufgleiten wärmerer Luft in der Höhe auf die von Nordosten her in den bodennahen Schichten einströmende Kaltluft im Bereich eines Tiefs, das auf den Namen "Daisy" getauft wurde, für länger anhaltende und ergiebige Schneefälle. Über dem frischen Schnee wird es dann in der kommenden Woche gemäß Sprichwort "Neuer Schnee - neue Kälte" besonders nachts wieder sehr frostig werden.

Im Hinblick auf Julian und Basilissa reimte diesbezüglich der Landmann: "Bläst um Basilissa und Julian ein kalter Wind aus Nordost, bringen auch Maurus (15.01.) und Antonius (17.01.) Schnee und Frost". Für die Fälle, in denen sich der Dezember und auch das erste Januardrittel, als zu mild erwiesen haben, können die Reime "Wenn Basilissa und Julian milde Winde bringen, wird Antonius die Saaten zum Winterschlaf zwingen" und "Wenn Julian und Basilissa mit warmen Lüften kommen, wird vor Antonius kein Frost im Land vernommen" ins Kalkül gezogen werden.

Lostagssprüche machen Wintersportlern Hoffnung

Diese Weisheiten machen Schneefans und Wintersportlern zwar Hoffnung auf eine aus ihrer Sicht bessere zweite Winterhälfte, doch in etwa 70 Prozent aller Fälle wird dann auch der gesamte Januar und in ungefähr 60 Prozent der Februar zu warm ausfallen. Julian und Basilissa, der Name bedeutet "die Königliche", werden als Schutzpatrone der Gastlichkeit verehrt. Sie waren ein im 3. Jahrhundert in Ägypten lebendes Ehepaar, das ihr Haus Notleidenden und Kranken öffnete.

Dr. Jurik Müller, Deutscher Wetterdienst 

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