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Umwelt

Am Tage von Sankt Theobold kommt der Frost oft mit Gewalt

von , am
16.01.2010

Leipzig - Sankt Theobald, der auch als "Apostel Österreichs" bezeichnet wird, war als Glaubensbote in Österreich tätig. Um seinen Lostag herum zeichnen sich die Temperaturen häufig durch ihre Frostigkeit aus.

"Lässt Theobald den Schnee wie tausend Diamanten schimmern, wird nachts der Wolf vor strenger Kälte wimmern."

Hinter dieser Weisheit verbirgt sich die Tatsache, dass bei antizyklonal geprägter Witterung, sofern nicht Nebel- oder Hochnebeldecken den Blick von Frau Sonne auf die schneebedeckten Weiten verhindern, sich Feld, Wald und Flur in ein Wintermärchen verwandeln.

 

Trotz gleißenden Sonnenscheins oft bitterkalt

Dabei ist es trotz gleißenden Sonnenscheins oft bitterkalt, wenn aus dem fernen Sibirien kontinentale Festlandsluft in hiesige Gefilde gelangt. Bleibt dann in der Nacht der Himmel wolkenfrei, kommt es zu verstärkter Ausstrahlung. Die Folge sind häufig extrem niedrige Temperaturen. Nicht umsonst reimte der Landmann: "Wenn die weiße Pracht an Theobald glitzert und blitzt, strenger Nachtfrost schon in den Startlöchern sitzt". Hinzu kommt, dass bei den nachts, insbesondere bei "eingeschlafenem" Wind, zu erwartenden stabilen Schichtungsbedingungen in Bodennähe ein starkes Temperaturgefälle (vertikaler Temperaturgradient) existiert. So kann zwischen der international vereinbarten Standardmesshöhe von 200 Zentimetern über Grund und der Schneedeckenoberfläche durchaus ein Temperaturunterschied von fünf bis zehn Kelvin, in seltenen Fällen auch mehr, beobachtet werden.

Viele frostige Sprüche zu Sankt Theobald

Weitere, auf Theobald gemünzte Sprüche verraten: "Am Tage von Sankt Theobald kommt der Frost oft mit Gewalt", "Wird Theobald vom Schnee im Sonnenschein geblendet, die Nacht der Flur strenge Kälte sendet" und "Wenn Theobald den Nachthimmel von Wolken befreit, dann hält sich sofort der Frost bereit". Auf die Folgen harter Winterkälte versucht der Spruch "Lässt Theobald voreilige Blüten sterben, will er vorzeitigem Frühling den Spaß verderben" hinzuweisen. In Bezug auf Theobald heißt es aber auch: "Wenn um Theobald viel Sonne scheint, im Sommer nur wenig der Himmel weint".

Theobald von Geisling: Apostel Österreichs

Lacht nämlich "Klärchen" um Theobald und um Antonius (17. Januar) mehr als üblich vom Firmament, so liegt in sieben von zehn Fällen das jährliche Niederschlagsangebot unter den Sollwerten. Auch der Spruch "Färbt Theobald mit Reif die Wiesen weiß, dann macht er den Sommer trocken und heiß" will diesen Zusammenhang unterstreichen. Dagegen wollen die Reime "Bringt warmen Wind der Theobald, dann wird mit Frost der Hartung (Januar) alt" und "Wenn Theobald milde Lüfte uns schenkt, der Vinzenz (22.01.) wieder an Fröste denkt" enttäuschten Wintersportlern und Schneefans Hoffnung machen. Theobald von Geisling, der als Priester im Franziskanerorden wirkte und im Jahre 1520 in Wien starb, war als Glaubensbote in Österreich tätig. Er wird deshalb auch als "Apostel Österreichs" bezeichnet.

Dr. Jurik Müller, Deutscher Wetterdienst 

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