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Aufreger in den sozialen Medien

Tagesthemen-Kommentator fordert Preisanstiege für den Klimaschutz

CO2-Verursacher
am Mittwoch, 31.07.2019 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Journalist Lorenz Beckhardt fordert in einem Tagesthemenkommentar von der Politik, Flüge, Fleisch und Autos so teuer zu machen, dass wir "Süchtigen" davon "runterkommen". Tausende Twitter- und Facebooknutzer reagieren auf seine Polemik.

In den ARD-Tagesthemen vom 29. Juli forderte Kommentator Lorenz S. Beckhardt, die Politik möge endlich dafür sorgen, dass uns klimarelevante Aktivitäten vergehen. "Macht Fleisch, Auto fahren und fliegen so verdammt teuer, dass wir davon runter kommen. Bitte! Schnell! Dann wählen wir auch Euch alle", polemisierte der Journalist und Autor.

Seine Begründung: Er fliege gern rund um die Welt zum Tauchen und haue sich auch öfter mal ein Steak auf den Grill. Freiwilliger Verzicht falle ihm schwer. Aber so sei das nun mal bei Süchtigen: Sie bräuchten Hilfe beim Ausstieg - durch staatliche Regulierung.

Sein Kommentar kam bei vielen Nutzern nicht gut an. Verbote statt Vernunft seien nie eine nachhaltige Lösung.

Wir haben einige der Reaktionen auf Twitter und Facebook zusammengefasst.

Einige stimmen zu, manche fordern sogar noch mehr

Relativ wenige stimmen Beckhardt auf Twitter zu:

  • "Sehr gute, deutliche Worte. Von allein werden die Menschen nie aufhören, den Planeten zu ruinieren, sei es auch Unvermögen, Bequemlichkeit oder Ignoranz. Deshalb MUSS die Politik da einen deutlichen Riegel vorschieben, also Fleisch, Benzin, Kohle & Co. unzugänglich machen." (Dana)
  • "Richtig, wir (westliche Welt) müssen von dem Massenkonsum bzw. von der Wegwerfgesellschaft runter. Wer 30% seiner Lebensmittel wegwerfen kann (heißt auch all die darin enthaltene Energie wird vernichtet) muss mehr bezahlen, sonst hört das nicht auf." (Finkenbein)
  • Es wird nicht reichen. Das sind richtig harte Drogen. Da braucht es Therapie und Ersatzstoffe. Zum Beispiel richtig gute Radwege. Aber so könnte man diese ganz einfach finanzieren. (Thorsten Bachner)

Vor allem ein Autoverbot erregt die Gemüter

Vor allem Landwirte und Dorfbewohner finden Beckhardts Ansinnen fern von jeder Realität. Wer beispielsweise Alternativen zum Privatauto habe, könne leicht Verbote verlangen. Für die Bewohner ländlicher Regionen dagegen hören sich Beckhardts Zeilen an wie Hohn.

  • "Wir wohnen auf dem Land und sind auf das Auto angewiesen, um in die Arbeit zu kommen. Unnötige Fahrten machen wir schon lange nicht mehr. Ich fahr z. B. nur einmal pro Woche zum Einkaufen in die nächste größere Stadt. Soll ich mir die Lebensmittel dann liefern lassen?" (Gerry)
  • "Die Politik muss nichts teurer machen, sondern die notwendige Infrastruktur schaffen!" (Axel Karl Krüger)
  • "Der muss mir mal erklären, welches Fortbewegungsmittel das Auto ersetzten soll? Die unpünktliche DB, die jede 1 - 2 h in ländlichen Gebieten hält? Wir brauchen erst realistische Alternativen." (Don Bosco)
  • "Der ÖPNV befindet sich am Land in der Steinzeit und die Mieten in der Stadt auf einem Rekordhoch - Für ländliche Regionen ist das Auto quasi alternativlos. Sehr elitärer Kommentar, der aus mangelnder persönlicher Integrität die falschen Schlüsse zieht." (Alexander Ebenhack)

Weltferne Ansichten im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk

Andere ärgern sich vor allem über die Abgehobenheit im gebührenfinanzierten Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk (ÖR).

  • "Meinungsfreiheit beinhaltet eben auch völlig abwegige Meinungen. Mir bereitet eher die Häufung solcher bei den ÖR Sorge." (Andreas Zeise)
  • "Solche Entmachtungsfantasien des Individuums gruseln mich im Moment nur noch." (Thesilverscream)

Und so mancher liebäugelt mit einer alternativen Sparidee:

  • "Macht Internet (Streaming) so teuer, wie es sich für den rasant ausbreitenden Klimakiller gehört. Schaut dann zwar niemand mehr Tagesthemen-Kommentare, aber Opfer müssen gebracht werden." (Je5 5ss) 
  • "3,7% der weltweiten Treibhausgas-Emissionen entstehen durch das Internet. 80% davon durch gestreamte Videos. Macht Video-Streaming so verdammt teuer, dass die Tagesschau davon runter kommt. (Andreas Hallaschka)

Bevormundung statt Eigenverantwortung?

Der Ruf nach Beschränkung der Eigenverantwortung macht inzwischen viele besorgt.

  • "Das Erschreckende ist, dass ich solche 'wenn es teurer/verboten wäre, würde ich eher drauf verzichten'-Kommentare tatsächlich auch oft im Bekannten- und Freundeskreis höre. Als ob Eigenverantwortung nur noch per Zwang getragen würde. Unbegreiflich!" (Andreas Weinand)
  • "'Ja, verbietet es uns, dann wählen wir euch!' ist der Appeal der Grünen. Ob das wirklich bei der breiten Masse ankommt oder ob die doch lieber Konsum wählen, wird sich zeigen." (Frank B.)

Und am Ende noch einmal ein dringender Wunsch an die Medien:

  • "Mir fehlt die Stimme der Vernunft, lieber ÖR. Echte Nachhaltigkeit bringt Ökologie, Ökonomie und Soziales zusammen. Das braucht kluge Gedanken. Kein gebührenfinanziertes, aufstachelndes Phrasendreschen." (Patrick Hacker)

Auch auf Facebook erregen sich die Gemüter

Und auch auf Facebook entwickelte sich an vielen Stellen eine heiße Diskussion:

  • "Was für ein elitäres Geschwätz eines Menschen, der offenbar seine Privilegien in vollen Zügen genießt und das als 'Sucht' einordnet." (Thorsten Wehner)
  • "Verbote statt Verantwortung!? [...] Wenn die Preise für das Auto, für Fleisch, für Flüge so steigen sollen, dass der Kommentator sich veranlasst sieht, sich in seinem Konsum einzuschränken, dann wären sozial Schwächere von der Nutzung dieser Güter vollkommen ausgeschlossen." (Volker Wissing)

Auf den Vorwurf einer unsozialen Forderung, die vor allem Geringverdienende einschränken wird, antwortet Lorenz Beckhardt auf seiner Facebookseite schließlich selbst:

  • "[...] die soziale Frage war nicht mein Thema. Außerdem ist das jetzt schon so, dass die Mehrheit der Menschheit weder regelmäßig Fleisch isst noch ein Auto besitzt. Und geflogen sind global bisher weniger als 20 Prozent der Menschen. Ich kann nicht erkennen, dass es ein Menschenrecht auf "in den Urlaub fliegen" geben kann, genausowenig wie für Fleisch essen."

 

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