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Wirtschaft

Tierhaltung: Lidl will Standards 'signifikant verbessern'

pd/Krauß
am
22.10.2015

Neckarsulm - In einem Positionspapier definiert Lidl verbindliche Grundlagen für den Einkauf tierischer Erzeugnisse. Der Leifaden soll über die gesetzlich festgelegten Standars hinausgehen.

In einer Pressemeldung erklärt Lidl "signifikante Verbesserungen in der Tierhaltung über die heute gültigen Standards hinaus vorantreiben" zu wollen. Lidl habe den Anspruch, Haltungsbedingungen zu fördern, die weit über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen.
 
Inwieweit mit der neuen Offensive auch Mehrkosten beziehungsweise höhere Erlöse auf die Landwirte zukommen, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Auf eine diesbezügliche Anfrage von agrarheute.com gab es bislang keine Antwort von Lidl.
 
In das neue Positionspapier sind laut der Lidl-Meldung die Erfahrungen eingeflossen, die der Konzern in Zusammenarbeit mit Lieferanten, Verbänden, Politik, Behörden, NGOs und Handelspartnern gesammelt hat. Er bezieht sich auf die tierischen Erzeugnisse, die als Eigenmarken in das Lidl-Lebensmittelsortiment aufgenommen wurden.
 
Nach eigenen Angaben zielt das Unternehmen darauf ab
  • Tierwohlstandards weiterzuentwickeln,
  • Aufzucht- und Haltungsbedingungen sowie
  • die Fütterung von Tieren zu verbessern

Lidl orientiert sich an britischen Leitfaden

Bereits heute sind alle Lidl-Lieferanten QS-zertifiziert. Der Konzern war auch bei der Initiative Tierwohl für höhere Standards in der Tierhaltung dabei. Bezüglich der Rückverfolgbarkeit der Ware ist auf der Rückseite jeder Frischfleisch- und Frischgeflügelverpackung ein QR-Code, über den Informationen über Herkunft der Tiere und Verarbeitung der Rohware abgerufen werden können.
 
Das neue Positionspapier hat Lidl unter Berücksichtigung der "5 Freiheiten" des britischen Farm Animal Welfare Committee (FAWC) definiert:
  1. Freiheit von Hunger und Durst: Die Tiere haben Zugang zu frischem Wasser und gesundem, gehaltvollen Futter.
  2. Freiheit von haltungsbedingten Beschwerden: Die Tiere verfügen über geeignete Unterbringungen und adäquate Liegeflächen.
  3. Freiheit von Schmerz, Verletzungen und Krankheiten: Vorbeugende Maßnahmen, unverzügliche Diagnosen und Behandlungen stellen ein hohes Niveau der Tiergesundheit sicher.
  4. Freiheit zum Ausleben natürlicher Verhaltensmuster: Den Tieren werden ausreichend Platz, angemessene Einrichtungen und eine Haltung in der Gruppe geboten.
  5. Freiheit von Angst und Stress: Bestimmte Bedingungen stellen sicher, dass Angst und Stress vermieden werden.

Höhere Tierwohl- und Haltungsstandards

Nach eigenen Angaben verpflichtet Lidl seine Lieferanten, auch mit den zuliefernden Landwirten Vereinbarungen zu treffen, die darauf abzielen, Tierwohl- und Haltungsstandards zu erhöhen. Dazu zählen unter anderem:
  • ein restriktiver Einsatz von Antibiotika in der Mast und die Erarbeitung eines Maßnahmeplans um Antibiotikaeinsätze langfristig zu reduzieren
  • der Verzicht auf Gentechnik in Futtermitteln
  • strengere Richtlinien bezüglich Eingriffen am Tier, beispielsweise der Verzicht auf betäubungslose Ferkelkastration oder das Schnabelkürzen bei Legehennen; "Lidl Deutschland verfolgt das Ziel, dass ein mit Schmerzen verbundener Eingriff am Tier ohne Betäubung nicht vorgenommen wird", heißt es dazu in dem Positionspapier.
  • Bei Jungbullen akzeptiert Lidl Deutschland ausschließlich Tiere, die aus einer Aufzucht ohne Anbindehaltung stammen. Auch bei weiblichen Rindern wird eine zeitnahe Umsetzung geprüft.
  • Bei Bedarf sollen die Hornanlagen junger Kälber nur nach den aktuellen veterinärmedizinischen Erkenntnissen schonend verödet werden. Grundsätzliches Ziel des Unternehmens ist, dass die Tiere bei der Enthornung sediert werden. "Wir streben an, dass zukünftig die reine Anbindehaltung bei Milchkühen vermieden wird und die Ställe ausreichend Bewegungsfreiheit ermöglichen", heißt es in dem Positionspapier.
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