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Gesellschaft

Tierrechtlerplakate im Miniaturwunderland

Frederik und Gerrit Braun
am Dienstag, 02.07.2019 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die Betreiber des Miniaturwunderlandes in Hamburg haben mit einer Tierrechtler-Plakataktion den Zorn der Landwirte auf sich gezogen. Der Bauernverband Schleswig-Holstein forderte eine Erklärung ein.

Ende letzter Woche sorgte eine Aktion auf der größten Modelleisenbahn der Welt, dem Miniaturwunderland in der Hamburger Speicherstadt, für große Verärgerung unter deutschen Landwirten. In bester Tierrechtlermanier hatten die Wunderlandbetreiber Gerrit und Frederik Braun Mini-Plakate mit Frauen an Melkmaschinen und Menschen in Mastabteilen auf ihrer Modellanlage verteilen lassen. Unterschrift: "Tierschutzbund Knuffingen: Für eine artgerechte Haltung von Mensch und Tier".

Braun-Brüder: Es ging darum, den Verbraucher aufzurütteln

Vor allem zahlreiche Landwirte verwahrten sich in den sozialen Medien gegen die Stimmungmache gegen Tierhaltungsbetriebe. Andere Besucher beklagten die verstörenden Motive an einem Familienausflugsziel.

Die Braun-Brüder äußerten sich zu den Vorwürfen und erklärten, ihnen läge nichts ferner als ein Bauern-Bashing. Die bewusst provozierenden Plakate hätten nur Verbraucher aufrütteln und zu einem bewussteren Konsum anregen sollen.

Im Teasertext auf der Facebookseite des Unternehmens heißt es: "Schockierende Bilder in Knuffingen aufgetaucht! Die kleinen Wunderländer Tierschützer vom Tierschutzbund Knuffingen haben heute Nacht heftige Plakate aufgestellt um uns Menschen wachzurütteln. Landwirte können nur dann noch mehr verbessern, wenn wir beim Kauf von Lebensmitteln bereit sind, nicht jeden Preiskampf mitzumachen."

Landwirte: Undifferenzierte Vorwürfe diffamieren alle Bauern

Landwirte beklagten die undifferenzierte Art der "Kritik". Immer mehr schalteten sich in die Facebook-Diskussion ein und forderten eine Erklärung, inwieweit derart abwegige Bilder eine faire Diskussion um Tierschutzverstöße anregen sollten. Schließlich richteten sich die Plakate generell gegen Tiermast und Milchviehhaltung und nicht nur gegen "industrielle Verfahren" und "Massentierhaltung", wie die Brauns zuvor behauptet hatten. Vor allem die Nähe zu PeTA-Aktionen stieß auf die Wut der Bauern.

Bauernverband Schleswig-Holstein lädt die Brauns ein

Auch der Bauernverband Schleswig-Holstein beteiligte sich intensiv an der Debatte und wandte sich direkt an Frederik und Gerrit Braun: "Liebe Brauns, ihr seid Ingenieure. Tretet einen Schritt zurück und überlegt nochmal, welche menschenverachtende Botschaft ihr hier vermittelt. Und was das mit einer gesellschaftlichen Minderheit, den Bauern, macht." Frederik Braun versicherte in seiner Antwort erneut, es sei keinesfalls darum gegangen, Bauern zu diskreditieren. Aber man habe Zeichen gegen die "Massentierhaltung" setzen wollen und träume davon, dass Tiere "zumindest besser gehalten werden."

Der Bauernverband Schleswig-Holstein hat die Braun-Brüder nun auf einen modernen Landwirtschaftsbetrieb eingeladen, um Missverständnisse auszuräumen und über echte Tierhaltung vor Ort zu debattieren und schreibt dazu auf seiner Facebookseite: "Wir haben ein gutes Gespräch geführt und werden uns auf einem Hof mit 'Massentierhaltung' treffen. Wir werden dort diskutieren, was uns beschäftigt."

agrarheute meint: Ein solches persönliches Treffen ist ein guter, konstruktiver Ansatz. Wir sind neugierig auf das Ergebnis und werden die Geschichte weiter verfolgen.

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