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Umwelt

Tierschutzverstoß: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Jäger

von , am
24.08.2015

Im Winter 2014 sollen zwei Beschuldigte während zwei Gatterjagden gegen das Tierschutz- und Bundesjagdgesetz verstoßen haben. Die Staatsanwaltschaft in Paderborn hat die Ermittlungen aufgenommen.

Die Staatsanwaltschaft Paderborn hat Ermittlungen gegen zwei Beschuldigte aufgenommen, die im November und Dezember 2014 zwei Jagden durchgeführt haben sollen, bei denen der Verdacht auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz besteht. Wie der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen berichtet, handle es sich bei den Beschuldigten um zwei hohe Forstbeamte des Landes.
 
 
 
 
 
Die beiden sollen bei zwei "Gatterjagden" auf Rotwild schwer und wiederholt gegen das Bundesjagdgesetz verstoßen haben, erklärt der Landesjagdverband weiter. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Paderborn auf Nachfrage gegenüber Agra-Europe bestätigte, liegt eine Anzeige eines Jägers bei der Unteren Jagdbehörde Paderborn gegen besagte Jagden vor. Daraufhin sei die Polizei gebeten worden, den Fall zu untersuchen, woraufhin diese sich an die Staatsanwaltschaft Paderborn gewandt habe.

Vorwürfe werden zurückgewiesen

Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag, Rainer Deppe, fordert von der Landesregierung Aufklärung in dieser Sache. "Der Tierschutz darf seine Gültigkeit auch mit dem neuen Jagdgesetz nicht verlieren", stellte Deppe klar. Der Landesjagdverband sieht Landwirtschaftsminister Johannes Remmel in der Pflicht. Er würde das "offensichtliche jagdliche Fehlverhalten" decken, kritisiert der Verband. Weiter weist er darauf hin, dass er bei den zuständigen Ordnungsbehörden beantragt habe, allen Teilnehmern der beiden Jagden den Jagdschein zu entziehen. Ein Sprecher des Landesbetriebes Wald und Holz Nordrhein-Westfalen bestritt die Vorwürfe. Diese träfen nicht zu. Es gebe für beide Jagden "keinerlei Ansatzpunkte für Verstöße gegen den Tier- schutz und die Waidgerechtigkeit". Nach einhelliger Aussage aller bekannten und an den Jagden beteiligten Personen sei weder gegen das Jagd- noch gegen das Tierschutzgesetz verstoßen worden.
 

Das soll vorgefallen sein

Der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen beschreibt den besagten Fall: Demnach seien Rotwildjagden im staatlichen Revier Gut Burghof (Kreis Paderborn) am 8. November und am 20. Dezember 2014 in einer jagdethisch völlig inakzeptablen Weise und damit unter eklatantem Verstoß gegen die allgemein anerkannten Grundsätze deutscher Waidgerechtigkeit durchgeführt worden.
 
Das Rotwild und sonstige Schalenwild (Paarhufer) hätten laut Landesjagdverband wegen der faktisch lückenlosen Gatter-Einzäunungen nicht die geringste Fluchtmöglichkeit gegen eine unverhältnismäßig große Anzahl von Jagdschützen gehabt. Besonders perfide seien zwei angelegte Durchlässe gewesen. An diesen Zwangswechseln seien Schützenstände postiert worden, um das Wild zum schutz- und chancenlosen Abschussobjekt zu degradieren, erklärt der Verband weiter.
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