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Umwelt

Tote Ameisen als Schutzwall

von , am
04.07.2014

Eine neue Wespenart nutzt tote Ameisen, um ihr Nest vor Angreifern zu schützen. Dies fanden Freiberger Ökologen nun heraus.

Die in den Wäldern Südostchinas heimische Wespenart wurde erstmals von einem deutsch-chinesischen Forscherteam entdeckt. Sie weist ein einmaliges Nestbauverhalten auf, wie Michael Staab und Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein vom Insitut für Geo- und Umweltnaturwissenschaften der Universität Freiburg sowie Wissenschaftler des Museums für Naturkunde Berlin und der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking bekannt geben.

Einmalig im Tierreich

Um ihren Nachwuchs vor Feinden zu schützen, verschließen die "Ameisenmauer-Wespen" ihr Nest mit einer Kammer voller toter Ameisen. Ein vergleichbarer Schutzmechanismus ist bisher im gesamten Tierreich noch nicht nachgewiesen worden, wie die Universität Freiburg berichtet. Ihre Entdeckung veröffentlichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der internationalen Fachzeitschrift "Plos One".

Chinesische Mauer aus Ameisen

Die Forscher sind begeistert von diesem einmaligen Fund: "Als ich eine solche mit Ameisen gefüllte Kammer das erste Mal sah, hat es mich sofort an die historische chinesische Mauer erinnert. Ebenso wie die chinesische Mauer das Kaiserreich vor Angriffen durch plündernde Reiternomaden geschützt hat, schützt die Ameisenmauer den Nachwuchs der neu beschriebenen Wespenart vor Feinden", so Staab.

Wegwespen

Die "Ameisenmauer-Wespe" trägt den wissenschaftlichen Namen Deuteragenia ossarium und gehört zur Familie der Wegwespen. Für gewöhnlich baut jedes Weibchen dieser Familie ein eigenes Nest, bestehend aus mehreren Kammern. Sie legt in jede dieser Kammern eine zuvor durch einen Stich gelähmte Spinne, die dem Nachwuchs als Nahrung dient. Auch die nun neu entdeckte Wespenart folgt diesem Verfahren, so die Wissenschaftler. Im Unterschied zu anderen Wegwespen jedoch füllt sie die Zelle am Nesteingang, die ansonsten leer bleibt, mit toten Ameisen.

Wesentlich weniger Angriffe

Die Ameisenmauer scheint ein sehr effektiver Nestschutz zu sein, wie die Untersuchungen der Forscher im Anschluss zeigten. Sie fanden heraus, dass die Nachkommen der "Ameisenmauer-Wespe" eindeutig seltener von Feinden angegriffen werden, als andere Wespenarten des gleichen Lebensraumes. Woran dies jedoch genau liegt und wie der Verteidigungsmechanismus detailliert funktioniert, muss nun erforscht werden.

Weitere Untersuchungen

Die Wissenschaftler der Forschergruppe "Biodiversity-Ecosystem Functioning (BEF) China" gehen davon aus, dass das Nest der Wespe durch die Mauer ähnlich wie das einer wehrhaften Ameisenart riecht. Aus diesem Grund wird es wohl auch von Feinden gemieden. Diese Annahme ist Gegenstand aktueller Forschung. "Die Entdeckung einer neuen Art wirft neue Fragen auf. Wir wollen verstehen, warum Artenvielfalt für ein funktionierendes Ökosystem wichtig ist", so Klein.
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