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Verkehr und Versicherung

Traktor fahren, Melken, Füttern: Was dürfen Kinder auf dem Hof?

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am Mittwoch, 09.03.2022 - 08:19 (1 Kommentar)

Welche Arbeiten dürfen Kinder auf dem Hof erledigen? Dürfen Jugendliche Traktor fahren? Und was sagt die Versicherung, wenn etwas passiert? Die wichtigsten Fakten rund um Kinder und Kindersicherheit auf dem Hof.

Anfang März wurde ein 9-jähriger Junge auf dem Traktor bei der Feldarbeit erwischt. Der Vater bekam daraufhin Ärger mit der Polizei, nun wird sogar gegen ihn ermittelt. Die agrarheute-User haben daraufhin ausführlich (über 4.000 Kommentare bei Facebook!) diskutiert: Was genau dürfen Kinder auf dem landwirtschaftlichen Betrieb eigentlich machen? Was ist erlaubt, was ist verboten, was macht fast jeder und wo wird es gefährlich?

Traktor fahren als Kind: Das sagt das Straßenverkehrsrecht

Was nach dem Straßenverkehrsgesetz klar geregelt ist, ist das Thema Traktor fahren. Der T-Führerschein erlaubt das Fahren eines Traktors ab 16 Jahren. Das gilt aber ausschließlich für die Wege zum Arbeitsbereich, also dem Feld oder Hof. Rein zur Freude mit dem Traktor durch die Gegend heizen ist also verboten – und macht bei den aktuellen Dieselpreisen wohl auch keinen Spaß. Um den Traktorführerschein zu erwerben, muss der Antragsteller ein Mindestalter von 16 Jahren haben. Mit einer Sondergenehmigung kann man schon mit 15 die Erlaubnis für die Anmeldung in der Fahrschule erhalten. In der Regel sind mit dem T-Führerschein 60 km/h erlaubt. Für Fahrer unter 18 Jahren gilt aber eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h.

Das Fahren auf dem eigenen Grundstück ist übrigens laut Gesetzgeber auch ohne Führerschein erlaubt - wenn der Hof komplett umschlossen ist von Zäunen, Gebäuden etc. Feldwege und Äcker gehören nicht dazu. Solange der Junior mit dem Traktor also auf dem eingefriedeten Hof bleibt, ist es kein Verstoß gegen das Straßenverkehrsgesetz. Trotzdem sollten die Eltern überlegen, ab welchem Alter die Kinder den Traktor bewegen dürfen und ob es nicht gefährlich werden kann für Familie und Hof. Und natürlich gilt: Lassen Sie Ihr Kind niemals allein auf einer Maschine.

Mitarbeit auf dem Hof: Das sagt der Gesetzgeber

Für viele Kinder auf dem Bauernhof ist es selbstverständlich, im Haushalt und auf dem Hof mit anzupacken. Die Arbeit im Stall und auf dem Feld macht schließlich Spaß, wenn man mit Mama und Papa so richtig was schaffen kann. Und vielleicht springt ja auch ein bisschen Taschengeld dabei heraus. Aber Achtung: Für Personen bis 15 Jahren gilt laut Jugendarbeitsschutzgesetz ein Kinderarbeitsverbot; Kinder über 13 Jahre dürfen mit Einwilligung des Sorgeberechtigten leichten und für Kinder geeigneten Beschäftigungen nachgehen wie

 

  • Tätigkeiten in Haushalt und Garten,
  • Botengänge,
  • Betreuung von Kindern und anderen zum Haushalt gehörenden Personen,
  • Nachhilfeunterricht,
  • Betreuung von Haustieren oder
  • Einkaufstätigkeiten mit Ausnahme des Einkaufs von alkoholischen Getränken und Tabakwaren.

In landwirtschaftlichen Betrieben dürfen sie Tätigkeiten übernehmen bei

 

  • der Ernte und der Feldbestellung,
  • der Selbstvermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse,
  • der Versorgung von Tieren.

Kinder unter 13 Jahren dürfen gar nicht zur Arbeit eingesetzt werden. Vom Verbot unberührt sind aber Hilfsarbeiten im Haushalt bzw. innerhalb der Familie. Im landwirtschaftlichen Betrieb gehören auch Kälber füttern, mal den Melkeimer tragen oder den Besen schwingen sicherlich zu den zumutbaren Aufgaben, die Kindern Spaß machen. Inwieweit diese Mithilfe vorausgesetzt wird, ist Sache der Familien. Entscheidend ist, dass die Tätigkeiten nicht gefährlich sind und nicht psychisch belastend, also unter Druck ausgeübt werden.

Regelmäßige Mitarbeit von Kindern: Das sagt das Finanzamt

Steuerlich ist die Mitarbeit von Familienangehörigen nicht von Bedeutung, solange sie nur unregelmäßig oder gelegentlich stattfindet und solange sie nicht vergütet wird. Auch eine Bezahlung weit unter dem Lohn, den eine Fremdarbeitskraft erhalten würde, also beispielsweise einen Zuschuss zum Taschengeld, ist dabei zulässig. Sollte die Mitarbeit allerdings darüber hinausgehen und das Kind 14 Jahre und älter sein, müssen Sie das Arbeitsverhältnis entsprechend anmelden, beispielsweise als Mini-Job.

Was, wenn etwas passiert? Das sagt die Versicherung

Aber was passiert, wenn das Kind beim Üben mit dem Schlepper das Scheunentor erwischt? Oder wenn etwas zu Bruch geht?

Haftpflichtversicherung: Üblicherweise sind Kinder bis zum 18. Lebensjahr über die Eltern mitversichert. Das gilt auch für die landwirtschaftliche Betriebshaftpflicht. Machen Sie sich aber auf jeden Fall bei Ihrer Versicherung kundig, ob in Ihrer Betriebshaftpflicht auch eine Privathaftpflichtversicherung enthalten ist und ob alle Familienmitglieder damit abgedeckt sind.

Unfallversicherung: Vorübergehend und unregelmäßig mitarbeitende Familienangehörige sind über die Landwirtschaftliche Unfallversicherung der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) mitversichert, solange sie erkennbar betrieblich tätig sind. Je nach Alter des Kinds ist das natürlich eine Grauzone: Ein 16-Jähriger, der mit dem Traktor auf dem Acker unterwegs ist, fällt sicherlich in den Bereich Arbeiten. Ein 7-Jähriger, der das Scheunentor mit dem neuen Schlepper rammt, ist vermutlich nicht im eigentlichen Sinne für den Betrieb tätig.

Im Zweifelsfall wird individuell entschieden, ob es sich um einen Betriebsunfall handelt oder nicht. Wichtig ist aber, dass die Betriebsunfallversicherung auch greift, wenn unsachgemäß gehandelt wird. Denn gerade dann, wenn man es mit der Bedienungsanleitung oder der guten fachlichen Praxis nicht ganz so genau nimmt, passieren bekanntlich Unfälle.

Maschinen sind keine Spielzeuge

Auch wenn es manchmal schwer ist, es dem Nachwuchs zu erklären: Sicherheit geht immer vor. Schwere Maschinen wie Traktoren, Mähdrescher und Co. sind keine Spielzeuge. So verlockend sie einem 5-Jährigen oder 9-Jährigen auch erscheinen, Kinder haben weder die richtige Körpergröße noch die nötige Einsicht, um sie verantwortungsvoll bedienen. Nicht alles, was erlaubt ist, sollte man auch tun. Schützen Sie Ihre Kinder!

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