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Interview

Trecker Babe Theresa: „Die Spritpreise kotzen alle an“

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am Samstag, 26.03.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

So hoch wie aktuell waren die Kraftstoffpreise noch nie. Besonders hart trifft es die, die beruflich auf Diesel und Benzin angewiesen sind: Spediteure, Lohnunternehmer, Landwirte. Theresa Kastning arbeitet bei einem Lohnunternehmer und ist bekannt geworden über die Fernsehsendung Trecker Babes. Sie hat die Nase voll. Mit ihren Kollegen und anderen hat sie gestern gegen die hohen Spritpreise protestiert und eine vierspurige Straße dichtgemacht.

Theresa, was genau ist da gestern in Peine passiert?

Die Dieselpreise kotzen alle an, egal wen. Und genau deshalb haben wir gestern protestiert. Einfach mal die Celler Straße in Peine dichtgemacht, direkt vorm Rewe und vor einer Tankstelle, von 11 bis 12 Uhr. An unseren landwirtschaftlichen Zugmaschinen und an den Lkw hatten wir Plakate. So haben wir protestiert gegen die hohen Spritpreise. Die Celler Straße ist eine vierspurige Straße. Eine Spur ist allerdings freigeblieben, weil wir nicht den ganzen Verkehr von der Autobahn aufhalten wollten.

Wer ist wir?

Wir, das sind meine Kollegen vo Lohnunternehmer Schaper in Solschen und ich. Wir waren erst einmal 15 Maschinen, dann ist aber noch der ein oder andere stehengeblieben und hat ganz spontan mitprotestiert, zum Beispiel mit einer Kehrmaschine oder so.

Wie haben die Autofahrer reagiert?

Wir haben viel Lob bekommen. Klar haben auch einige mit dem Kopf geschüttelt, aber die meisten fandens gut. Ich meine, im Endeffekt betreffen die Preise jeden, ob er jetzt Auto fährt oder mit dem Bus, denn der wird ja auch immer teurer. Genau deswegen haben wir gestern demonstriert. Und ich finde, da sollten noch viel mehr mitmachen, da sollten wir alle einmal zusammenhalten. Wir sind alle Deutschland und sollten denen in Berlin mal zeigen, dass wir nicht deren Hampelmänner sind.

Seid ihr als Landwirte besonders betroffen?

Ja, schon. So ein Treckertank fasst schon mal 500 l – ein Tag auf dem Acker und der Tank ist leer, je nachdem, welche Arbeit man macht. Rechne das mal um bei 2,11 Euro den Liter, da wird dir schlecht. Auch die Spediteure haben ein Riesenproblem, die können die Mehrpreise für den Kraftstoff nicht aufschlagen auf ihre Preise. Aber auch andere haben ein Problem - manche wissen ja schon fast nicht mehr, wie sie zur Arbeit kommen sollen.

Wie lautet eure Botschaft, was wollt ihr mit dem Protest sagen?

Wir Landwirte sind da, damit der Verbraucher einen vollen Kühlschrank hat. Damit die Menschen in den Städten zu essen haben. Dafür sind wir zuständig. Aber es wird alles teurer – die Technik, die Maschinen… Wir leben ja nicht im 19. Jahrhundert, dass wir mit Pferd und Wagen fahren können. Wir müssen mit den Maschinen arbeiten, wir müssen tanken. Wir müssen Lebensmittel herstellen, damit keiner verhungert. In unseren Nachbarländern gehts doch auch, da sind die Preise für Diesel teilweise unter 1 Euro. Nur in Deutschland sind die Preise so hoch. Die Regierung in Berlin sollte sich die Steuergelder bitte einfach woanders wegholen, aber doch nicht vom Sprit, von etwas, was jeder braucht.

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