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Dorf und Familie

Trotz 600 Millionen Nothilfe: Französische Landwirte weiten Proteste aus

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Eva Eckinger, agrarheute
am
24.07.2015

Sie blockieren Straßen und Autobahnen. Trotz zugesagter Nothilfen in Millionenhöhe demonstrieren französische Viehzüchter weiter gegen die niedrigen Preise.

 
Mitten in der Ferienzeit blockieren Frankreichs Landwirte wichtige Straßen und Autobahnen im Land. Vielerorts herrscht Chaos, wie die dpa berichtet. Trotz einer 600-Millionen-Euro-Nothilfe, die von der Regierung um Landwirtschaftsminister Le Foll zugesagt wurde, setzen französische Viehzüchter ihre massiven Proteste gegen niedrige Milch- und Fleischpreise fort.

Aktuell keine Entschärfung in Aussicht

Vor allem rund um die Stadt Lyon herrscht ein Verkehrschaos. Zwar bemühte sich Präsident François Hollande um die Entschärfung des Konflikts, doch viele Landwirte wollen ihre Blockade fortsetzen. Auch ein Treffen Hollandes mit Bauernvertretern in Dijon brachte keine Besserung. Dabei rief er Schlachter, Verarbeiter und Händler dazu auf, den Schweine- und Rinderzüchtern entgegenzukommen.

Regierungsmaßnahmen nicht ausreichend?

Frankreichs Landwirte aber halten die zugesagte Unterstützung durch die Regierung für zu gering. Einzig höhere Preise würden der Branche helfen. Wie der Chef des Bauerndachverbandes FNSEA, Xavier Beulin, einem TV-Sender mitteilte, betrifft der Hilfsplan nur kurzfristige Maßnahmen. Mit diesen würde man gerade einmal die kommenden Wochen überstehen können.

Landwirtschaftskrise: 20.000 Betriebe bedroht

Wie das Landwirtschaftsministerium berichtet, stehen 20.000 französische Viehzuchtbetriebe vor der Insolvenz. Vor allem Rinder- und Schweinezüchter sowie Milchproduzenten seien gefährdet. Die Gründe für diese Krise liegen im sinkenden Fleischkonsum Frankreichs und dem Einbrechen wichtiger Absatzmärkte wie Griechenland oder Russland. Auch die Produktionskosten sind höher als in anderen europäischen Ländern, berichtet die dpa.

Hilfspaket beschlossen: 600 Millionen Euro

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und den Landwirten zu helfen, hat die französische Regierung am Mittwoch ein Notpaket von 600 Millionen Euro beschlossen. Abgaben sollen erlassen und Zahlungsaufschübe gewährt werden. Zudem will man verschuldeten Betrieben Hilfe bei der Umschuldung zukommen lassen und eine staatliche Förderbank soll zusätzliche Kredite bereitstellen.
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