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Sterben der Milchbauernhöfe

TV-Tipp: Echt Melken bis zum Ruin – Milchbauern vorm Abgrund

Einne Kuhg blickt im Stall in die Kamera
am Mittwoch, 14.07.2021 - 10:26 (Jetzt kommentieren)

Eine Dokumentation beschäftigt sich heute Abend mit dem Sterben der deutschen Milchbauernhöfe. Was kann man tun, damit sich Milch wieder lohnt?

Die Dokumentation „Echt: Melken bis zum Ruin – Milchbauern vorm Abgrund“ des MDR beschäftigt sich am Mittwochabend ab 21.15 Uhr mit dem Thema Milchviehhaltung.

Die Reporter sind unterwegs in Sachsen-Anhalt bei zwei Milchviehbetrieben und berichten über das deutsche „Milch-Drama“ und was man dagegen tun kann. Wie können Landwirte wieder von ihrer Milch leben?

Milch lohnt sich nicht mehr: Kühe werden verkauft

Annett Schöne hat einen schweren Tag vor sich – denn heute verlässt der letzte Viehtransporter den Hof. In den Ställen der Agrargenossenschaft Hedersleben standen einmal 600 Milchkühe, jetzt müssen alle verkauft werden, bis auf das letzte Tier. Das Geschäft mit der Milch lohnt sich nicht mehr.

Chef Lutz Trautmann erzählt, dass es so nicht weitergehen kann. „Der Milchpreis steht bei 31,5 Cent, der Betrieb aber braucht mindestens 38 Cent, damit sich das Milchgeschäft lohnt. Wir lösen jetzt unseren Milchkuhbestand auf…und das ist schon eine bittere Pille, aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“

Sterben der deutschen Milchbauernhöfe

Das Sterben der deutschen Milchbauernhöfe geht weiter. Den Molkereien scheint es zwar gut zu gehen, nicht aber den Produzenten der Milch. Der Moderator trifft einen Landwirt vom Bio-Hofgut Pfaffendorf bei Köthen. Hier wird die Milch selber weiterverarbeitet und vermarktet. Das, was nicht selbst vermarktet wird, geht in eine Molkerei, die sagenhafte 48 Cent pro Liter Bio-Milch zahlt – 15 Cent mehr als in der konventionellen Landwirtschaft. Dafür aber müsse er viele Auflagen einhalten: Futter nur von den eigenen Feldern, Weidegang und kaum Medikamente.

Ist Bio also die Lösung?

Hamster-Rad Bio-Milch: Höhere Kosten

„Echt“ fragt nach bei Frank Lenz, selber Landwirt und Chef des „Milch Board e.V.“. „Bio ist nur ein anderes Hamster-Rad: Der Bio-Landwirt und Milchviehalter hat einfach höhere Kosten – dem konventionellen Bauern fehlen hinten raus 13 Cent pro Kilogramm, dem Bio-Bauern 17 Cent – das haben wir untersucht. Mit Bio-Milch geht es den Milchviehaltern also nicht automatisch besser. Die Preise sind insgesamt zu niedrig“.

Und trotzdem: Mit Milch lässt sich sehr viel Geld verdienen, und zwar in den Molkereien, so der MDR.

Unfaire Spielregeln am Markt: Milchbauern wollen Chancengleichheit

Der Milch Board e.V. hat untersucht, was große Molkereien an der Milch verdienen. Der Spitzenreiter verdient 20 Cent pro Kilogramm Milch und das Schlusslicht 5 Cent. Die überraschende Erkenntnis: Der Milchbauer bekommt – egal an wen er liefert – immer das gleiche: nämlich zwischen 30 und 35 Cent.

„Zurzeit haben wir eine Praxis, die kein normaler Mensch versteht: Wir haben Lieferverträge ohne festen Preis. Da steht nur drin: liefert möglichst viel in Top-Qualität an eine feste Molkerei. Unser Geld bekommen wir erst sechs Wochen nach Lieferung“ so Frank Lenz. Die Politik müsse für faire Spielregeln am Markt sorgen und für Chancengleichheit zwischen den Käufern und Verkäufern der Milch.

Mit Material von MDR
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