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Wirtschaft

Überschüsse am Welt-Zuckermarkt erwartet

AgE/agrarheute
am
01.06.2011

Washington/London - Nach einer Saison mit Spitzenpreisen müssen sich die Zuckerexporteure am Weltmarkt auf einen wieder spürbar härteren Wettbewerb einstellen.

Dem US-Landwirtschaftsministerium zufolge dürfte es zu einem deutlichenAngebotsüberschuss kommen, wobei für alle bedeutenden Produktions- und Exportländer eine Steigerung der Erntemengen vorausgesagt wird. In ihrer ersten Prognose zum Welt-Zuckermarkt veranschlagen die Washingtoner Fachleute die globale Produktion in derKampagne 2011/12 auf 168,5 Millionen Tonnen Zentrifugalzucker in Rohwert; das wären 7,5 Millionen Tonnen mehr als die geschätzte Erzeugung in der laufenden Saison. Der weltweite Zuckerverbrauch soll im kommenden Wirtschaftsjahr um 2,7 Millionen Tonnen auf rund 162 Millionen Tonnen Rohwert steigen. Demnach würde der Welt-Zuckermarkt 2011/12 einen Überschuss von fast 6,5 Millionen Tonnen Zucker in Rohwert aufweisen.
 
Viele Experten rechnen mit Überschüssen
 
Damit reihen sich die Fachleute in Washington ein in betreffende Vorhersagen anderer Zuckermarktexperten. So rechnet die Internationale Zuckerorganisation (ISO) mit Blick auf die nächste Saison derzeit mit einem globalen Produktionsüberschuss von 'nur' gut drei Millionen Tonnen, der Zuckermarktanalyst Kingsman aber mit einem Plus von 5,6 Millionen Tonnen bis 10,6 Millionen Tonnen. Die noch bis Ende September dauernde Kampagne 2010/11 wird laut den aktuellen Schätzungen des US-Ministeriums mit einem Überschuss von 1,6 Millionen Tonnen abschließen.

Mehr Zuckerrüben in Niedersachsen

Die niedersächsischen Landwirte haben in diesem Jahr erneut auf mehr als 100.000 Hektar Zuckerrüben angebaut, ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen unter Berufung auf eine erste Trendmeldung des Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie mitteilte, wurden damit rund ein Viertel aller Rüben hierzulande auf den Äckern zwischen Ems und Elbe gedrillt. Niedersachsen bleibe also das Zuckerland Nummer eins in Deutschland. Nach wie vor gingen die meisten Rüben in die Verarbeitung zu Zucker für die menschliche Ernährung, berichtete die Kammer.
 
Anbau von Industrierüben steigt

Während der diesbezügliche Anteil gegenüber 2010 nahezu stabil geblieben sei, habe der Rübenanbau für die Energiegewinnung weiter zugenommen. In den Vorjahren habe das Areal für Ethanolrüben bereits bei rund 7,5 Prozent beziehungsweise 7.500 Hektar gelegen. Die diesjährige Ausdehnung der Zuckerrübenanbaufläche sei im Wesentlichen auf die Zunahme sogenannter Industrierüben zurückzuführen. Deren Bestellung sei vertraglich fixiert, ihre Verwertungsrichtung aber noch offen. Aus den Rüben werde entweder Ethanol gewonnen, oder sie würden in Biogasanlagen zu Strom und Wärme umgewandelt. Eine weitere Möglichkeit sei die Verarbeitung zu Industriezucker, der zur Herstellung von Kunststoffen und in der pharmazeutischen Industrie eingesetzt werde. Allein durch neue Industrierüben-Kontrakte bei der Nordzucker AG stünden 2.500 Hektar Zuckerrüben mehr unter Vertrag als 2010.
 
Gute Alternative zu Energiemais

Auch für die Betreiber von Biogasanlagen sei die Zuckerrübe interessant. Viele Energiewirte suchten nach Alternativen zur Hauptkultur Mais und nutzten vermehrt die Rübe als Gärsubstrat. Wegen ihrer hohen Gasausbeute, die bereits nach relativ kurzer Zeit in der Biogasanlage erzielt werde, könne sie einen Teil der Substratpflanze Mais ersetzen. Für technische Probleme, etwa die anhaftende Erde oder die Lagerung der Rübe, habe man bereits erste Lösungsansätze finden können, erläuterte die Kammer.
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