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Politik international

Ukraine-Exportstopp für Weizen: Ciolos ist "zutiefst enttäuscht"

von , am
26.10.2012

Unterschiedlich fielen die Reaktionen auf den nahenden ukrainischen Exportstopp für Weizen aus. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos bekundete tiefe Enttäuschung.

An der Matif war die Tonne Weizen nur noch 146,75 Euro je Tonne wert. © Mühlhausen/landpixel
Ciolos sagte: "Dies wird den internationalen Agrarmärkten nur zusätzliche unnötige Spannung hinzufügen und jene, die am meisten darunter leiden werden, sind die Ärmsten der Welt." Während er die Intention anerkenne, die Ernährungssicherheit am Inlandsmarkt zu gewährleisten, rief er die Ukraine auf, "Maßnahmen zu unterlassen, die den Weltmarktpreis anheizen und traditionelle Handelsflüsse stören würden". Der Exportbann komme zu einem Zeitpunkt, wo die weltweiten Lagerbestände ausreichten, den Bedarf zu decken.
 
Der Kommissar erinnerte an den vorjährigen G-20-Gipfel, wo sich die Chefs der führenden Exportnationen politisch dazu verpflichtet hätten, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Es sei vereinbart worden, keine Handelsbarrieren wie Exportstopps zu errichten, womit der globale Handel unterminiert wird und zitierte die Schlussformel des G-20-Aktionsplanes: "Politik, die Erzeugung und Handel von Agrarrohstoffen verzerrt, kann die Erreichung einer langfristigen Ernährungssicherheit behindern."

Ägypten bangt um Weizenlieferungen

Ziemlich empfindlich reagierte auch die staatliche ägyptische Getreideagentur GASC als wohl weltweit größter Kunde der ukrainischen Weizenexporteure. Er hoffe, die Ukraine werde sich diese Entscheidung sehr gut überlegen, so der Vize-Generaldirektor von GASC, Nomani Nomani, denn die Ukraine setze damit ihre Vertrauenswürdigkeit am Weltmarkt auf das Spiel. Offensichtlich zittert Ägypten konkret um die Erfüllung von zumindest zwei Weizenkontrakten, einen Mitte September über 55.000 Tonnen zur Verschiffung zwischen 21. und 30. November geschlossenen und einen weiteren Kontrakt über 55.000 Tonnen als Teil eines am 11.September unterzeichneten 235.000 Tonnen-Deals zur Verschiffung vom 11. bis 20. November.
 
In den ukrainischen Exporthäfen herrscht derzeit hektische Umtriebigkeit, möglichst alle kontrahierten Weizenmengen vor dem 15. November im Land zusammen-, sie auf Schiffe und letztlich außer Landes zu bekommen. In Erwartung des baldigen Exportstopps arbeiten die Exporteure schon den ganzen Oktober lang auf Hochtouren.
 
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