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Politik international

Ukraine hofft auf EU-Export von Fleisch, Milch und Soja

von , am
20.01.2015

Mit dem Assoziierungsabkommen wird der Agrarhandel der EU mit der Ukraine immer intensiver. 2015 will das Land vor allem den Export von Fleisch in die EU erhöhen. Mehr dazu verrät der ukrainische Agrarminister Alexej Pavlenko im agrarheute-Interview.

Der ukrainische Agrarminister Alexej Pavlenko © Podolskiy
Die ukrainische Landwirtschaft leidet unter den russischen Sanktionen im Zuge der EU-Annäherung. Etwa ein Drittel des Umsatzes sei laut ukrainischem Ministerium verlorengegangen. Das Land hofft jetzt auf die Öffnung der EU-Märkte. Ende vergangener Woche diskutierte der Bundestag über die Ratifizierungsgesetze für die Assoziierungsabkommen der EU mit Ukraine. Vor diesem Hintergrund führte agrarheute.com auf der Internationalen Grünen Woche ein Interview mit dem ukrainischen Agrarminister Alexej Pavlenko:
 
Herr Minister, was verspricht sich die Ukraine von dem EU-Assoziierungsabkommen, welche Vor- oder Nachteile bringt diese Abkommen der ukrainischen Landwirtschaft?
 
Wir haben diese Abkommen unterzeichnet und somit deutlich die europäische Richtung für die Ukraine gewählt. Das ist für uns ein wichtiger strategischer Vektor für die Zukunft. Europäische Werte, Lebensstil, Arbeitsart und Qualitätsstandards sind unsere Ziele. Wir wollen die Qualität ukrainischer Produkte an die hohen europäischen Standards angleichen. Die Marke "Product of Ukraine" soll hohe Qualität bescheinigen. Wir haben für dieses Ziel schon sehr viel im vergangenem Jahr umgesetzt.
 
Das Deutsche Parlament hat heute einen wichtigen Schritt zur Ratifizierung des Abkommens gemacht. Auch wir machen unsere Hausaufgaben. Es wird in acht großen Gruppen mit Beteiligung der Europäischen Kommission gearbeitet. Wir bearbeiten viele Gesetzänderungen, um die Deregulierung voranzutreiben, wie die Abschaffung unnötiger Lizenzierungen und die Installation neuer Kontrollmechanismen, um die Qualität sicher stellen zu können. Wir haben diese Herausforderungen angenommen und es gibt bereits erste Erfolge. Beispielsweise konnten wir den EU-Markt für unser Hähnchenfleisch eröffnen. Bis vor Kurzem haben wir fast nichts nach Europa verkauft, aber jetzt ist das Handelsvolumen mit Geflügel um das 55-fache gewachsen.
Im letzten Jahr produzierte die Ukraine 63,2 Millionen Tonnen Getreide. Das ist eine große Menge. 37 Mio. Tonnen davon wurden exportiert. Für kommendes Jahr haben wir vor, die 100-Mio-Tonnen-Marke zu knacken. Unser Ziel: weltweit an den obersten Plätzen als Lebensmittel-Lieferant zu stehen - insbesondere bei Fleisch, Milch, Bioethanol, Spiritus, Biogas und Sojaschrot. 2015 steht die Steigerung der Rindfleisch- und Schweinefleisch-Exporte im Fokus.
 
Sie trafen heute mehrere Investoren und Businessleute. Wie groß ist das Investitionsinteresse in die Ukraine?
 
Investieren in die Ukraine ist attraktiver geworden. Wir wollen zukünfig gesetzlich langfristige Landpachtmöglichkeiten von bis zu sieben und langfristig auch bis zu 15 Jahren garantieren. Die Hauptaufgabe ist dabei, Investitionssicherheit zu gewährleisten. In der Ukraine ist der Bodenhandel nicht erlaubt, aber der Pachtmarkt funktioniert sehr gut. Wir wollen die Bodenreform gründlich vorbereiten, Transparenz schaffen und die Bürokratie abbauen. Manche Investoren beobachten die Ukraine sehr aktiv hinsichtlich der militärischen Handlungen im Osten des Landes. Aber sie wissen, dass jetzt gerade ein günstiger Zeitpunkt ist einzusteigen. Später wird es schwieriger bzw. teurer sein. Es gibt momentan großen Investoren, die für die Ausbau der Infrastruktur insbesondere in den Bau von Getreidesilos in Seehäfen interessiert sind.
 
In der Europäische Union werden die Milchquoten ab April wegfallen. Wie beurteilen Sie die Wettbewerbsfähigkeit der ukrainischen Milcherzeugnisse?
 
Wir wissen, dass es momentan nur wenige Milchbetriebe in der Ukraine gibt, die den Standards der europäischen Qualitätsnormen gerecht werden. Deshalb kann nur eine unbedeutend kleine Menge ukrainischer Milcherzeugnissen nach Europa exportiert werden. Wir planen jedoch die Milchqualität auf dem ukrainischen Markt zu erhöhen und sie langsam an die EU-Standards heranzuführen. Die Erhöhung des Qualitätsniveau auf dem inneren Markt wird die neuen Märkte für Milchprodukte aus der Ukraine öffnen. EU-Qualitätsstandards bedeuten in der ganze Welt Qualitätsgarantie. Da wollen auch wir hin. Wir wollen die Marke "Product of Ukraine" zum Synonym für Qualität machen.
 
Wo steht die ukrainische Landwirtschaft in 10, 20 Jahren?
 
Wir wissen alle, dass die Weltbevölkerung ständig wächst. Mit dem Einkommenswachstum wird auch die Nachfrage größer. Insbesondere in solchen Ländern wie China, Indien und den afrikanischen Staaten. Klimaänderungen machen jetzt schon den Anbau von manchen Produkten nur in begrenzten Regionen der Welt möglich. Die Ukraine hat hervorragende Bedingungen, um in der Lebensmittelproduktion weltweit ganz vorne mitzuspielen. Ich sehe die Ukraine in Zukunft als Weltmarktführer in der Getreideproduktion, als "Ernährer" der Welt.
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