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Politik international

Ukraine: Mehr als Agrarland und Getreide

von , am
20.09.2012

Kiew - Die Ukraine soll wirtschaftlich und politisch näher an die EU heran rücken. agrarheute.com sprach mit Pavlo Klimkin, dem ukrainischen Botschafter in Deutschland.

Ende 2011 sind auf dem deutsch-ukrainischen Gipfel die Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen zwischen der Ukraine und der Europäischen Union abschlossen worden. Im März dieses Jahres wurde es schließlich paraphiert, berichtet Pavlo Klimkin, Botschafter der Ukraine in Deutschland. Er leitete damals die ukrainische Delegation. Der Kern dieses Abkommens ist eine umfangreiche Freihandelszone. Außerdem soll die Ukraine durch eine Übertragung der EU-Gesetzgebung schrittweise politisch und wirtschaftlich näher an die Europäische Union herangeführt werden.

Bodengesetzgebung wird reformiert

"Jetzt ist es an der Zeit, die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen, um Investoren und Unternehmern den Zugang zum ukrainischen Markt zu erleichtern", sagt Klimkin im Gespräch mit agrarheute.com. Beispielsweise seien vor kurzem zahlreiche Änderungen in der Gesetzgebung bezüglich des Bodenmarktes vorgenommen worden. Die Änderungen am Bodenhandelsgesetz könnten voraussichtlicht nach den Parlamentswahlen im Oktober unterzeichnet werden. Sie sollen ausländischen Unternehmen sichere Investitionen in die ukrainische Landwirtschaft ermöglichen.
 
"Auch deutsche Landmaschinen-Hersteller blicken mit großen Interesse Richtung Ukraine", berichtet Klimkin. So sei Claas in aktiven Gesprächen mit der ukrainische Seite. Grundsätzlich sei man sich bereits einig, aktuell gehe es lediglich um die Festlegung, wieviel der Produktion in die Ukraine ausgelagert wird.

Mehr zu bieten als Boden und Getreide

Außer Boden und Getreide habe die Ukraine aber noch viel mehr zu bieten, meint der Botschafter: "Schon jetzt exportiert das Land in die EU mehrere Tonnen Honig und Bio-Lebensmittel. Der Export von Bioerzeugnissen ist ein vielversprechender Zweig. Der Baby-Nahrungsmittelproduzent Hipp beispielsweise ist schon lange in der Ukraine tätig."
 
Entscheidend für die Ukraine sei jetzt die Anpassung von Gesetzen und Normen an Regelungen der EU. "Erfahrungen der EU und ihrer Mitgliedsländer auf diesem Sektor wären für uns sehr hilfreich. Meine Vision sind viele ukrainische Lebensmittel in den Regalen europäischer Supermärkte." Mit der Unterzeichnung des Assoziierungsabkommen wäre der Weg frei für eine engere Zusammenarbeit.
 

Ukraine: Landwirtschaft (fast) ohne Fördergelder

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