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Politik national

Umfrage: Christian Schmidt - eine gute Wahl?

© Thomas Lother CC-SA-3.0/wikimedia
von , am
25.02.2014

Seit 13 Jahren kam keiner mehr vom Fach ins Agrarministeramt. Auch Friedrichs Nachfolger ist landwirtschaftlich ein unbeschriebenes Blatt. Was sagen die Landwirte zum neuen Minister Schmidt?

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt zur Ökoverornung:" Wir haben die europäische Regelung für den Öko-Landbau einen guten Schritt nach vorne gebracht." © CSU
Bei der Personalentscheidung von Friedrichs Nachfolger war eine landwirtschaftliche Qualifikation unerheblich. Ausschlaggebend waren parteipolitische Gründe. Vor allem die Herkunft war entscheidend: er sollte wie sein Vorgänger Franke sein, damit der bayerische Regionalproporz gewahrt bleibe. Somit kam der agrarfremde Jurist und ehemalige Staatssekretär im Entwicklungsministerium Christian Schmidt ins Amt.
 
 
Mit dem Bereich Landwirtschaft ist er in seiner politischen Laufbahn bisher nicht in Berührung gekommen. Schmidt kann lediglich darauf verweisen, dass sein Großvater mütterlicherseits einen Bauernhof hatte. Von sich sagte er gegenüber der Rheinischen Post: "Ich habe also durchaus schon mal einen Kuhstall von innen gesehen und fremdele nicht mit der Landwirtschaft. Vielmehr noch: Als Sohn eines Landhändlers bin ich mit der Branche aufgewachsen." Doch wie sehen das die Landwirte?
 
In unserer aktuellen Umfrage möchten wir wissen, was die agrarheute-Leser von dem neuen Amtsinhaber halten. Rechts können Sie an der Umfrage teilnehmen.
 

Seehofers Personalentscheidung

Nach Friedrichs Rücktritt fragte CSU-Chef Horst Seehofer zuerst Gerda Hasselfeldt, ob sie ins Kabinett wechseln wolle. Doch die CSU-Landesgruppenchefin lehnte das Angebot ab. Seehofers nächster Anruf war nach eigenen Aussagen Peter Gauweiler, der das Angebot ebenfalls ablehnte. Damit traf es schließlich Christian Schmidt. Er hatte sich zum Experten für die Außen- und Verteidigungspolitik hochgearbeitet. Auch hier fehlte ihm anfangs die Fachkompetenz. Wegen seiner langen Erfahrung als Staatssekretär mit vier Ministern in zwei Ressorts wird Schmidt zugetraut, das Agrarministerium gut zu führen.
 
Als Nachfolger gehandelt wurden zuvor noch Entwicklungshilfeminister Gerd Müller, die CSU-Agrarexpertin Marlene Mortler sowie die Staatssekretäre Stefan Müller, und Dorothee Bär.

Seit 13 Jahren kein Bauernminister

Der letzte Bauernminister war der SPD-Politiker Karl-Heinz Funke, der von 1998 bis 2001 das Amt des Landwirtschaftsministers bekleidete. Der Friese führte den landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern weiter. Alle weiteren Bundesagrarminister waren ohne Stallgeruch. Der heutige Parteichef Horst Seehofer war  ein fachfremder Agrarminister - ebenso seine Nachfolgerin Ilse Aigner. Und auch der über die Edathy-Affäre gestürzte Hans-Peter Friedrich ist nicht auf einem Bauernhof groß geworden.
 

Interview: Schmidt zur neuen Aufgabe

Im Interview mit der Rheinischen Post erkläre Schmidt: "Ich komme aus einer ländlich geprägten Region und habe als CSU-Abgeordneter immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger in meinem Wahlkreis. Da befasst man sich natürlich auch mit der Milchquote, spricht über die Agrarreform und besucht den ein oder anderen landwirtschaftlichen Betrieb. Mein Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher wieder einen Bezug zur Landwirtschaft bekommen. Wer weiß, wo sein Essen herkommt und wie viel Arbeit und Ressourcen darin stecken, bekommt einen anderen Blick."
 
Zur Energiewende sagte er folgendes: "Biogas ist speicherbar und kann somit auch dann zu einer stabilen Energieversorgung beitragen, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht. Außerdem können Reststoffe wie Gülle so nachhaltig weiterverwendet werden. Eine Konkurrenz zur Erzeugung von Lebensmitteln darf die Biomasse jedoch nicht sein. Dafür müssen wir sorgen."
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