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Wirtschaft

Umfrage/Importstopp: Mehrheit sieht alle Agrarbereiche betroffen

hek
am
25.08.2014

Berlin - "Alle Agrarbereiche werden Einbußen erleiden". Mehr als zwei Drittel der Teilnehmer der agrarheute-Umfrage sehen die gesamte Branche vom russischen Agrarboykott betroffen.

Knapp drei Wochen ist es her, dass Russland mit einem Importstopp für westliche Agrarprodukte auf die Sanktionen des Westens bezüglich der Ukraine-Krise reagierte. Laut Experten des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) importiert Russland über 50 Prozent seiner Lebensmittel; vor allem Fleisch, Früchte und Gemüse, Fisch sowie Milchprodukte. In 2013 belief sich der Importwert auf gut 40 Milliarden US-Dollar. Russland stellt damit mit rund 13 Prozent des EU-Agrarexportvolumens (knapp 16 Milliarden US-Dollar) den zweitwichtigsten Absatzmarkt der europäischen Ernährungswirtschaft dar.
Angesichts der momentanen Lage in der Ostukraine steht natürlich zuvorderst die Wiederherstellung diplomatischer Gespräche der beiden Parteien auf dem Plan. So will die Europäische Kommission bei einem Russland-Ukraine Gipfel morgen in Minsk  zwischen beiden Konfliktparteien vermitteln. Zu dem Treffen in der weißrussischen Hauptstadt werden die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, Energiekommissar Günther Oettinger und Handelskommissar Karel De Gucht reisen.
 
Ziel sei es, eine nachhaltige politische Lösung für die Krise in der Ukraine zu erreichen. Die EU-Außenbeauftragte wird laut EU-Angaben dabei insbesondere die Sicherheitslage und die Situation der Flüchtlinge in der Ostukraine ansprechen. Darüber hinaus will die EU mit Russland und der Ukraine gemeinsam über die Umsetzung des umfassenden EU-Freihandels- und Assoziierungsabkommen mit der Ukraine beraten. Kommissar Oettinger wird die für September angesetzten trilateralen Energiegespräche vorbreiten.

Mehrheit sieht Auswirkungen für gesamte Agrarbranche

Nichtsdestotrotz beschäftigt der Importstopp auch die europäische und deutsche Agrarpolitik. Im Rahmenunserer aktuellen agrarheute.com-Umfrage wollten wir deshalb von unseren Lesern wissen: "Wie gravierend schätzen Sie die Folgen des russischen 'Agrarboykotts' ein?" Nach zehn Tagen Laufzeit und 524 abgegebenen Stimmen fällt das Ergebnis dabei eindeutig aus. 71 Prozent der Abstimmenden glauben, dass "alle Agrarbereiche durch den Boykott Einbußen erleiden werden".
 
Dabei ist der deutsche Agrarexport nach Russland bereits länger rückläufig. So gelten bei Schweinefleisch und Milchprodukten seit längerem Handelsbeschränkungen. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes gingen die deutschen Agrarexporte nach Russland insgesamt von 527 Mio. Euro im Frühjahr 2013 auf 359 Mio. Euro in diesem Frühjahr zurück - ein Rückgang von über 30 Prozent.

EU sagt Unterstützung zu

Zehn Prozent der Teilnehmer der ah-Umfrage befanden als Hauptkonsequenz des Boykotts, dass "vor allem Obst- und Gemüseerzeuger getroffen" werden. Knapp fünf Prozent antworteten mit "die EU wird mit Soforthilfen einspringen". Bundesagrarminister Christian Schmidt will sich in dieser Woche noch einmal mit Vertretern der Obst- und Gemüsebranche treffen, um über die Auswirkungen des Handelsstopps zu sprechen. Aus Brüssel kamen in der letzten Woche Zusagen, insbesondere den Erzeugern leicht verderblicher Obst- und Gemüsesorten unter die Arme zu greifen. Letzten Freitag dann gab es von der EU erste Signale, dies auch auf den Käsesektor auszuweiten.
"Der Markt wird einen Preisverfall auffangen", befanden 15 Prozent der Umfrageteilnehmer. Auch DBV-Präsident Rukwied sieht angesichts der global verlaufenden Warenströme bei Agrarprodukten die Möglichkeit, dass sich die Agrarmärkte auf den russischen Importstopp einstellen können. Russland werde gezwungen sein, seine Importdefizite aus anderen Regionen der Welt zu decken. Diese Regionen dann wiederum könnten Waren aus Europa beziehen. Allerdings werde diese Umgestaltung der Märkte eine Zeit in Anspruch nehmen. Trotzdem dürfte für alle Beteiligten die friedliche Beilegung des Konfliktes an erster Stelle stehen.
 
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