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Polizeieinsatz

Umweltaktivisten zertrampeln Äcker am Hambacher Forst

Demonstranten am Hambacher Forst
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Sabine Leopold, agrarheute
am
30.10.2018

Umweltschützer protestieren gegen den Landverlust durch den Kohleabbau − und zerstören dabei Äcker und Wiesen der Umgebung. Als ein ortsansässiger Landwirt seine Flächen schützen will, wird er verhaftet.

Wenn Tausende Umweltretter querfeldein marschieren und sich Gefechte mit der Polizei liefern, tut das der Umwelt nicht gut. Diese Erfahrung musste am Wochenende auch der Indener Landwirt Markus Hemmersbach machen. Seine Äcker liegen in der Nähe des Kohlekraftwerks Weisweiler, das auch im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Abholzung des Hambacher Forstes von sich reden gemacht hat.

Bereits vor einigen Tagen waren Umweltaktivisten über Hemmersbachs Winterweizensaat gezogen − und hatten dabei eine Spur der Zerstörung hinterlassen. Die anrückende Polizei hatte die Demonstranten genau auf dem Acker gestoppt und dabei noch mehr Schaden verursacht.

Als am Sonntag wiederum zahlreiche Mitglieder der "Ende Gelände"-Aktion gegen die Fällung des Hambacher Forsts und gegen weiteren Kohleabbau Richtung Kraftwerk zogen, beschloss der Landwirt, seine Flächen zu schützen.

Polizei sah Traktor als Bedrohung

Mit seinem Traktor fuhr Markus Hemmersbach auf die Demonstranten zu, schreibt der Kölner Express. Ungefähr 20 m vor der Menschenansammlung stoppte der verärgerte Bauer, doch für die ebenfalls anwesenden Polizisten war das bereits zu viel der Bedrohung. Der Landwirt wurde abgeführt und zum Polizeipräsidium Aachen gebracht, wo er bis zum späten Abend festgehalten wurde.

Bei seiner Entlassung gegen 23 Uhr wurde Hemmersbach nach eigenen Aussagen mitgeteilt, dass man wegen versuchten Mordes und versuchter Körperverletzung gegen ihn ermitteln werde. Eine Nachfrage des Kölner Express bei der Staatsanwaltschaft ergab allerdings, dass man von diesen schweren Vorwürfen wohl absehen werde. Gegenwärtig werde geprüft, ob überhaupt eine Straftat vorliege.

Auch, was die Schäden an dem Weizenschlag angeht, scheint noch nicht das letzte Wort gesprochen zu sein. Hemmersbach hat Anzeige erstattet. Und eine Sprecherin von "Ende Gelände" signalisierte Gesprächsbereitschaft. Die Aktionen sollten ihren Aussagen zufolge keinerlei negative Auswirkungen für die ortsansässigen Landwirte haben.

Nachtrag: Auf Anfrage von agrarheute bestätigte "Ende Gelände"-Pressesprecherin Selma Richter, dass das Aktionsbündnis bemüht sei, Schäden an landwirtschaftlichen Flächen möglichst unkompliziert zu entschädigen. Auf der Homepage von "Ende Gelände" heißt es dazu: "Unser Protest richtet sich gegen die klimaschädliche Braunkohle, nicht aber gegen Anwohner*innen, Bauern und Bäuerinnen oder Beschäftigte von RWE! Daher werden wir uns bemühen, alle Schäden an Ackerflächen, die durch Aktivist*innen von Ende Gelände entstehen, angemessen zu entschädigen." Betroffene Landwirte sollen sich unter info@ende-gelaende.org melden, heißt es weiter.

Zugführer verhindert Drama

Dass allerdings nicht nur Anwohner und Landwirte immer öfter unter den Aktionen der Kohlekraftgegner zu leiden haben, zeigt ein weiteres Vorkommnis vom Wochenende.

In der Nähe der Protestcamps hatten sich am Sonntag bei anbrechender Dunkelheit Demonstranten in einem Gleisbett festgekettet. Dem Zugführer einer herannahenden Bahn gelang nur knapp die Notbremsung.

Der Triebwagen sei 10 Meter vor den Angeketteten zum Stehen gekommen, berichtete die Polizei. Der Lokführer erlitt einen Schock.

Berichtigung: Ursprünglich hieß es im Beitrag, die Demonstranten auf dem Acker von Markus Memmersbach seien vom Hambacher Forst gekommen. Das ist falsch, es handelte sich hier um eine andere Protestaktion, die sich direkt gegen das Kraftwerk Weisweiler richten sollte. Wir bitten, den Irrtum zu entschuldigen

Mit Material von Kölner Express

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