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Politik international

UN-Klimachef Yvo de Boer legt sein Amt nieder

von , am
19.02.2010

Amsterdamm/Bonn - Der Chef des Weltklimarates (IPCC), der 55-jährige Niederländer Yvo de Boer, gibt sein Amt nach fast vier Jahren auf.

Yvo de Boer

Laut eigenen Angaben will er zum privaten Beratungsunternehmen KPMG wechseln und dort als internationaler Berater für Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit tätig sein. Außerdem werde er mit einigen Universitäten zusammenarbeiten, sagte de Boer am Donnerstag in Amsterdam.

Während viele der Ansicht sind, dass dies ein schwerer Schlag für den Fortgang der Klimaschutz-Verhandlungen unter dem Dach der Vereinten Nationen sei, bezeichnete Umweltminister Nikolaus Berlakovich den Abgang de Boers als Chance, neu durchzustarten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sei nun gefordert, die Position rasch neu zu besetzen, um die Verunsicherung, die in der Bevölkerung angesichts der fehlenden Ergebnisse des Kopenhagener Gipfels aufgekommen sei, zu nehmen.

Noch kein Nachfolger im Gespräch

Yvo de Boer stand seit September 2006 an der Spitze des UN-Klimasekretariats in Bonn. Er wird zum 1. Juli dieses Jahres sein Amt vorzeitig aufgeben. Sein jetziger Vertrag wäre noch bis zum September gelaufen. Es gab bisher keine Anzeichen, dass er nicht verlängert worden wäre - zumal Ende des Jahres in Mexiko ein weiterer Anlauf zu einer neuen Weltklima-Vereinbarung unternommen werden soll. Namen für einen Nachfolger wurden noch nicht genannt.

Scheitern des Klimagipfels mitverantwortlich für Rücktritt

Mit zu seiner Entscheidung dürfte laut APA auch das Scheitern des Kopenhagener Gipfels beigetragen haben. Bei dem taktierenden Ringen der Staats- und Regierungschefs wurde de Boer in eine ungewohnte Außenseiterrolle abgedrängt. Die politische Konfrontation zwischen den USA und China und der Unmut vieler Länder bestimmte schließlich wesentlich den Ausgang der Verhandlungen. Yvo de Boer hatte im Schulterschluss mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon im Vorfeld auf ein substanzielles Ergebnis gedrängt und immer wieder vor den verheerenden Folgen der fortschreitenden Erderwärmung gewarnt. Besonders die Industriestaaten hätten die Verpflichtung, mehr für den Klimaschutz zu tun und ihre Treibhausgase stärker zu mindern.

De Boer: Es war 'eine schwierige Entscheidung'

Es sei für ihn eine "schwierige Entscheidung" gewesen, erklärte de Boer jetzt. "Aber ich glaube, die Zeit ist reif für mich, eine neue Herausforderung zu übernehmen." Sein Wechsel in die Privatwirtschaft signalisiere auch die Bedeutung dieses Sektors für den Klimaschutz. De Boer wird nun noch die UN-Zwischenkonferenz im Frühjahr in Bonn vorbereiten. Dabei soll die nächste große Konferenz im November/Dezember in Cancun (Mexiko) auf die Schiene gebracht werden. Dort wollen die Verantwortlichen den Faden von Kopenhagen wieder aufnehmen und ein Folgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll verabschieden. Die Aussichten dafür sind nach den Ergebnissen von Kopenhagen ungewiss. (aiz)

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