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Umwelt

UN-Treuhandfonds für Nutzpflanzenvielfalt zieht nach Bonn

von , am
03.01.2013

Bonn - Im ehemaligen Bundestag wird sich künftig der globale Treuhandfonds für Nutztierpflanzen (GTN) mit dem Erhalt alter und seltener Pflanzen beschäftigen.

Nach Angaben der UN-Welternährungsorganisation (FAO) sind in den vergangenen 100 Jahren etwa drei Viertel aller Kulturpflanzen irreversibel verloren gegangen. Der Globale Treuhandfonds für Nutzpflanzenvielfalt (GTN) wird seine Aufgaben künftig von Deutschland aus wahrnehmen, meldet das Bundeslandwirtschaftsministerium.
 
Anfang Januar 2013 nimmt die internationale Organisation ihre Arbeit am neuen Dienstsitz auf - im ehemaligen Bundestag in Bonn. Sie trägt von dort zum dauerhaften Erhalt von Saat- und Pflanzgut einer möglichst großen Vielfalt alter Nutzpflanzensorten bei.

Aigner: Fonds leistet wichtigen Beitrag zum Erhalt alter und seltener Sorten

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner begrüßte den Umzug von Rom an den dauerhaften Standort nach Deutschland: "Der Globale Treuhandfonds für Nutzpflanzenvielfalt stärkt den UN-Standort Bonn mit dem Schwerpunkt nachhaltige Entwicklung. Außerdem leistet der Fonds einen wichtigen Beitrag zum Erhalt möglichst vieler alter und seltener Sorten indem er genetische Muster aufbewahrt und schützt." Das Material wird sowohl in Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt als auch in einem zentralen Sicherheitslager im ewigen Eis von Spitzbergen aufbewahrt. Dort lagern zurzeit etwa 760.000 Muster aus aller Welt.

FAO: Seit 100 Jahren sind drei Viertel aller Kulturpflanzen verloren gegangen

Nach Angaben der UN-Welternährungsorganisation (FAO) sind in den vergangenen 100 Jahren etwa drei Viertel aller Kulturpflanzen irreversibel verloren gegangen. "Diese Entwicklung müssen wir aufhalten. Die Pflanzen- und Sortenvielfalt ist wichtig für unser Ökosystem und ein unschätzbares Erbe. Es bildet heute die Ausgangsbasis für die Anpassung unserer heutigen Nutzpflanzen und Nutztiere an Herausforderungen wie den Klimawandel und eine sichere Ernährungslage in Entwicklungsländern. Viele dieser alten Sorten seien gut angepasst an Standorte mit schwierigen Klimabedingungen", sagte Aigner am vergangenen Freitag.
 
Die Unterstützung des Treuhandfonds für Nutzpflanzenvielfalt sei ein wichtiger Bestandteil des Engagements des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) zur Bewahrung der sogenannten genetischen Ressourcen in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei. Als genetische Ressource werde die in jedem Saatkorn, jeder Knolle oder in jedem Ei gespeicherte Information bezeichnet, die die Grundlage für die Vielfalt der Nutzpflanzen und Nutztiere bilde. Diese Vielfalt sei durch die Züchtung und Auslese vieler Generation von Bauern und Bäuerinnen auf der ganzen Welt entstanden.

Treuhandfonds will 400 Millionen Dollar Stiftungskapital sammeln

Der Globaler Treuhandfonds für Nutzpflanzenvielfalt (Global Crop Diversity Trust) wurde 2004 als international unabhängige, mit den Vereinten Nationen verbundene Organisation nach internationalem Recht gegründet. Bei seiner Arbeit verfolgt er international vereinbarte, wissenschaftlich fundierte Strategien zur Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen. Diese Strategien werden zwischen den Mitgliedsländern und Geberländern des Fonds sowie insbesondere mit dem Internationalen Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft und der FAO-Kommission für genetische Ressourcen abgestimmt.
 
Der Fonds hat sich das Ziel gesetzt, 400 Millionen US Dollar als Stiftungskapital zu sammeln. Deutschland hat bisher mit zehn Millionen US Dollar zu diesem Stiftungskapital beigetragen. Die Organisation war bisher an dem vorläufigen Standort Rom angesiedelt und wird künftig in Deutschland ihren Sitz haben.   

Weitere Informationen unter www.croptrust.org
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