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Tierhaltung

Unbekannte wollen Bauernfamilie mit Postkarten-Aktion diffamieren

Rinder auf einer Postkarte
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Julia Eder, agrarheute
am
15.05.2017

Unter der Fahne von "Sag Nein zu Milch" haben Unbekannte Postkarten verteilt, auf denen ein Familienbetrieb der nicht artgerechten Tierhaltung beschuldigt wird. Wir haben mit der Landwirtsfamilie gesprochen.

In der vergangenen Woche fanden die Einwohner von Neukirchen-Vluyn eine Postkarte in ihrem Briefkasten: Vorne sind Kühe abgebildet, die auf einer Wiese laufen und springen. Auf der Rückseite steht ein Text, der einen Landwirt namentlich anspricht und fordert: "Ihre Kühe [...] sind leider sehr selten auf der Weide. Auch von den Kälbchen [...] ist nie eins zu sehen. Diese Entwicklung ist schrecklich und alles andere als artgerecht."

In Bezug auf das Foto auf der Postkarte heißt es weiterhin: "Kühe wissen ihre Freiheit zu schätzen und dementsprechend leiden sie sehr in Gefangenschaft. Bitte lassen Sie die Tiere auf die Weide!"

Diffamierende Postkarten haben Bezug zur Kampagne „Sag Nein zu Milch“

Ziel dieser Aktion schien zu sein, dass die Anwohner diese Postkarte an den genannten Landwirt schicken. Einziger Hinweis auf eine mögliche Quelle ist die abgedruckte Internetseite www.sagneinzumilch.de. Die Organisatoren dieser Kampagne sind die Tierrechtsbewegungen Animal Rights Watch e.V., die tierbefreier e.V. und Nandu.

Wir haben mit der betroffenen Familie, die anonym bleiben möchte, gesprochen. Erklären können sie sich die Aktion nicht. "Es ist ein ganz komisches Gefühl", berichtet uns die Landwirtin. "Man sieht auf der Straße in die Gesichter und weiß nicht, wer dahintersteckt. Man fühlt sich, als würde man angestarrt, als wäre einem etwas auf die Stirn geschrieben."

Tierrechts-Organisationen bestreiten Beteiligung

Zwei der drei Organisatoren von "Sag Nein zu Milch" bestreiten auf Anfrage von agrarheute, etwas mit der Aktion zu tun zu haben. Zwar stellen diese Organisationen Materialien für die Aktion "Sag Nein zu Milch" zur Verfügung. Die Postkarte sei jedoch nicht darunter.

Sandra Franz, Sprecherin von Animal Rights Watch, könne sich nicht vorstellen, dass Mitglieder ihres Vereins dahinterstecken. "Zum einen sehen wir die Grundproblematik der 'Nutztier'-Haltung nicht durch häufigeren Weidegang gelöst, zum anderen kennen unsere Aktiven die Abläufe in der Milchindustrie und wissen deshalb (anders als offensichtlich die Person, von der die Postkarten stammen) sehr genau, weshalb keine Kälber zu sehen sind." Anonyme Aktionen halte Animal Rights Watch generell nicht für hilfreich.

Ähnlich sieht das auch Steffen Mohr von den "tierbefreiern" und erklärt: "Wir setzen uns nicht für Reformen in der Tierindustrie ein, sondern für die Abschaffung der Tierausbeutung. Als artgerecht sehen wir keine Art der Haltung an. Artgerecht ist nur die Freiheit."

Animal Rights Watch zeigt Verständnis

Allerdings zeigt die Sprecherin von 'tierbefreier' Verständnis für die Aktion: "Wir wissen aus zahlreichen Anfragen von Tierschützerinnen und Tierschützern, dass diese insbesondere in ländlichen Gebieten oft große Angst haben, selbst bei extrem vorsichtiger und konstruktiver Kritik an landwirtschaftlichen Praktiken dauerhaft starkem sozialem Druck ausgesetzt zu werden. Wir würden uns wünschen, dass Landwirte solche Äußerungen nicht mehr als Einmischung in ihre persönlichen Angelegenheiten abtun, sondern sich der gesellschaftlichen Diskussion um die Bedürfnisse und Rechte nichtmenschlicher Tiere ernsthaft stellen."

Ortsbauer: „Es trifft die Falschen“

Der Betrieb befindet sich sehr nahe an der Stadt und wird von anderen Landwirten auch als "City-Bauer" bezeichnet. Ein öffentlicher Wanderweg führt direkt am Hof vorbei. Genau aus diesem Grund ist die Familie um Transparenz, Öffentlichkeitsarbeit und gute Nachbarschaft bemüht: Sie laden Schulklassen und Kindergärten ein, sind in allerlei Vereinen und beispielsweise einer Wasserschutz-Kooperation aktiv und besonders bemüht, niemanden mit landwirtschaftlichen Arbeiten zu stören, wie uns der zuständige Ortsbauer, der auch als Lohnunternehmer für den betroffenen Landwirt arbeitet, bestätigt. Auch er kann sich die Aktion nicht erklären: "Da trifft es wirklich die Falschen."

Beschuldigungen sind haltlos

Als absurd kann man die Postkarten-Aktion auch deshalb bezeichnen, weil die betroffenen Landwirte ihren rund 50 Milchkühen ohnehin Weidegang ermöglicht. "Im Winter waren die Tiere zwar im Stall", so die Landwirtin. "Aber mittlerweile sind sie, wie jedes Jahr, wieder auf der Weide."

Ihr Ziel hat die Aktion jedenfalls erreicht:  Vom ersten Tag an gingen die Postkarten bei der Familie ein - ohne dass sie jemand namentlich unterzeichnet hätte. Zum Teil seien die Postkarten laut der Landwirtin nicht einmal frankiert gewesen. Sie wurden trotzdem zugestellt. Die betroffene Familie hat nun rechtliche Schritte eingeleitet.

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