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Wirtschaft

USDA-Bericht lässt Getreidenotierungen durch die Decke stoßen

Externer Autor ,
am
12.10.2010

Chicago/Paris/Washington - An den internationalen Warenterminbörsen geht es zurzeit sprunghaft auf und ab. Mitverantwortlich ist der jüngste Ernte- und Marktbericht des USDA.

Freitag nachmittags pushte der mit Spannung erwartete jüngste Ernte- und Marktbericht des USDA die Weizen- und Maisnotierungen an der Chicagoer Warenterminbörse CBOT ins Limit up (höchstmöglicher Kursgewinn an einem Handelstag) und ließ die für Europa maßgeblichen Weizen- und Maisfutures an der Pariser Euronext ebenfalls durch die Decke stoßen.

Das Washingtoner Ressort revidierte die Aussichten für die laufende Maisernte der Vereinigten Staaten und die globalen Endlager noch stärker nach unten als ohnehin schon erwartet worden war und nahm auch die Ernteschätzungen sowohl für die USA als auch weltweit neuerlich zurück.

Mais liefert Zündsatz für Abheben der Getreidenotierungen

Auch für den Sojakomplex veröffentlichte das USDA bullishe Versorgungsbilanzen. Den brisantesten Zündsatz für das Abheben der Getreidenotierungen lieferte aber der Mais. Nachdem der für Europa maßgebliche Weizenfutures an der Pariser Euronext zum Liefertermin November 2010 am Montag der vorigen Woche nach 14-tägiger Talfahrt auf ein Zwei-Monats-Tief unter der wichtigen 200-Euro-Marke gefallen war, legte er in einem neuerlichem Auf und Ab bis Donnerstag wieder auf 208 Euro pro Tonne zu, ehe er dann am Freitag endgültig durch die Decke stieß und mit einem Tagesplus von 15,75 Euro pro Tonne bei 223,75 Euro schloss. Auf das Kontrakt-Hoch von 233,75 Euro pro Tonne am 20. September fehlt nun wieder nicht mehr viel, da sich die Notierungsgewinne auch am Monatvormittag fortsetzten.

USDA-Ernte- und Versorgungsbilanzschätzung löst 'Bullenstimmung' aus

Das US-amerikanische Agrarressort korrigierte die etwa zur Hälfte abgeschlossene Maisernte 2010 der Vereinigten Staaten gegenüber dem Vormonat um 12,6 Millionen Tonnen auf 322 Millionen Tonnen nach unten. Bisher enttäuschten die Erträge der Maisernte die US-Farmer und es wird nicht damit gerechnet, dass die späteren Lagen bessere Erträge bringen.

Die zu erwartenden Endbestände an Mais wurden um 20 Prozent auf knapp 23 Millionen Tonnen nach unten revidiert. Damit erreichen die Endbestände der USA nur mehr 6,7 Prozent des nationalen Verbrauchs und liegen weit unter der bei 20 Prozent angesetzten Auslöseschwelle für "Bullenstimmung".

Schlechtere US-Bilanz schlägt sich auf globale Versorgungsbilanz nieder

Auch auf die globale Versorgungsbilanz schlägt sich die schlechtere US-Bilanz mit einem weiteren Abbau der Endbestände nieder. Gegenüber dem Vorjahr werden die globalen Maisbestände zum Ende der Saison um 15,6 Millionen Tonnen geringer eingeschätzt. Auch für die EU nahm das USDA seine Schätzung der Maisernte mit knapp 55 Millionen Tonnen etwas zurück. Ebenso sieht das USDA 2010/11 auch eine global etwas engere Versorgungsbilanz beim Weizen, nachdem die Weltweizenernte gegenüber dem Vormonat um 1,6 Millionen Tonnen kleiner mit 641,4 Millionen Tonnen und der Verbrauch um 2,1 Millionen Tonnen höher ausfallen soll.

Trotz geringerer Ernte: Ergebnisse noch gut über Tief von 2007/08

Damit schätzt das Ressort die weltweiten Endbestände zu Ende der Saison 2010/11 im Monatsabstand um 3,1 Millionen Tonnen geringer bei aber immer noch komfortablen 174,7 Millionen Tonnen ein und merkt an, dieser Wert liege immer noch um 50,2 Millionen Tonnen über dem historischen Tief von 2007/08, das damals die bekannte Preisexplosion und sogenannte Lebensmittelkrise ausgelöst hat. (aiz)

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