Login
Wirtschaft

USDA-Bericht treibt Mais auf Allzeithoch

© Mühlhausen/landpixel
aiz/lid/pd
am
11.04.2011

Chicago/Paris - Der Preis von Mais hat auf dem Weltmarkt einen neuen Höchststand erreicht: Für einen Scheffel musste am Donnerstag an der Börse in Chicago 7,72 US-Dollar bezahlt werden.

Laut Umweltbundesamt sollte Energie nicht aus eigens dafür angebauter Biomasse gewonnen werden. © Mühlhausen/landpixel
Der bullishe Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums USDA, wonach 2010/11 die Endbestände des weltgrößten Maiserzeugers - der Vereinigten Staaten - auf ein 15-Jahres-Tief unter 13 Millionen Tonnen fallen, pushte am Montag und Dienstag vergangener Woche die Maisnotierungen an der Chicagoer Warenterminbörse CBOT auf zwei aufeinanderfolgende Allzeit-Höchststände. Die Vereinigten Staaten produzieren jährlich aktuell 316 Millionen Tonnen Mais - 39 Prozent der globalen Ernte.
 
Die Mais-Rallye zog sowohl an den US-Börsen als auch an der Euronext in Paris die Weizennotierungen mit in die Höhe. Nach einem Fünf-Wochen-Hoch von 256 Euro pro Tonne am Dienstag fiel der Mai-Weizenfutures an der Euronext aber im weiteren Wochenverlauf in sehr abwartendem Handel wieder etwas ab. Die Branche fixierte ihr Interesse auf den am Freitagnachmittag veröffentlichten monatlichen USDA-Report zu den weltweiten agrarischen Angebots- und Verbrauchsschätzungen (WASDE, World Agricultural Supply an Demand Estimates).

Schlechte Bestandsentwicklung beim Hard Red Winter in den USA

Die Annäherung der US-Maisnotierungen an die Weizennotierungen bremst die Nachfrage nach Mais und verstärkt die nach Weizen als alternatives Futtergetreide. Die US-Weizennotierungen werden auch von weiteren fundamentalen Daten gestützt. Der vergangene Woche veröffentlichte Crop Report des USDA - die wöchentliche Bonitierung der Bestandsentwicklung im Ackerbau der USA - wies nämlich wegen der anhaltenden Trockenheit in den südlichen Plains sehr schlechte Werte insbesondere für den Hard Red Winter-Weizen (HRW) aus. Der HRW ist mit unserem Mahl- und Qualitätsweizen vergleichbar. Für den South Red Winter (SRW) sieht es laut USDA besser aus.
 
Der Crop Report bewertet über alle 18 US-Bundesstaaten mit namhaften Winterweizenanbau
  • 13 Prozent der Bestände als sehr schlecht,
  • 19 Prozent als schlecht,
  • 31 Prozent als mittelmäßig,
  • 30 Prozent als gut und
  • nur sieben Prozent als sehr gut.
Zum Vergleich im Vorjahr waren nur
  • ein Prozent sehr schlecht,
  • fünf Prozent schlecht und
  • 29 Prozent mittelmäßig, dafür aber
  • 52 Prozent gut und
  • 13 Prozent sehr gut.

HRW of Trade

Besonders krass fallen die schlechten Noten in den HRW-Kerngebieten aus: In Texas gelten 31 Prozent als sehr schlecht und 30 Prozent als schlecht, in Oklahoma sind es 22 Prozent beziehungsweise 31 Prozent und in Kansas etwa 13 Prozent und 27 Prozent. HRW wird an der Kansas City Board of Trade gehandelt. Dort legten die Schlusskurse des HRW-Futures am Montag und Dienstag gegenüber der Vorwoche um bis zu 4,8 Prozent zu, während es für den an der Chicagoer CBOT gehandelten SRW-Futures immerhin auch noch bis zu vier Prozent waren.
HRW ist der Brotweizen der Great Plains, der trockenen Ebenen auf den ehemaligen Präriegründen östlich der Rocky Mountains von den kanadischen Provinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba im Norden bis nach Texas im Süden, sowie auch westlich der Rockys in Kalifornien. Mit rund 40 Prozent Anteil an den Weizenexporten der USA wird HRW vornehmlich über den Golf von Mexiko und den Pazifik verschifft.
 
Besser sieht es dagegen für den South Red Winter (SRW) aus. SRW ist ein ertragreicher Weizen geringen Proteingehalts, vergleichbar mit schwachen europäischen Backweizen. Er wird hauptsächlich im Osten der USA angebaut und in großen Mengen via Golf von Mexiko, Atlantikhäfen und Große Seen in alle Welt verschifft.

Westeuropa: Trockenheit bringt Sorgenfalten

Auch in Westeuropa - insbesondere in England, Frankreich und Deutschland - werfen Trockenheit und Temperaturen über 20 Grad Celsius Sorgenfalten auf den Stirnen der Ackerbauern auf und wirken befestigend auf die Weizennotierungen. Bremsend macht sich dagegen die Stärke des Euro mit einem 15-Monate-Hoch gegenüber dem US-Dollar für die Wettbewerbsfähigkeit europäischen Weizens am Weltmarkt bemerkbar. Laut EU-Kommission vergab sie in der abgelaufenen Berichtswoche Exportlizenzen für 286.000 Tonnen Weichweizen, nachdem es in der Vorwoche noch 480.000 Tonnen gewesen waren.
 
Die gegenüber dem US-Mitbewerb weniger konkurrenzfähigen EU-Weizenpreise haben aber auch den Sinn, den Export aus Europa zu rationieren, da die Versorgung derart eng ist, dass der Anschluss an die neue Ernte kaum zu bewerkstelligen scheint.
 
Die EU exportierte in den 40 Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres 2010/11 bisher 15,7 Millionen Tonnen Weichweizen nach 13,7 Millionen Tonnen im Vergleichszeitraum 2009/10. Die USA brachten es in der Vorwoche auf 458.000 Tonnen Weizenexport (plus 69 Prozent gegenüber der Woche zuvor) und auf 619.600 Tonnen Maisausfuhren - jeweils aus der Ernte 2010. Die US-Maisverkäufe auf den Weltmarkt gingen damit im Wochenabstand um 68 Prozent zurück - ähnlich wie beim Weizen in der EU scheint der hohe Preis in den USA die Maisausfuhren zu rationieren.

Ukraine schreibt Exportkontingente aus - Russland stoppt Interventionsverkäufe

Das ukrainische Parlament in Kiew hat der Regierung am Freitag grünes Licht gegeben, die bis Ende Juni verlängerten Getreideexportquoten im Auktionsverfahren auszuschreiben. Bisher vergab die Regierung die Quoten ohne Ausschreibung und das Verfahren wurde als unfair und intransparent kritisiert. Die Einführung der Quoten vom Oktober 2010 verringerte den Getreideexport in den ersten acht Monaten des Wirtschaftsjahres auf 8,1 Millionen Tonnen nach rund 17 Millionen Tonnen im Vergleichszeitraum 2009/10. Sollte die Ernte 2011 ausreichende Erträge bringen, wolle man den Export wieder völlig liberalisieren, sagte die Regierung.
 
Ein hochrangiger Beamter des Landwirtschaftsministeriums schätzte kürzlich die kommende Ernte auf 43 Millionen Tonnen bei einem Eigenverbrauch des Landes von 26 Millionen Tonnen. Dürre hatte 2010 zu einer Missernte in der Ex-Sowjetrepublik von enttäuschenden 39,2 Millionen Tonnen Getreide und Mais geführt, nachdem man 2009 noch 46 Millionen Tonnen eingefahren hatte.

Vergangene Woche setzte Russland die Interventionsverkäufe von Getreide für seinen Binnenmarkt aus, weil die Nachfrage nachgelassen und die Preise sich abgekühlt hätten. Dagegen soll die Lieferung von Getreide aus den von der Afrikanischen Schweinepest (ASP) betroffenen Regionen in die anderen Landesteile erleichtert werden.

USA: Budgetstreit gefährdet wöchentlichen Crop Reports

Der Budgetstreit in den USA sowie zu erwartende Etatkürzungen könnten das Ende der wöchentlichen Crop Reports bringen. Der Markt sieht diese Bonitierungen allerdings als wichtige Orientierungshilfe. Es heißt, würde das USDA diese Berichte einstellen, würde man das Feld dann einigen wenigen großen Getreidehandelskonzernen überlassen.
 
Dies würde auch der Initiative Frankreichs in der G-20-Gruppe nach einer stärkeren Regulierung der agrarischen Terminmärkte und vor allem für mehr Marktransparenz durch das Zurverfügungstellen objektiver Marktdaten zuwiderlaufen. Frankreichs Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire präzisierte kürzlich, die Initiative seines Landes laufe keinesfalls auf eine globale Preisregulierung hinaus. Sie solle lediglich die extreme Volatilität - er nannte konkret den Preissprung beim Weizen von 115 auf EUR 300 Euro von August bis Dezember 2010 - durch mehr Markttransparenz bremsen.
 
Diese Aussage brachte nun den ursprünglich ablehnend reagierenden Agrargiganten Brasilien ins Boot der Unterstützer Frankreichs. "Wir stimmen exakt überein, nachdem der französische Vorschlag ursprünglich einschließlich uns von einigen Produzentenländern wie auch Argentinien und USA missinterpretiert worden war, als enthalte er eine Preiskontrollkomponente", sagte Brasiliens Landwirtschaftsminister Wagner Rossi laut Reuters am Donnerstag in Brasilia nach einem Treffen mit Le Maire. Brasilien stimme aber jetzt darin überein, Maßnahmen gegen Finanzspekulation auf den Agrarmärkten zu setzen.
 
Eine am Donnerstag veröffentlichte Studie im Auftrag der deutschen Welthungerhilfe kam jüngst zu dem Schluss, dass das Engagement von branchenfremden Kapitalanlegern von 2007 und 2009 im Schnitt für zusätzliche Preissteigerungen von bis zu 15 Prozent bei Weizen, Mais, Reis sowie Soja verantwortlich gewesen sei.  
Auch interessant