Login
Kommentar

Vegane Burger bei Lidl ausverkauft

Veggieburger
am
31.05.2019
(Kommentar verfassen)

Ruckzuck waren sie ausverkauft: die veganen "Beyond Meat"-Burger bei Lidl. Der Discounter und vegane Verbände waren begeistert von der Nachfrage. Aber heißt das wirklich, künftig wird in Deutschland fleischlos gegrillt? Ein Kommentar.

Nach wenigen Stunden gab's ihn schon nicht mehr. Der medienwirksam angekündigte vegane Burger der Marke "Beyond Meat", den Lidl Mitte dieser Woche probeweise in sein Sortiment aufgenommen hatte, verkaufte sich tatsächlich rasend schnell. Der Discounter selbst war stolz auf die gelungene PR-Aktion. Und die vegane Kundschaft forderte flugs eine Aufnahme des Produkts in das Standardsortiment.

Schelte gab's allerdings auch: Lidl habe den Veggieburger-Start "verkackt", weil die Nachfrage nicht annähernd gedeckt werden konnte, schreibt ein User auf Twitter. Andere hauen in dieselbe Kerbe: zu zaghaft geplant, mies organisiert, schon beim Start abgewürgt. Also alles falsch gemacht?

Kalkulierte Knappheit

Mitnichten. Tatsächlich scheint zwar Lidl nur mit wenigen Veggieburgern und auch nicht in jeder Filiale am Start gewesen zu sein. Mitarbeiter berichten in den sozialen Medien, bereits bei der morgendlichen Öffnung hätten einige Dutzend Käufer die Märkte gestürmt und die Kühltruhen leergeräumt. Danach gab's nur noch lange Gesichter und Zorn auf den Anbieter.

Aber was kann dem Discounter denn Besseres passieren als diese "Fehlplanung", die scheinbar beweist, dass das Interesse an Veggieprodukten in Lidl-Filialen riesig ist? Nichts verbreitet sich im Netz schneller als Beschwerden. Und in jeder stehen die Hashtags #Lidl, #BeyondMeat und #vegan.

Grillen die Deutschen bald vegan?

Lidl wird – nach anderen Einzelhandelsketten – vegane Burger ins Dauersortiment aufnehmen. Dessen darf man wohl sicher sein.

Der riesige Optimismus hinsichtlich der künftigen Grillgewohnheiten der Deutschen, der vor allem von veganen und grünen Usern in den sozialen Medien verbreitet wird, könnte aber trotzdem verfrüht sein.

Konzertierter Ansturm

Zunächst einmal gab es im Vorfeld des Erstverkaufs auf Twitter, Facebook und Co. mehrfache Aufrufe, Lidl eine enorme Nachfrage nach den Veggieburgern durch raschen Aufkauf der Bestände zu beweisen. Und genau das hatte der Discounter wohl auch im Auge, als er mit einer großen PR-Aktion auf den Probecharakter der Beyond Meat-Listung hinwies.

Aus Sicht der Fans des veganen Bratlings ist dieser Aufruf zur Kaufaktion übrigens durchaus zu verstehen. Ich kaufe seit Jahren in meinem Stammsupermarkt regelmäßig und in größerer Menge eine bestimmte Sorte Ziegenkäse und hoffe, dass der sie dank meines Zuspruchs nicht auslistet. Jeder hat Lieblingsprodukte und es spricht für Lidl, offen für neue Geschmäcker und Bedürfnisse zu sein.

Neugier beim ersten Kauf

Das Ziel, vegane Kundschaft in die Lidl-Märkte zu locken, hat also zunächst funktioniert. Ob das zum Dauerzustand wird, kann nur die Zeit beantworten.

Ein anderer Effekt aber wird mit Sicherheit schnell verpuffen: Viele Käufer des veganen Burgers dürften nur aus Neugier zugegriffen haben. Das war auch bei den ersten veganen Wurstprodukten so. Die Erzeugnisse werden beworben mit ihrem Geschmack und ihrer Konsistenz, die angeblich von Fleisch kaum zu unterscheiden seien. Das will der Kunde testen. Und es spricht ja durchaus für den angeblich so konservativen deutschen Verbraucher, dass er sich selber ein Bild macht von einem neuen Angebot. Der Beyond Meat-Burger imitiert mit Erbspüree Hackfleischkonsistenz, bietet ein veritables Raucharoma und "blutet" dank Rote-Bete-Saft. Warum sollte man nicht testen, ob die Versprechungen des Herstellers taugen?

Zutaten und Preis dürften bremsen

Nach der ersten Neugier wird sich mancher allerdings fragen, ob er eine Zutatenliste wie aus der Chemiefabrik möchte. 39 Ingredienzen listet der Hersteller für seinen Veggieburger – von pflanzlichen Aromastoffen über Hefeextrakt, Eisenphosphat und Methylzellulose bis hin zum unvermeidlichen Palmöl.

Und auch der Preis der veganen Fleischeslust wird manchem den dauerhaften Appetit verderben: Rund fünf Euro für den Doppelpack, also 2,50 Euro für einen Bratling von knapp 115 g – Brötchen, (veganer) Käse, Gemüse und Soße noch nicht mitgerechnet. Das sind schon stolze Summen. Wer also nicht streng vegan lebt, dürfte sich möglicherweise schnell wieder ans Original erinnern. Bei der veganen Wurst war es so.

Aber vielleicht bleibt ja bei manchem Kunden die enorme Preisdifferenz im Hinterkopf, bis er das nächste Mal an der echten Fleischtheke die Wahl zwischen Supersonderangebot und qualitätsgesicherten Herkunftserzeugnissen hat. Dann dient der fleischlose Bratklops unter Umständen sogar nachträglich auf ganz unerwartete Weise dem Tierwohl – indem er ein bisschen mehr Bewusstsein für anständige Fleischpreise schafft.

Das agrarheute Magazin
Aktuelles Heft September 2019
Schnupper-Angebot Alle Aboangebote

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...
Auch interessant