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Lifestyle

Vegetarier, Frutarier, ... - Wer isst was?

agri EXPERTS/Bernadette Schweiger/agrarheute
am
17.12.2015

Wer isst eigentlich was? Neben Vegetariern gibt es mittlerweile viele andere Ernährungsstile wie zum Beispiel freegan. Hier kommt ein Überblick.

In den sogenannten Szene-Vierteln deutscher Großstädte wird in Lokalen seit einiger Zeit verstärkt für laktose- oder glutenfreie Angebote geworben, oft gibt es auch eine eigene Vegetarier-Karte. Die gebürtige Schwäbin und Wahlberlinerin Bärbel Stolz macht sich als "Prenzlschwäbin" mit Kollegen in ihrem Video "Food Porn" über diesen Trend lustig. "Excuse me, do you have a Flexitarien- Menu?", heißt es da etwa. Der Clip setzt da ein, wo viele am liebsten aussteigen würden. Denn: Wer kennt sich überhaupt noch aus mit den Begrifflichkeiten - was isst ein Frutarier, was ein Vegetarier oder Veganer? Und wie definiert sich ein Flexitarier oder Freeganer? agriEXPERTS hat eine Übersicht der verschiedenen Ernährungsstile gemacht:

Vegetarier

Ihn gibt es am längsten - schon im 19. Jahrhundert tauchte der Begriff auf, allerdings noch in der Langform "Vegetarianer". Alle anderen Untergruppen stammen von ihm ab. Der Vegetarier isst kein Fleisch, kein Fisch und keine Meeresfrüchte. Allerdings nimmt er Produkte zu sich, die vom Tier stammen, also Milch, Eier oder Honig sowie daraus hergestellte Lebensmittel. Soweit, so einfach.

Komplizierter wird‘s aber schon bei sogenannten Ovo-Vegetariern - sie essen Eier, nehmen aber keine Milch zu sich - und Lakto- Vegetariern, die neben Fleisch und Fisch auch Eier verschmähen. Pescetarier erlauben sich Fisch auf dem Teller.

Veganer

"Veganismus" ist auch noch recht geläufig - er beschreibt sowohl eine Ernährungs- als auch eine Lebensweise. Veganer verzichten neben dem Verzehr von Fleisch und Fisch oder tierischen Produkten wie Eier und Honig sowie daraus gewonnene Produkte, wie etwa Aromastoffe aus Molke, auch auf Dinge des täglichen Lebens, die aus Tieren gemacht wurden. Lederschuhe, Wollpullover, Seidenwäsche oder Decken aus Daunen kommen dem Veganer nicht ins Haus.

Frutarier

Dem Frutarier geht der Veganer noch nicht weit genug. Er will nicht nur, dass keine Tiere, sondern auch, dass keine Pflanzen seinetwegen "leiden" müssen. Er isst deshalb wie der Veganer nichts Tierisches. Zudem nimmt er ausschließlich Produkte zu sich, deren Gewinnung eine Pflanze nicht schädigt. Das können zum Beispiel Äpfel, Nüsse oder Samen sein. Nicht ganz konsequent: Einige Frutarier akzeptieren Honig auf dem Speiseplan.

Flexitarier

Der Flexitarier ist sozusagen ein ab-und-zu-Vegetarier. Dann und wann erlaubt er sich ein Stück Fisch oder Fleisch. Flexitarismus hat weniger etwas mit einer Lebenseinstellung zu tun - den Anhängern geht es nicht um den Erhalt der Tierwelt - als mit einer vermeintlich gesunden Ernährungsweise. Richtig konsequent ist der Flexitarier also nicht.

Freeganer

Bei einem Wort mit der Endung "-gan"denkt man eigentlich sofort an eine Essensbeschränkung. Das ist bei Freeganern allerdings nicht der Fall. Bei ihnen darf alles auf den Teller, allerdings sind sie Aktivisten, die gegen das Leben im Überfluss ein Zeichen setzen wollen. Sie gehen "containern", beziehen ihre Lebensmittel oft aus dem Abfall von Supermärkten. Meist entspringt Freeganismus keinem wirtschaftlichen Zwang, viele Anhänger entstammen der Mittelschicht, mit ihrer Haltung wollen sie vielmehr Konsumkritik üben.

Rohköstler

Auch diese Ernährungsform ist grundsätzlich offen für alle Lebensmittelarten, aber die Produkte dürfen bei der Verarbeitung auf nicht mehr als 40 Grad erhitzt werden. So sollen Vitamine und Enzyme erhalten bleiben. Gekochte und gebratene Nahrung halten Rohköstler für ungesund.

Puddingvegetarier

Dass nicht alle Vegetarier Wert auf gesunde Ernährung legen, zeigt diese Untergruppe. Puddingvegetarier essen zwar kein Fleisch, aber nur, damit kein Tier zu Schaden kommt. Sie achten nicht auf Vitamine oder Ballaststoffe und nehmen viele Süßigkeiten oder Fertiggerichte zu sich.

Fazit

Egal ob Vegetarier, Flexitarier oder Rohköstler: Erkennbar ist ein Trend zum Fleischverzicht. Aktuell liegt der Anteil der Vegetarier laut Vegetarierbund Deutschland bei rund 10 Prozent. Nach einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg ernährten sich 1983 nur etwa 0,6 % der Bevölkerung vegetarisch. Das heißt, die Zahl hat sich in 20 Jahren mehr als verzehnfacht. Und ist dennoch immer noch nicht sehr hoch. In Indien etwa leben rund 40 Prozent der Bevölkerung fleischlos.

Woher kommt es dann, dass der gefühlte Anteil hierzulande höher liegt? Die Erklärung liegt in der Altersstruktur der Vegetarier. Rund 40 Prozent von ihnen sind zwischen 20 und 29 Jahren alt, sie sind im Internet aktiv und gut vernetzt, was in der Wahrnehmung dazu führt, dass der Anteil der Menschen, die auf Fleisch verzichten, oft höher eingeschätzt wird.

 

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