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Ernährung und Gesundheit

Verbraucher kann mehr fürs Klima tun als der Bauer

Externer Autor
am
28.10.2009

Berlin - Regional erzeugte Lebensmittel sind nicht allein deswegen ökologisch vorteilhaft, weil sie regional angebaut werden. Das geht aus einer Studie hervor, in dem Kopfsalat, Äpfel, Rindfleisch, Brot, Bier und Milch begutachtet werden.

Werde Kopfsalat im Winter aus Spanien eingeführt, habe er eine bessere Klimagas- und Energiebilanz als ein regional im beheizten Gewächshaus produzierter Kopfsalat. Die wichtigste Einflussgröße für ökologisch orientiertes Einkaufen ist laut der ifeu-Untersuchung in jedem Fall der Konsument selbst. Sein Einkaufs- und Konsumverhalten entschieden maßgeblich über den ökologischen Rucksack der Lebensmittel.

Fahre der Verbraucher zum Kauf des Lebensmittels ausschließlich mit dem Auto, spiele die eigentliche Produktion der Erzeugnisse nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Vorteile einer ökologisch sinnvollen Produktion würden damit wieder zunichte gemacht. Deutlich vorteilhafter seien Großeinkäufe mit reduzierten Fahrtwegen, betonte das ifeu.

Ökovorteile für industriell hergestelltes Brot

Klar im Vorteil sieht das ifeu-Institut Äpfel aus Deutschland, wenn es um die Ökobilanz gegenüber importierter Ware geht. Dabei schneiden regional vermarktete Äpfel von Streuobstwiesen mit Abstand am besten ab. Aber auch deutsche Plantagenäpfel sind laut der Studie trotz der notwendigen Kühl-Lagerung immer noch klimafreundlicher als importierte Äpfel, beispielsweise aus Neuseeland. Bei der Milch sieht das Institut unter Klima- und Energieaspekten ebenfalls Vorteile für die regional produzierte Ware. Dabei schneidet die per Lieferservice vertriebene, sogenannte Vorzugsmilch, die nur filtriert und verpackt wird, am besten ab.

Auch die Verpackung ist für das Ergebnis von Bedeutung

Der Polyethylen-Schlauch ist laut der Studie günstiger als der Getränkekarton. Die Schläuche verschwinden aufgrund der schwachen Nachfrage allerdings zusehends vom Markt. Anders sieht die Bilanz des ifeu beim Brot aus. "Industriell hergestelltes Brot hat die geringsten negativen Auswirkungen auf das Klima und den Verbrauch fossiler Energieträger, da der Backprozess in großen Backfabriken deutlich energieeffizienter ist als in kleineren Bäckereien", heißt es in der Studie. Daran änderten auch längere Transportwege über Land nichts Wesentliches.

Sympathien für verstärkte Kennzeichnung

Beim Rindfleisch sind die Ergebnisse der Studie so komplex, dass das ifeu keine klaren Kaufempfehlungen an den Verbraucher ausspricht. Die Klimabilanz hänge von vielen einzelnen Randbedingungen ab, beispielsweise der Haltungsform oder Fütterung der Tiere. So sei argentinisches Rindfleisch aus reinem Weidebetrieb trotz des erhöhten Zwischenlager- und Transportaufwands günstiger als in Deutschland regional produziertes Rindfleisch aus reinem Mastbetrieb.

Keine klaren Kaufempfehlungen beim Rindfleisch

Würden hingegen in Argentinien neue Weiden für die Tierhaltung erschlossen und die Rinder mit deutschen verglichen, die zumindest im Sommer auf der Weide gehalten würden, so schneide das deutsche Rindfleisch günstiger ab. "Ohne weitere Informationen über die konkreten Produktionsbedingungen des Rindfleischs hat der Verbraucher heute leider noch keine Möglichkeit, die Umweltqualität des angebotenen Rindfleischs einschätzen zu können", heißt es in der Studie. Hier könnte ein Produktlabel hilfreich sein. (AgE)

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