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Nutztierschäden richtig melden und dokumentieren

Verdacht auf Wolfsriss: Was ist zu tun?

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am Sonntag, 11.07.2021 - 04:00 (1 Kommentar)

Die Wolfspopulation in Deutschland nimmt weiter zu. Nutztierhalter finden immer häufiger gerissenes Vieh auf ihren Weiden. Wir sagen Ihnen, was Sie tun müssen, wenn es Ihre Tiere trifft. Bundeslandspezifische Hinweise zum Wolf sowie Kontaktinformationen zu Ihrem Wolfsberater finden Sie in unserer interaktiven Karte.

Seit dem Jahr 2000 gilt der Wolf als wieder heimisch in Deutschland. Die Begeisterung der Tierschützer teilen viele Landwirte nicht. Anfängliche Besorgnis weicht wachsendem Frust, denn der Wolf unter Schutz, erobert sich seinen Lebensraum schnell zurück und zeigt sich immer häufiger auch am Weidezaun. 

Auf Basis von DBBW-Zahlen hat agrarheute eine bundesdeutsche Wolfspopulation von über 1.100 Tieren im Jahr 2019/20 errechnet. Die Wolfsbestandsdichte pro 100 km² liegt damit in Deutschland fast so hoch wie in Alaska (0,33 Tiere verglichen mit 0,46).

In Brandenburg, dem Bundesland mit den meisten Wölfen, ist sie sogar schon höher als in Rumänien, dem Spitzenreiter in der EU (1,33 Tiere pro 100 km2 verglichen mit 1,17 im osteuropäischen Land).

Ganz unabhängig von der emotionalen Belastung, vor die ein Wolfsriss die betroffenen Tierhalter stellt, gibt es auch rechtliche Aspekte, die sie beachten müssen. Wie Sie einen vermutenden Wolfsschaden richtig melden und dokumentieren, lesen Sie im Folgenden. 

Schritt 1: Fall der Wolfsstelle melden

Informieren Sie unverzüglich (spätestens innerhalb 24 Stunden) nach auffinden des gerissenen Tieres die zuständige Wolfsstelle in Ihrem Bundesland (die Telefonnummern finden Sie in der digitalen agrarheute Juli/2021 unter www.digitalmagazin.de). Informieren Sie außerdem bei verletzten Tieren den Tierarzt. Wenn möglich sollte vor der Behandlung ein DNA-Abstrich genommen werden. Falls es die Situation zulässt, ist es hilfreich, wenn Sie Fotos von der Situation und der Lage der verletzen Tiere auf der Fläche machen.

Schritt 2: Fundstelle richtig sichern

Verändern Sie nichts am Fundort und achten Sie darauf, dass keine Hunde oder andern Tiere auf die Weide oder an die toten Tierkörper gehen, damit die toten oder verletzten Tierkörper nicht durch die DNA der Hunde kontaminiert werden. Decken Sie zudem alle Spuren und den Kadaver mit einer Plane und Eimern ab um die Spuren vor Witterung zu schützen.

Schritt 3: Rissbegutachtung durch Wolfsberater

Ein von der Wolfsstelle beauftragter Rissgutachter oder Wolfsbeauftragter kommt und nimmt die Situation vor Ort auf. Dabei führt er ein Rissprotokoll und nimmt ggf. Proben für die genetische Untersuchung. Zudem begutachtet er den Zaun und alle Spuren vor Ort. Auch beim Rissgutachten werden Fotos gemacht. Die Kosten für die Rissbegutachtung trägt das jeweiligen Bundesland und ist somit für den Landwirt kostenlos.

Schritt 4: Schutz der Herde vor neuem Wolfsangriff

Nach Absprache sollte die Herde am Abend in Sicherheit gebracht werden. Entweder in den Stall oder auf eine eingezäunte Weide mit entsprechendem Grundschutz. In machen Bundesländern stehen dafür auch "Wolf-Notfallset" für die Einzäunung zur Verfügung. Informationen dazu bekommen Sie von Ihrem jeweiligen Wolfsberater.

Schritt 5: Wolf oder nicht? Ergebnis der DNA-Untersuchung

Das Ergebnis der Rissbegutachtung und der DNA-Untersuchung wird dem Landwirt schriftlich übermittelt. Wenn der Wolf als Verursacher nicht ausgeschlossen werden kann, kann ein Antrag auf Ausgleichszahlung gestellt werden. Die passenden Unterlagen bekommen Sie von Ihrem Ansprechpartner. In ausgewiesenen Wolfsgebieten ist nach einer 6-monatigen Übergangsfrist ein wolfsabweisender Grundschutz Voraussetzung für eine Entschädigung.

Der Wolf in Deutschland: Hier finden Sie Wolfsberater für Ihr Bundesland

Je nachdem, in welchen Bundesland Sie leben, ist die Vorgehensweise bei einem Verdacht auf Wolfsriss unterschiedlich. In unserer interaktiven Grafik finden Sie die richtige Telefonnummer Ihres Wolfsberaters vor Ort und weitere nützliche Informationen.

   
           

Digitale Ausgabe agrarheute

In unserer digitalen Ausgabe finden Sie eine Checkliste zum richtigen Vorgehen bei einem Wolfsriss.
 

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