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Umwelt

Versuch zum Handel mit Flächenzertifikaten gestartet

von , am
17.09.2013

Um dem Flächenverbrauch Einhalt zu gebieten, schlagen Experten die Einführung von Flächenzertifikaten für Kommunen vor. Heute startet ein bundesweiter Modellversuch.

Flächenverbrauch: Zwischen 2008 und 2011 wurden in Deutschland 81 Hektar pro Tag für die Bebauung freigegeben. © Mühlhausen/landpixel
Ein Handel mit Flächenzertifikaten soll dem fortschreitenden Flächenverbrauch entgegenwirken, so die Auffassung vieler Fachleute. Den Kommunen sollen dabei Flächenausweisungsrechte in Form von Zertifikaten kostenlos zugeteilt. Diese benötigen sie, um außerhalb der Städte neue Fläche für die Bebauung auszuweisen. Wer nicht genug Zertifikate hat, muss sie von anderen Kommunen, die nicht im Außenbereich bauen wollen und Zertifikate übrig haben, kaufen. Die Fläche, die für Bauland im Außenbereich zur Verfügung steht, soll so von vornherein begrenzt sein.
 
Heute am 16. September startet dazu ein bundesweiter Modellversuch, das "Planspiel Flächenhandel".
  • Flächenverbrauch: 30 Hektar pro Tag (10.4.2013) ...
  • Rückenwind für DBV-Flächenpetition (21.03.2013) ...

Zertifikatehandel bringt Vorteile

Die Begrenzung des Baulandes auf der "Grünen Wiese" soll sich auch positiv auf die Innenstädte auswirken und Stadtzentren wieder attraktiver für die dort wohnenden Menschen sowie Handel und Gewerbe machen. Für die Kommunen kann sich bei sparsamen Wirtschaften der Handel mit den Zertifikaten lohnen, weil sie dann Geld einnehmen können, um zum Beispiel Flächenrecycling oder Energiesparmaßnahmen zu finanzieren. Der Modellversuch ist nun in der ersten Phase mit 15 Kommunen gestartet. Das sind: Dessau-Roßlau, Mönchengladbach, Bad Säckingen, Ostfildern, Esslingen am Neckar, Ludwigsburg, Rendsburg, Büdelsdorf, Schacht-Audorf, Osterrönfeld, Hoya, Warpe, Hassel, Meerane und die Stadt Spremberg.
 

Kommunen signalisieren Interesse

Nach der Startphase können noch weitere 50 bis 100 Kommunen an dem "Planspiel Flächenhandel" teilnehmen. Etliche haben bereits ihr Interesse signalisiert. Sie erhalten neben einer Aufwandsentschädigung Unterstützung bei der Erfassung ihrer städtebaulichen Entwicklungspotenziale sowie beim Erstellen von Kosten-Nutzen-Analysen. Das Projektkonsortium "Planspiel Flächenhandel", das den Modellversuch durchführt, hilft außerdem bei der Beantragung von weiteren Fördergeldern. Der Zertifikate-Rechner auf der Projekt-Website www.flaechenhandel.de gibt darüber Auskunft, wie sich die Situation jeder deutschen Kommune in einem Flächenhandelssystem darstellt.
 

Hintergrund: 30-ha-Ziel erreichen

"Auch elf Jahre nach der Verabschiedung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung sind wir noch weit davon entfernt, unser Ziel zur Verminderung des Flächenverbrauchs zu erreichen.", erklärt Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA). Die Bundesregierung hat 2002 die Begrenzung von täglich nicht mehr als 30 Hektar zusätzliche Siedlungs- und Verkehrsfläche bis zum Jahr 2020 ausgerufen. Dennoch wurden in Deutschland im Erhebungszeitraum 2008 bis 2011 immer noch 81 Hektar pro Tag für die Bebauung freigegeben.
 
Viele Fachleute in Deutschland sehen im Handel mit Flächenzertifikaten ein wirksames Instrument, um das 30-ha-Ziel zuverlässig und treffsicher einzuhalten. Allerdings gibt es auch noch viele Fragen, wie ein solcher Handelsmechanismus genau gestaltet sein sollte. Deshalb haben die Koalitionsparteien der Bundesregierung vor vier Jahren im Koalitionsvertrag beschlossen, den Handel mit Flächenzertifikaten zunächst bundesweit gemeinsam mit den Kommunen im Modellversuch zu erproben.
 
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