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Hintergründe

Verurteilung von Lampe: Briefkastenfirma, Beraterhonorare, Schmiergelder

Sabine Hildebrandt LAND & Forst / af
am
17.02.2016

Der ehemalige Vorsitzende des Landvolks Diepholz, Lothar Lampe wurde wegen Untreue verurteilt. Sabine Hildebrandt von der LAND & FORST berichtet über die Hintergründe.

Gestern haben wir auf agrarheute über die Verurteilung von Lothar Lampe, dem ehemaligen Vorsitzenden des Landvolks Diepholz, wegen Untreue berichtet. Er muss rund 7,5 Mio. Euro an die Landvolk-Dienstleistungs GmbH zurückzahlen. Sabine Hildebrandt von der LAND & Forst kennt die genauen Hintergründe.

Rückblick

Im Juni 2013 wurden erstmals Vorwürfe laut, dass Lampe in seiner Funktion als Geschäftsführer der Landvolk Dienstleistungs GmbH Geld bei der Errichtung von Windparks veruntreut haben soll. Zunächst war nur von einer Million Euro die Rede. Ziemlich schnell stellte sich aber heraus, dass Lampe mit der Projekt- und Betreibergesellschaft Westwind mehr verband, als eine einfache Geschäftsbeziehung. „Lampe kassierte immer doppelt“, beschrieb ein Prozessbeobachter das Vorgehen. Zum einen verhandelte er mit Westwind den Windpark-Rahmenvertrag. Dabei flossen enorme Beraterhonorare von über 2,4 Mio. Euro. Zum anderen sicherte er sich selbst großzügige Anteile an den begehrten Windparks und profitierte von den Ausschüttungen.

Schmiergelder sind geflossen

Im Laufe der Jahre – Lampe war von 2001 bis 2012 Geschäftsführer – baute er gemeinsam mit dem ehemaligen Landvolk-Geschäftsführer Wilhelm Bergmann und Steuerberater Johann-Lüken Gerdes ein kompliziertes Geflecht auf. Um das zu durchschauen mussten mehr als 10.000 Seiten Akten durchforstet werden. Gemeinsam gehörte dem Trio zum Beispiel die Briefkastenfirma „Rotstein“, die vom Gericht als „Strohmanngesellschaft“ bewertet wird. „Beraterhonorare in Höhe von 2,75 Mio. Euro sind aufgrund von Scheinrechnungen geflossen und stellten tatsächlich Schmiergeldzahlungen dar“, heißt es in der Pressemitteilung des Landgerichts. „Rotstein“ trat auch als Betreiber von Windparks auf, ohne die vereinbarte Beteiligung des Landvolks einzuhalten.

Überdimensionierte Spendengelder

Der Prozess erregte überregional Aufsehen, als Dr. Helmut Born, ehemaliger Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, vor dem Gericht aussagen musste. Er ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Kulturlandschaft, die von der Landvolk-Dienstleistungs GmbH plötzlich eine Spende über eine Mio. Euro erhalten hatte. Ebenso profitierte die Edmund-Rehwinkel-Stiftung von der Großzügigkeit des Geschäftsführers Lampe und bekam 100.000 Euro überwiesen. Die Kammer bemängelte in der Urteilsbegründung, dass die Spenden völlig überdimensioniert seien und bewusst nicht öffentlich gemacht werden sollten.

Lampe wehrte sich gegen die Vorwürfe

Lothar Lampe hat sich stets gegen die Vorwürfe gewehrt. Im Juni 2013 behauptete er, er habe nie einen Cent für sich aus der Kasse des Landvolks genommen. Im März 2014 hatte sein Anwalt gegenüber der LAND & Forst schriftlich erklärt: „Weder ist Herr Lampe mit dem Vermögen des  Landvolks oder dessen Tochtergesellschaften pflichtwidrig umgegangen, noch hat Herr Lampe aus dem Vermögen bzw. der Tätigkeit des Landvolks oder dessen Tochtergesellschaften irgendeinen persönlichen Vorteil gezogen. Insbesondere die Herrn Lampe vorgehaltenen Spenden aus dem Vermögen einer Tochtergesellschaft des Landvolks an zwei dem Landvolk und dem Deutschen Bauernverband nahestehende Stiftungen erfolgten ausschließlich im Interesse des Landvolks und dessen Mitglieder.“

Strafrechtlichen Ermittlungen laufen

Das sahen die Richter in Verden offensichtlich ganz anders. Die Bewertung der Staatsanwaltschaft bleibt abzuwarten. Dort laufen die strafrechtlichen Ermittlungen und bis März soll entschieden werden, ob das Verfahren eröffnet wird.Das Kapitel Landvolk-Dienstleistungs GmbH und Lampe ist noch nicht beendet. Wie der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes, Dr. Jochen Meyer, mitteilte, sind zwei weitere Zivilklagen anhängig. Dabei geht es um Beweise, die das Landeskriminalamt bei seinen Ermittlungen gegen Lampe und Wilhelm Bergmann entdeckte. Beide sollen demnach gemeinsam rund eine Million Euro zurückzahlen. Einzelheiten wurden nicht erklärt.

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