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Umwelt

Zu viel Stickstoff auf Amerikas Ackerland

von , am
26.09.2011

Washington - Auf rund 43,7 Millionen Hektar Ackerland in den USA ist eine Verringerung der Ausbringung von Stickstoff notwendig. Davon gehen Ökonomen des Landwirtschaftsministeriums aus.

Boden besteht zur Hälfte aus Luft und Wasser. © B. Schweiger
Gleichzeitig steht der Staat laut dem Papier vor einem Dilemma, da bei dem Ausmaß des Problems attraktive Förderkonditionen für ein Nährstoffmanagement schnell an die Haushaltsgrenzen der Agrarumweltprogramme stoßen würden.
 
Bei einer jährlichen Zahlung von 21,93 Dollar/Hektar (16,11 Euro) – dem derzeit geltenden Mindestsatz für gutes Nährstoffmanagement im Rahmen des Umweltanreizprogramms (EQIP) – würden sich die Überweisungen auf 959 Millionen Dollar (705 Millionen Euro) belaufen und damit nah an das Gesamtvolumen des EQIP-Programms heranreichen, aus dem derzeit eine ganze Reihe von Maßnahmen gezahlt werden.
 
Zudem müssten die eigentlichen Prämien pro Hektar als Belohnung für gutes Nährstoffmanagement laut Einschätzung der Ökonomen höher als der Mindestsatz sein, um einen wirklichen Anreiz für die Bauern zu bieten. Eine Beschränkung des Programms auf bestimmte Problemregionen würde die Kosten zwar eindämmen, aber nicht die wahrscheinlichen Teilnahmeraten unter den Landwirten erhöhen, heißt es in der Analyse des Landwirtschaftsministeriums.

Stärke Beteiligung der Privatwirtschaft wird erwogen

Neben dem EQIP gibt es in den USA noch andere wichtige Agrarumweltprogramme, so das Flächenstilllegungen finanzierende Conservation Reserve Program (CRP), das speziell für Feuchtgebiete konzipierte Wetlands Reserve Program (WRP) sowie das Conservation Security Programm (CSP), mit dem besonderer Aufwand der Landwirte abgegolten wird.
 
Erwogen wird für ein verbessertes Düngemanagement aufgrund der hohen Kosten einerseits und der begrenzten staatlichen Mittel andererseits eine verstärkte Beteiligung seitens der Privatwirtschaft. In Frage käme hier die Wasserwirtschaft, die die Hauptleidtragende überhöhter Nährstoffauswaschungen ist.

Handel mit Wasserqualitätsrechten ist keine Lösung

Als Problemregion in Sachen Stickstoffüberschüsse gilt nicht zuletzt der Mittlere Westen der USA mit seinem intensiven Ackerbau und hohen Viehdichten. Aber auch die Bundesstaaten rund um die Großen Seen im Norden der USA haben laut Angaben des Washingtoner Landwirtschaftsministeriums hohe Stickstoffüberschüsse.
 
Wie das Agrarministerium betont, sind die Kosten für verminderte Stickstoffemissionen beim landwirtschaftlichen Betrieb geringer als die Aufwendungen der Klärwerke für verstärkte Wasserreinigung. Ins Spiel gebracht wird daher ein Handel mit Wasserqualitätsrechten. Fragen rund um die Handelbarkeit solcher Zertifikate und hohe Verwaltungskosten hätten den Erfolg solcher Modelle bisher aber eingeschränkt, gibt das Washingtoner Agrarressort zu bedenken.

Stickstoffmenge insgesamt reduzieren

Ein anderer Hebel für die Politik wäre das Ordnungsrecht. Einige der größten Tierhaltungsbetriebe seien dazu verpflichtet, eine zu starke Ausbringung von Wirtschaftsdünger zu unterlassen, doch insgesamt unterliege nur ein geringer Anteil der Mastbetriebe solchen Vorschriften, heißt es in dem Papier des US-Agrarressorts. Auf Freiwilligkeit beruhende Ansätze hätten kaum Aussicht auf Erfolg, wenn es nicht erhebliche finanzielle Unterstützung für ein verbessertes Düngemanagement gebe, so für die Lagerung der Gülle.
 
Die Ökonomen warnen davor, Probleme isoliert anzugehen und damit neue Umweltfragen aufzuwerfen. Bemühungen zur Verringerung der Ammoniakemissionen, indem beispielsweise auf den Prallteller verzichtet und die Gülle per Schlauch injiziert wird, könnten die Gefahr von Auswaschungen ins Grundwasser erhöhen. Eine verstärkte Ausbringung der Gülle im Frühjahr statt im Herbst kann laut dem Papier zu erhöhten Emissionen von Lachgas, einem schädlichen Klimagas, führen. Für einen Stickstoff-Managementplan gelte es daher, unerwünschte Nebeneffekte zu vermeiden. Nur eine Reduzierung der insgesamt ausgebrachten N-Mengen stelle auch eine Verringerung der freiwerdenden einzelnen Stickstoffkomponenten sicher. (AgE)
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