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Facebook-Aufreger

Virales Gurken-Video: Das steckt hinter der Gurkenvernichtung

Minigurken
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Katharina Krenn, agrarheute
am
13.06.2017

Über 90.000 Mal wurde das Video über einen Gurkenproduzenten in Facebook geteilt. Wegen neuen Abpackvorgaben des Handels soll er Gurken vernichtet haben.

Ein Video, in dem ein Gurkenproduzent aus dem fränkischen Segnitz seine Ernte angeblich vernichtet, ging diese Woche im Netz viral. Bisher wurde das Video, das die Fränkische Illustrierte diese Woche auf Facebook gepostet hat über 3,6 Millionen mal geklickt. In dem Video heißt es: "Die großen Handelsketten wollen nur noch in Plastikfolie verpackte Gurken annehmen. Deshalb werden in Segnitz diese Mini-Gurken in Top Qualität vernichtet."

Ist das Video fake?

Das Video ist zwar kein Fake, doch die Darstellung ist etwas verzerrt. Man bekommt den Eindruck, dass der Gärtner seine Gurkenernte vernichtet. Das ist nicht der Fall. Der Gurkenproduzent Franz Hagn erhoffte sich mit der Videoaktion Abnehmer für seine sechs Tonnen Minigurken zu finden, sagte dieser gegenüber der Nordbayerischen Zeitung. Mit solch einer Welle in den Netzwerken hatte der Gärtner nicht gerechnet.

Hintergrund: Vermarktung von Minigurken

Einige Lebenmitteleinzelhändler hätten, so die Information des Gärtners, entschieden, nur noch abgepackte Minigurken anzunehmen. Da seine Vermarktungsgenossenschaft kein Abpackprogramm betreibt, hatte er die Befürchtung, er bliebe auf einem Großteil seiner Minigurken sitzen. Aus diesem Grund habe er sich auf die Facebook-Aktion eingelassen.

Produzent hat Folgen nicht erwartet

Der Ansturm war größer als dem Gärtner lieb war. In Scharen kamen kaufwillige Kunden auf seinen Hof und wollten Minigurken. Die Fränkische Illustrierte dokumentierte die "Hilfsaktion" auf Video. Aber es gab nicht nur positive Reaktionen. Er werde mittlerweile auch von Kollegen angegriffen, erklärt er gegenüber der Nordbayerischen Zeitung. Er scheint die Aktion zu bereuen. Er habe nicht gegen den Handel hetzen wollen, so Hagn.

Stellungnahme von Rewe zum Video

Auf Facebook meldet sich Rewe zu Wort: "Der Landwirt ist uns nicht bekannt und beliefert auch die Rewe nicht direkt. Richtig ist, dass der Erzeuger Mitglied in einer Vermarktungsgenossenschaft ist, die die Rewe Region Süd regional mit verschiedenen Gemüseartikeln beliefert. Die Aussage des Landwirts, dass eine Abnahme von Minigurken durch Rewe in 2017 geplant sei, ist schlichtweg falsch. Zwischen der genossenschaftlichen Erzeugergemeinschaft, in der der Landwirt Mitglied ist, und der Rewe Zentrale gab und gibt es sowohl in der Vergangenheit als auch in diesem Jahr keinerlei vertragliche Abmachungen über die Abnahme von Minigurken. Grundsätzlich vermarktet Rewe sowohl unverpackte Minigurken von lokalen / regionalen Erzeugern als auch Minigurken in der Pappschachtel mit einer Folie drum."

Mit Material von Facebook/Fränkische Illustrierte/Nordbayerische Zeitung
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