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Wirtschaft

WASDE-Bericht des USDA: Terminbörsen reagierten unterschiedlich

aiz
am
12.04.2011

Wien - Der am Freitag veröffentichte WASDE-Bericht des US-Agrarministeriums zeigte wider Erwarten kaum Veränderungen gegenüber dem Vormonat. Die erwarteten Maisendbestände stehen im Widerspruch zu einem erst kürzlich veröffentlichten Report.

© Mühlhausen/landpixel
Der am Freitag veröffentlichte WASDE-Bericht (World Agricultural Supply an Demand Estimates) des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums USDA zu den weltweiten Versorgungsbilanzen von Getreide und Mais brachte - zur Überraschung des Marktes - kaum Veränderungen gegenüber dem Vormonat und steht vor allem mit der unveränderten Einschätzung der Maisendbestände in den USA zum 31. August 2011 im Widerspruch zu einem erst vor einer Woche veröffentlichten Report.
 
Demnach schätzt der WASDE-Bericht die US-Maisbestände zum Ende der Saison 2010/11 unverändert auf 17,15 Millionen Tonnen, während das Ressort vor einer Woche noch von einem Abfall auf unter 13 Millionen Tonnen gesprochen hat. Wie auch immer: Beide Zahlen entsprechen einem 15-Jahres-Tief und einer Ratio von Endlagern zu Verbrauch deutlich unter 10 Prozent. Die Maisnotierung an der Chicagoer CBOT reagierte am Freitag und Montagmorgen mit Anstiegen auf weitere Allzeit-Höchststände. Die US-Maiskurse wurden weiters von einem schwachen US-Dollar und steigenden Rohölpreisen gestützt.

US-Maisnotierungen auf Rallye - Weizen folgt

Das Landwirtschaftsministerium in Washington geht in seinem Report von einem etwas größeren Maisbedarf für die Ethanolproduktion und einem leicht reduzierten für die Verfütterung aus. Auch die globale Maisbilanz schätzte man mit einer nur leichten Korrektur der Endlager um 700.000 Tonnen nach unten auf 122,4 Millionen Tonnen sehr konservativ. Die Terminnotierungen für Mais müssten somit noch weiter steigen, um die Nachfrage so rationieren zu können, dass sie vom Angebot gedeckt werden kann, verlautete es bei Analysten. Die Maiskurse sind mittlerweile auch schon auf ein seit zehn Jahren nicht mehr gesehenes Verhältnis in Richtung der Weizennotierungen gestiegen, sodass schön langsam Weizen für den Einsatz in der Futtermittelherstellung immer interessanter wird und die Zeichen hier auf zunehmenden Verbrauch stehen.

Steigender Weizenverbrauch pusht Weizennotierungen

Dies zog als Folge des neuen WASDE-Berichts auch die Futures für den auch als Futterweizen geeigneten Soft Red Winter an der CBOT in die Höhe. Zudem lösten Händler wegen der steigenden Aussichten für den Soft Red Winter Spreads von Long-Positionen des zuvor wegen der Trockenheit in den Plains ebenfalls verteuerten höherwertigen Brotweizens Hard Red Winter an der Kansas City Board of Trade (KCBT) gegen Short-Positionen an der CBOT bei Soft Red Winter auf. An der weltweiten Weizenbilanz für 2010/11 nahm das USDA eine leichte Korrektur der Endbestände nach oben um 900.000 Tonnen auf 182,83 Millionen Tonnen vor. Demnach soll der Verbrauch von Weizen für Saatgut, als Nahrungsmittel und zur industriellen Verwendung leicht um 0,8 Millionen Tonnen zurückgehen. Dagegen soll der Welthandel mit Weizen gegenüber der März-Prognose mit 122,7 Millionen Tonnen um eine Million Tonnen höher ausfallen. Vor allem die Türkei, Marokko, Indonesien, Jemen, Ägypten und Peru dürfen mehr importieren, wobei die EU und Australien Zuwächse ihrer Exporte um jeweils eine Million Tonnen - bei der EU auf 22 Millionen Tonnen - erfahren dürften.

Euronext Paris: Weizenfutures macht Rallye an der CBOT nicht mit

Der europäische Weizenfutures an der Euronext in Paris hängte sich unter anderem wegen des starken Eurokurses nicht an die Rallye in Chicago an, und schloss am Freitag für den Liefertermin Mai mit einem Verlust von 2,50 Euro bei 247,25 Euro pro Tonne moderat im Minus. Auch der für die Ernte 2011 relevante November-Weizenfutures gab nach - und zwar um 3,50 Euro auf 215 Euro pro Tonne. Am Vormittag des Montags drehten beide wieder leicht ins Plus. Der Pariser Maisfutures an der Euronext folgte dagegen sowohl am Freitag als auch Montag vormittags dem Aufwärtstrend in Chicago.

Sojakomplex und Euronext-Raps im Plus

Trotz eines eher bearishen WASDE-Reports zum Sojakomplex mit nach oben geschätzten Ernten in Südamerika und einer global sich verbessernden Sojabilanz mit um rund zwe Millionen Tonnen auf knapp 61 Millionen Tonnen höher geschätzten Endbeständen reagierten der Sojakomplex an der CBOT und der Rapsfutures an der Euronext darauf mit weiteren Kursgewinnen. Dazu trugen externe Faktoren wie ein schwacher US-Dollar und teures Rohöl genauso bei wie die Auflösung von Spreads zwischen Long-Positionen beim Mais und Short-Positionen bei Soja. Fonds kauften fleißig Sojatitel ein.
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