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Wirtschaft

Wasserknappheit als beherrschender Faktor

Externer Autor
am
12.08.2010

Berlin - Die in Deutschland weit verbreitete Meinung, wonach die australische Landwirtschaft den heimischen Agrarsektor im Wettbewerb bedroht, sollte überdacht werden.

Dafür plädiert Udo Hemmerling vom Deutschen Bauernverband (DBV) in einem Bericht zu aktuellen Entwicklungen der Land- und Ernährungswirtschaft auf dem Fünften Kontinent, der auf einer Reise in das Land im Mai dieses Jahres beruht. Es bleibe richtig, Milch, Rind- und Schaffleisch sowie Zucker könnten die australischen Farmer deutlich günstiger erzeugen.

Die Wasserknappheit werde aber jeder Ausweitung der australischen Agrarproduktion künftig relativ enge Grenzen setzen, so Hemmerling. Andererseits sieht er im Wachstumsmarkt Australien ein interessantes Ziel für die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft. Dies wird durch eine von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) erstellte Studie belegt.

Chancen für Schweinefleisch, Wurst und Süßwaren

Laut dem Exportbarometer erwarten 53 Prozent der Befragten hohes Wachstumspotential in Australien. Damit liegt der Fünfte Kontinent deutlich vor der Schweiz und Japan, für die 37 Prozent beziehungsweise 42 Prozent der Befragten mit Wachstumspotential rechnen. Für Russland gehen 57 Prozent der Umfrageteilnehmer von einer solchen dynamischen Entwicklung aus. Exportchancen für deutsche Agrarprodukte könnte es Hemmerling zufolge in Australien vor allem bei Schweinefleisch und Wurst sowie bei Back- und Süßwaren geben. Exportdruck wäre infolge einer stärkeren Handelsliberalisierung andererseits bei Rindfleisch und Zucker und eventuell bei einigen Milchprodukten zu befürchten.

Risikorücklage steuerlich absetzbar

Wie Hemmerling betont, unterscheidet sich die australische Agrarpolitik mit ihren geringen staatlichen Eingriffen grundlegend von der europäischen. Wegen dieser unterschiedlichen Gestaltung der Agrarpolitik würden in Australien die EU-Direktzahlungen trotz Entkopplung weiter als hoch protektionistisch angesehen. Es bedürfe in Gesprächen einiger Überzeugungskraft, um zu erläutern, welch grundlegende Richtungsänderung mit der Entkopplung der Flächenzahlungen in der Europäischen Union verbunden sei. Der EU-Politik der Marktorientierung werde vielfach noch nicht richtig getraut, was sicherlich auch damit zusammenhänge, dass vieles von Zollfragen überlagert werde. Die australische Fleischwirtschaft halte unter anderem die Exportquote für Rindfleisch in die EU in Höhe von 7.000 Tonnen für viel zu gering im Vergleich zu anderen großen Exportländern. Ein wichtiges Element der australischen Agrarpolitik sei im Übrigen eine steuerliche Risikorücklage, die sogenannten "Farm Management Deposits", als Beitrag zum Risikomanagement der Landwirte, betont Hemmerling.

Rind- und Schaffleisch für den Export 

Die australische Landwirtschaft erzielte im Wirtschaftsjahr 2007/08 einen Produktionswert von 37,6 Milliarden Australische Dollar (26,1 Milliarden Euro), wovon 60 Prozent exportiert wurden. Zu den wichtigsten Agrarexportgütern gehören Rindfleisch, Schaffleisch und -wolle, Getreide und Milchprodukte. Dagegen werden Schweine- und Geflügelfleisch sowie Gartenbauerzeugnisse vorwiegend für den Inlandsmarkt produziert. Nachdem die Bauern in den vergangenen Jahren einige Dürreperioden zu überstehen hatten, sieht die Entwicklung momentan wieder positiver aus. Seit einigen Monaten hat es in vielen Regionen ausreichend Regenfälle gegeben. Die Wasservorräte im wichtigen Murray-Darling-Einzugsgebiet im Südosten des Landes sind inzwischen wieder auf 30 Prozent des langjährigen Mittels angewachsen, nachdem sie 2007 bis 2009 auf ein Niveau von 10 Prozent gefallen waren.

Wasserzähler weit verbreitet

Die Hauptbeschränkung für die weitere Entwicklung der australischen Landwirtschaft und damit auch ihrer künftigen Potentiale am Weltmarkt ist Hemmerling zufolge der Faktor Wasser. Konkrete Anpassungsschritte sieht er unter anderem darin, dass Bewässerungsleitungen für landwirtschaftliche Areale flächendeckend mit Wasserzählern ausgestattet sind. Zudem wurden sämtliche Flusseinzugsgebiete in den letzten Jahren einem öffentlichen Wassermanagement unterzogen. Landwirte, die zusätzlich Beregnungswasser benötigen, müssen dies zukaufen. Auf politischer Ebene ist eine Debatte im Gange, ob der Staat künftig sämtliche Bewässerungsrechte verkaufen sollte. Im Weinbau wurde Hemmerling zufolge die Bewirtschaftung bereits angepasst. Die Rebstöcke lasse man austreiben, so dass an heißen Tagen eine Abschattung der Trauben erfolgt. Neu aufgerebte Flächen würden in Ost-West-Richtung angeordnet. (AgE)

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