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Neolithische Revolution

Von wegen gesund: Landwirtschaft hat Menschen schrumpfen lassen

Ausgrabung eines Menschen
am Sonntag, 20.11.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die Erfindung der Landwirtschaft hat viel verändert. Unter anderem sind die Menschen kleiner geworden. Um vier Zentimeter. Darum war der Beginn von Ackerbau und Viehzucht etwas holprig.

Er gilt als größter Schritt in der Geschichte der Menschheit: Der Wechsel vom Jäger und Sammler hin zum Bauern. Doch die Zeitenwende hat nicht nur Gutes gebracht. Zu Beginn schadete Landwirtschaft der Gesundheit und ließ die Menschen sogar schrumpfen. Anthropologen haben das jetzt in alten Knochen nachgemessen; ganze vier Zentimeter sind die ersten Bauern kleiner geworden.

Erste Landwirte waren 4 cm kleiner als ihre Vorfahren

Für ihre Studie hat die Forscherin Stephanie Marciniak von der Pennsylvania State University Überreste von 167 prähistorischen Europäern und Erbgut untersucht. Die Knochen umfassen eine Zeitspanne von vor 38.000 Jahren bis hin zur Eisenzeit vor 2.400 Jahren. Dabei hat sich herausgestellt, dass die ersten Landwirte der Jungsteinzeit im Vergleich zu ihren Vorfahren aus der Alt- und Mittelsteinzeit um 3,82 Zentimeter kleiner waren. Am Erbgut selbst lag es nicht. Der Kultursprung steht im Verdacht.

Nachteile der frühen Landwirtschaft schadeten der Gesundheit

Allgemein geht man davon aus, dass die Landwirtschaft das Dasein der Menschen von Anfang an erleichterte; die Ernährung wurde planbarer, die Gesellschaften konnten wachsen. Landwirtschaft wurde das Fundament, auf dem heute die ganze Welt steht. Ein Segen, von Anfang an.

Ganz so einfach und linear ist es aber nicht. Die Ergebnisse lassen eine andere Vermutung zu. So könnten zu Beginn des Ackerbaus eine mangelnde Vielfalt in der Ernährung zusammen mit Missernten gerade Kinder in ihrem Wachstum getroffen haben. Zusätzlich förderte das engere Zusammenleben mit vielen Menschen und Haustieren Infektionen. In der Summe Faktoren, die sich negativ aufs individuelle Wachstum auswirken.

Menschen wuchsen wieder - dank Landwirtschaft

Das Schrumpfen dauerte aber nicht ewig. Die Knochen zeigen, dass die Menschen in der Eisenzeit wieder aufs Größenniveau der Steinzeit kamen.

Wissenschaftler widmen sich immer wieder den Veränderungen in Knochen. An ihnen lassen sich neben der Körpergröße sowohl Krankheiten als auch Muskelmasse ablesen. Landwirtschaft hat von Anbeginn einiges mit den Körpern angestellt. Zum Beispiel förderte die Getreidekost Karies. Zudem scheint sie Frauen besonders stark gemacht zu haben. Eine Studie hatte Oberarmknochen von Frauen aus der Jungsteinzeit mit denen von Frauen des Cambridge-Ruderteams verglichen. Die Steinzeit-Ladys waren zwischen elf und 16 Prozent stärker als die modernen Sportlerinnen. Das hing möglicherweise mit dem körperintensiven Mahlen des Korns, dem Pflügen und Melken zusammen.

Mit Material von The Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)

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