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Dorf und Familie

'Die Wegwerfkuh': Bauer Willi stellt Autorin zur Rede

Krenn
am
26.05.2015

Das kürzlich erschienene Buch mit dem provokanten Titel "Die Wegwerfkuh" sorgt für Unmut unter den Landwirten. Dabei sieht sich die Autorin auf Seite der Bauern. Bauer Willi hat das Gespräch gesucht.

Die Wegwerfkuh: Das Buch von Tanja Busse erschien am 30. März 2015 im Blessing Verlag. © Blessing Verlag
Für allerlei Diskussionsstoff sorgt derzeit das Buch "Die Wegwerfkuh" von Tanja Busse. Angeheizt von dem provokanten Titel stürzen sich die Medien darauf. Die Landwirte fühlen sich wieder einmal an den Pranger gestellt. Dabei kommt die Autorin Tanja Busse selbst von einem bäuerlichen Betrieb. Was hat Busse dazu motiviert dieses Buch zu schreiben? Das und Anderes wollte Bauer Willi von ihr wissen. Im Gespräch bekam er Antworten: 
 

Ein Buch für die Bauern

Eigentlich wollte Busse mit ihrem Buch "Die Wegwerfkuh" die Bauern nicht diffamieren, sondern ihre Probleme ansprechen. Das Problem sei, so ihre Aussage, der provokante Titel: "Ich bekomme ganz viele Briefe von Bäuerinnen und Bauern, die mein Buch gelesen haben und ihre Sorgen darin wiederfinden, gleichzeitig trägt das Buch einen Titel, der Landwirte als Leser abschreckt!"
 
Mit Enttäuschung reagiert die Autorin auf die Frage Bauer Willis, ob sie den Unmut der Bauern hinsichtlich des Buchs verstehen kann. "Wer meint, in meinem Buch würden Bauern als die Bösen dargestellt, der soll gerne erst einmal ein paar Seiten lesen!", so Busse. Auf der Seite des Verlags kann man die ersten Seiten umsonst lesen. Das Vorwort habe sie "extra für die Landwirte geschrieben".
 

Worum geht es in dem Buch?

Der Blessing Buch-Verlag schreibt in seiner Zusammenfassung des Buchs: "Die deutsche Landwirtschaft produziert immer mehr Milch, Fleisch und Eier in immer kürzerer Zeit. Die Effizienz scheint ihr bestes Argument zu sein. Nur mit den Methoden der Agrarindustrie könne man neun Milliarden Menschen ernähren, behaupten deren Anhänger.
 
Doch diese Hochleistungslandwirtschaft ist eine Verschwendungs- und Vernichtungslandwirtschaft. Sie erzeugt Milchkühe, die - bei einer natürlichen Lebenserwartung von zwanzig Jahren - schon nach drei Jahren im Melkstand geschlachtet werden. [...] Gleichzeitig können die meisten Bauern nicht mehr autonom handeln, weil sie abhängig und hoch verschuldet sind. [...] In ihrem neuen Buch "Die Wegwerfkuh" belässt Tanja Busse es nicht bei der schonungslosen Kritik der Missstände und Abhängigkeiten, sondern zeigt auch Wege zu einer nachhaltigen Landwirtschaft auf.
 

Autorin zeigt Verständnis

Der Autorin zeigt in dem Gespräch Verständnis für die Not der Bauern und, "dass der öffentliche Druck den Landwirtinnen und Landwirte zu schaffen macht".  Sie seien zu Recht wütend darüber, dass sie viel Geld in ein Produktionssystem investiert haben, in dem sie kein Auskommen finden. "Die Betriebszweigauswertungen der Landwirtschaftskammern bringen immer wieder ans Licht, dass etwa ein Viertel der Geflügelmäster über Jahre rote Zahlen schreibt. Da kann ich doch nicht sagen, die machen alle Managementfehler!"

Lösungsvorschläge der Autorin

  • "Wir müssen die Kluft zwischen Konsumenten und Landwirten schließen. Die Konsumenten müssen wissen, wo ihre Milch, ihr Fleisch und ihr Gemüse herkommen. Es ist genau richtig, dass immer mehr Landwirte ihre Höfe zeigen wollen."
  • "Ich halte allerdings moderne Mastanlagen oder Sauen in Kastenständen für nicht vermittelbar. Auch wenn sich die Bauern in diesen Ställen intensiv um ihre Tiere kümmern - bestimmte Haltungsformen wirken auf die meisten Konsumenten eher abschreckend."
  • "Ich glaube auch, wenn man erst duschen und Schutzkleidung anziehen muss, bevor man in einen Stall geht, wirkt das nicht vertrauenserweckend im Sinne von so sauber und sicher ist das hier, sondern eher gefährlich."
  • "Wir müssen die Informationslücken schließen. Ich habe in den letzten Jahren stapelweise Wochenblätter und die Fachblätter der einzelnen Betriebszweige gesichtet, und manchmal kommt es mir vor, als sei es in diesen Redaktionen verboten, über etwas zu schreiben, was nicht auf der offiziellen Linie liegt."

Busse: "Die Ernährungsdiktatur"

 
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