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Weißkeißel ist weit: In Sachsen starb der dritte Hund durch Wölfe

Berner Sennenhund
am Freitag, 27.09.2019 - 08:00 (Jetzt kommentieren)

Jetzt steht fest: Der Berner Sennenhund, der Anfang August auf einem Grundstück in Weißkeißel bei Görlitz tot aufgefunden wurde, fiel einem Wolf zum Opfer. Er ist bereits der dritte Fall innerhalb von knapp zwei Jahren. Die Öffentlichkeit schert das kaum.

Jetzt fressen sie also Hunde. Das war mein erster Gedanke, als ich vor knapp zwei Monaten eine Meldung zu angefressenen Hundekadavern im sächsischen Weißkeißel schrieb. Seit ein paar Tagen steht nun fest: Tatsächlich geht auch der dritte Fall in der Nähe von Weißkeißel aufs Konto von Wölfen. Der Berner Sennenhund, von dem sein Besitzer nicht viel mehr als die Hinterläufe fand, ist ein Wolfsriss.

Die Öffentlichkeit außerhalb von Weißkeißel scheint allerdings auch jetzt kaum Notiz davon zu nehmen. Ostsachsen, einen buchstäblichen Steinwurf von der polnischen Grenze entfernt in einer 1.200-Seelen-Gemeinde nahe einem verwaisten Truppenübungsplatz der ehemaligen Sowjetstreitkräfte – also gefühlt am anderen Ende der Welt ... da regt es selbst Hundeliebhaber kaum auf, dass es inzwischen nicht nur Schafe und Ziegen trifft, wenn Wölfe töten.

Noch immer kein wirksames Wolfsmanagement

Und wirklich ist das – rein technisch gesehen – kein Aufreger. Denn die Wölfe tun das, was ihnen der Instinkt befiehlt: Sie verteidigen ihr Territorium. Ein Hund ist ein Konkurrent und ein Gefährder. Man vertreibt oder tötet ihn. Fertig. Natur ist so.

Bedenklich ist aber, dass bereits mehrfach Hofhunde in Hausnähe angegriffen wurden. Hier zeigt sich einmal mehr: Eine so rasant wachsende Population wie die der grauen Beutegreifer kommt zwangsläufig mit ihrer Umgebung ins Gehege. Und da es keine Option sein kann, dass wir ländliche Regionen räumen für Isegrim und Familie, brauchen wir eine wirksame Kontrolle der Wolfsbestände.

Berliner Hunde sind nicht gefährdet

Doch nach wie vor sind wir von einer nachhaltigen Lösung weit entfernt. Noch immer wächst die Population nahezu ungebremst und noch immer wird endlos über "verhaltensauffällige Einzeltiere" diskutiert, während jede neue Wolfsgeneration von ihren Eltern lernt, dass vom Menschen keine ernsthafte Gefahr ausgeht. Dass das immer häufiger dazu führt, dass Wölfe sich in menschliche Ansiedlungen wagen, zeigen nicht nur die Beispiele aus Weißkeißel.

Ob sich daran zeitnah etwas ändern wird, bezweifle ich inzwischen stark. Am Schutzstatus des Wolfes werde nicht gerüttelt, erklärte Bundesumweltministerin Svenja Schulze Ende Mai.

Es besteht eben auch bei hohem Populationsdruck vorerst keine Gefahr, dass sich ein stadthundereißender Wolf nach Berlin-Mitte verirrt. Und dort sitzen nicht nur so manche Wolfsschutzorganisationen, sondern auch deren Spender und politische Unterstützer. Weit weg von Weißkeißel.

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