Login
Wirtschaft

Weizen: Russland gewinnt Exportauktion

Dr. Olaf Zinke, agrarmanager
am
15.08.2012

Berlin - In Russland zieht der frühe Erntebeginn ein Angebotsdruck nach sich. Bei der ersten ägyptischen Exportauktion im neuen Wirtschaftsjahr machte Russland den besten Preis für Weizen und gewann die Auktion.

Russland hat die erste Exportauktion des weltweit größten Weizenimporteurs Ägypten im neuen Wirtschaftsjahr gewonnen. Anfang dieser Woche kaufte die staatliche ägyptische Importbehörde GASC insgesamt 120.000 Tonnen (t) russischen Brotweizen zum Preis von 316,47 US-Dollar pro Tonne (ohne Fracht).
 
 
 
 
 
 
Damit war das russische Angebot deutlich billiger als die ebenfalls vorliegenden Offerten aus der Ukraine, aus Frankreich und den USA. Während der ukrainische Weizen für 330 US-Dollar pro Tonne angeboten wurde, lag das Angebot aus Frankreich bei 350 US-Dollar pro Tonne und der US-Weizen (Soft Red Winter) kostete 379 US-Dollar pro Tonne.

Angebotsdruck nach Erntebeginn in Russland

Hintergrund für den sehr günstigen russischen Preis ist offenbar der sehr frühe Erntebeginn und ein dadurch entstehender "temporärer" Angebotsdruck, der zu einem schnellen Abfließen der Ware über die südrussischen Exporthäfen führte. Allein im Juli wurden rund zwei Millionen Tonnen (Mio. t) Getreide aus Russland exportiert und für August halten Analysten sogar eine Ausfuhrmenge von bis 2,5 Mio. t für möglich.
 
Bis Anfang August war bereits ein Drittel des russischen Getreides geerntet. Allerdings blieben die Erträge bei Weizen bis dahin rund 20 Prozent unter dem Vorjahreswert und damit auch die Produktion und das Exportpotential. In der Folge dürfte auch die Wettbewerbsfähigkeit der russischen Exporteure deutlich abnehmen, denn der Weizen wird auch am russischen Binnenmarkt knapp und teuer bleiben.

Exportpotential kräftig geschrumpft

Das US-Landwirtschaftsministerium hat die Prognose für die russische Weizenernte in seinem aktuellen Report von 49 Mio. t auf 43 Mio. t gesenkt. Der Inlandsbedarf für Nahrung und Tierfutter liegt zusammen bei etwa 37 Mio. t, so dass mit der kleineren Ernte auch das Exportpotential deutlich schrumpft. Das USDA geht ebenso wie die auch in Russland arbeitenden europäischen Analysten von Agritel von einem Exportvolumen von allenfalls acht Mio. t Weizen aus.
 
Im letzten Jahr exportierten die Russen immerhin 22 Mio. t Weizen. Zwar bestreiten offizielle russische Stellen Pläne, möglichweise ein Exportverbot zu verhängen. Dies wird auch durch den WTO-Beitritt deutlich erschwert ist. Analysten halten jedoch eine Regulierung der Ausfuhren über Kontingente und Zölle für möglich. Solche Maßnahmen könnten angesichts der umfangreichen Exporte allerdings auch relativ plötzlich kommen.
 
Auch interessant