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Ernährung und Gesundheit

Welternährungstag: Kleinbauern stärken

pd/vm
am
16.10.2013

Der Welternährungstag soll darauf aufmerksam machen, dass weltweit viele Millionen Menschen an Hunger leiden. Drei Viertel aller Armen und Hungernden weltweit leben auf dem Land.

Hunger ist immer noch das größte Gesundheitsrisiko weltweit. Es sterben jährlich mehr Menschen an Hunger als an AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen. Trotz sinkender Zahlen sind es immer noch 842 Millionen Menschen weltweit, die Hunger leiden müssen. Die große Mehrheit davon lebt in Entwicklungsländern. Besonders betroffen sind Kinder. Unterernährung trägt jährlich zum Tod von 2,6 Millionen Kindern unter fünf Jahren bei.
 

Die Zahl der Hungernden sinkt

Im Vergleich zum Zeitraum 2010 bis 2012 gibt es laut Bericht der Welternährungsorganisation (FAO) 26 Millionen Menschen weniger, die hungern. Die insgesamt sinkenden Zahlen haben ihre Ursache in den verbesserten Wachstumsbedingungen in den Entwicklungsländern. Dort hat sich die Einkommenssituation verbessert, und die Menschen haben einen besseren Zugang zu Nahrungsmitteln. Auch ist die landwirtschaftliche Produktion gewachsen. Grund dafür sind steigende öffentliche und private Investitionen in die Landwirtschaft.
 
Jedoch gibt es deutliche regionale Unterschiede. In Afrika südlich der Sahara herrscht immer noch der größte Mangel: Jeder vierte Afrikaner hungert. Südostasien und Nordafrika können langsame Verbesserungen in der Ernährungssituation verzeichnen. In den Ländern Ostasiens, Südostasiens, Lateinamerikas und in der Karibik geht die Zahl der Hungernden zurück.

Menschen auf dem Land besonders betroffen

Der FAO-Bericht stellt fest, dass Wirtschaftswachstum zwar potenziell dazu beiträgt, den Hunger zu verringern. Oft kommt dieses Wachstum aber, vor allem in ländlichen Gegenden, nicht bei den Menschen an. Drei Viertel aller Armen und Hungernden weltweit leben auf dem Land. Mit der Abwanderung in die Stadt gelingt es vielen Menschen, ihre Lebenssituation zu verbessern, Einkommen zu erzielen und den Hunger zu überwinden. Stadtbewohner, die den größten Teil ihrer Nahrung kaufen müssen, sind allerdings besonders den Risiken sprunghaft steigender Preise ausgesetzt.

Deutschland unterstützt FAO nachdrücklich

Als drittgrößter Beitragszahler unterstützt Deutschland die FAO nachdrücklich dabei, die Anzahl der Hungernden bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Für die Projektzusammenarbeit im Bereich Ernährungssicherung stellt Deutschland jährlich 8,3 Millionen Euro zur Verfügung. Seit 2002 sind mit knapp 90 Millionen mehr als 70 Projekte in Schwerpunktregionen unterstützt worden. In den vergangenen drei Jahren hat das Bundesentwicklungsministerium mehr als zwei Milliarden Euro investiert: in ländliche Entwicklung, Landwirtschaftsförderung und Ernährungssicherung.

Zehn Prozent der Entwicklungsgelder für bäuerliche Familienbetriebe

Anlässlich des Welternährungstages fordern der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), die afrikanische Nichtregierungsorganisation Inades und Misereor die künftige Bundesregierung zu einem Kurswechsel in ihrer ländlichen Entwicklungspolitik auf. Statt auf symbolische Partnerschaften mit dem Agribusiness zu setzen soll die neue Bundesregierung mindestens zehn Prozent ihrer Entwicklungsgelder in bäuerliche Landwirtschaft investieren. Derzeit kommt nur ein geringer Teil der ländlichen Entwicklungsförderung Kleinbauerinnen und Kleinbauern unmittelbar zugute.
 
Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Dachverbandes der Bio-Branche in Deutschland, BÖLW, betont: "Stabile Ernährungssysteme, ganz egal ob in Afrika oder hier in Europa, entstehen ohne die teuren Produkte der Agrarchemie. Sie erfordern Investitionen in lokale Infrastrukturen und in die Köpfe der Bauern selbst. In afrikanischen Ländern haben über 10 Millionen Bauern durch partizipative Forschung in agrar-ökologische Intensivierung ihre Erträge mehr als verdoppelt." Da werde gezielt in bäuerliche Produktivität investiert. Was fehle, sei ein umfassender Ansatz, der von Regierungen unterstützt wird.
 
Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR, erläutert: "Während die Zahl der hungernden Menschen, die nicht in der Lage sind, ihren Kalorienbedarf zu decken, laut FAO leicht zurückgegangen ist, leiden zwei Milliarden Menschen täglich unter Vitamin- und Mineralstoffmangel. Das zeigt: Einfach mehr Nahrungsmittel zu produzieren ist nicht die Lösung. Wir brauchen vielfältige, gesunde Ernährungssysteme vor Ort, um das zu ändern."
 
Gegenwärtig veranschlagt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit mehr als 700 Millionen Euro zwar circa elf Prozent des Entwicklungsetats für die ländliche Entwicklung. Jedoch kommt nur ein kleiner Teil dieser elf Prozent der kleinbäuerlichen Landwirtschaft unmittelbar zugute.

DBV: Ernährung durch starke bäuerliche Selbsthilfeorganisationen sichern

Der Deutsche Bauernverband (DBV) fordert anlässlich des Welternährungstages die verstärkte und konsequente Förderung einer von Bauern getragenen und nachhaltigen Landwirtschaft. In den am stärksten von Hunger betroffenen Ländern mangele es nach wie vor an entsprechenden Rahmenbedingungen für eine Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume. Um Hunger in der Welt nachhaltig zu bekämpfen, müsse die Landwirtschaft und ländliche Entwicklung auch in der internationalen Entwicklungspolitik mehr Beachtung finden.
 
Es sei vielsagend, dass der größte Teil der Hungernden auf der Welt Bauern und deren Familien auf dem Land seien, heißt es beim DBV. Fehlende Rechtssicherheit, unzureichender Zugang zu Boden und Krediten, fehlende Infrastrukturen und mangelhafte Ausbildung seien vor allem verantwortlich für Hunger, Mangelernährung und Armut. Diesen drängenden Herausforderungen gelte es durch die aktive Förderung der Landwirte und der ländlichen Räume zu begegnen. Die Förderung des Zusammenschlusses von Bäuerinnen und Bauern in Selbsthilfeorganisationen sei eine wesentliche Voraussetzung für eine nachhaltige Produktionssteigerung und die Ausbildung von Wertschöpfungsketten.

'Hunger ist eine Folge der Armut'

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